Julia Bornefeld – Julias Welt

grundlos glücklich 2008/2009 Container, Fiat 500, Tisch, Stühle, Betten, Digitalprints auf PVC-Plane, performed by Julia Bornefeld and guests. Paralellevent Manifesta 7, Trentino / Altoadige, Italien, 2008, PerformIC Tage Innsbruck, Courtesy Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck/Wien

Bei der Installation „grundlos glücklich“ (2009) dienten Container als künstlerisch-provisorische Behausungs- und Servicestätte. Darin Platz fanden ein Gasthaustisch, auf dem ein rotweißkarierter Bettenberg lag, und ein alter Fiat 500. Mit drei Mädchen brauste Julia Bornefeld, alle in rotweißkarierten Dirndl bekleidet, in Endlosschleife durch Innsbruck und Bruneck und ließ sich vor den Sehenswürdigkeiten mit dem knallroten Fiat fotografieren. Courtesy Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck/Wien

ANZEIGE
Grasegger. Ihr Haus für Tradition und Gegenwart. Garmisch-Partenkirchen

Assoziativ und spielerisch nähert sich die Künstlerin Julia Bornefeld ihren Bildinhalten, die Ausdruck ihrer Umwelt sind. Ihre hintergründigen, performanceartigen Inszenierungen sind nicht nur Eyecatcher, sondern regen zum Schmunzeln an und verbreiten oft auch gute Laune (ALPS Magazine #16 3/2013 Review)

Julia Bornefeld lässt Frauen durch brennende Reifen springen, rammt ein gewaltiges Messer in Hinrichtungsmanier in ein altes Klavier und ist oft selbst Teil ihrer ironisch-provokativen Aktionen. „Ich verdrehe gewohnte Situationen und stelle so herkömmliche Sichtweisen auf den Kopf“, erklärt die in Bruneck lebende Künstlerin. Ihre Arbeit kennt viele Ausdrucksformen: Malerei, Skulptur, Zeichnung, Collage, Fotografie, Musik, Videofilm und Installation. Um ihren künstlerischen Vorstellungen und den gesellschaftlichen Veränderungen so nah wie möglich zu kommen, wechselt sie immer wieder das Medium. Dabei arbeitet sie mit den Stilmitteln Ironie und Überzeichnung, Verfremdung und Identifikation. Ihre Werke sind gespickt mit familiären Versatzstücken. „Persönliche Erlebnisse sind zum Teil Auslöser und Inhalt meiner Arbeiten“, sagt Julia Bornefeld. So ist zum Beispiel die Musik aus dem Leben der Künstlerin nicht wegzudenken. Sehr früh wurde die 49-Jährige von ihrem Großvater Rudolf Graf geprägt. Mitte der 1950er Jahre wirkte er am Tiroler Landestheater in Innsbruck als Dirigent, Komponist und Pianist. Bornefelds überdimensionales Grammophon aus vergoldetem Messingblech, aus dessen Schalltrichter eine Komposition von Rudolf Graf ertönt, war 2011 Highlight ihrer umfassenden Ausstellung „Vanity and High Fidelity“ im Innsbrucker Landesmuseum Ferdinandeum. Das Klavier, zum dem Julia Bornefeld seit ihrer Jugend ein ambivalentes Verhältnis hat, spielt ebenfalls oft eine Rolle in ihren Arbeiten. „Es ist das klassische Erziehungsinstrument des Bürgertums im ausgehenden 18. Jahrhundert“, so die Künstlerin. Mal wird es daher erdolcht, mal tanzt Julia Bornefeld in einem Video auf dem guten Stück. Bei ihrer temporären Installation „grundlos glücklich“, die 2008/09 in Bruneck und Innsbruck stattfand, war Julia Bornefeld ebenfalls Teil der Inszenierung. Die Künstlerin lud zu einer humorvollen, aber auch hinterfragenden Begegnung mit der Tiroler Herbergs- und Gastronomieidylle ein.

grundlos glücklich 2008/2009 Container, Fiat 500, Tisch, Stühle, Betten, Digitalprints auf PVC-Plane, performed by Julia Bornefeld and guests. Paralellevent Manifesta 7, Trentino / Altoadige, Italien, 2008, PerformIC Tage Innsbruck, Courtesy Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck/Wien

Courtesy Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck/Wien

Mit ihrer monumentalen Fotoinstallation „The Burning Supper“ setzte die Künstlerin im Frühjahr 2012 ein flammendes Zeichen im barocken Altarraum des Innsbrucker Dom zu St. Jakob. Breite, verkohlte Holzbalken geben der lodernden Tafel einen stattlichen Rahmen. Moderne Jünger mit Motorradjacken versammeln sich hier am Tisch. Die Inszenierung basiert auf Leonardo da Vincis berühmtem Abendmahl. „In vielen Kulturen werden die Übergänge von Leben in den Tod und alle damit verbundenen Verwandlungen durch Feuerrituale in Szene gesetzt“, erläutert Bornefeld. Daher ließ die Künstlerin als Erinnerungsarbeit vier mit Benzin getränkte, mannshohe Buchstaben aus Stroh, die das Wort Mama bildeten, in einer weiteren Performance in Flammen aufgehen. Anschließend hielt sie den Brand, angefangen vom hellem Erscheinen des Wortes bis zum langsamen Verglühen des Schriftzuges, fotografisch fest.

grundlos glücklich 2008/2009 Container, Fiat 500, Tisch, Stühle, Betten, Digitalprints auf PVC-Plane, performed by Julia Bornefeld and guests. Paralellevent Manifesta 7, Trentino / Altoadige, Italien, 2008, PerformIC Tage Innsbruck, Courtesy Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck/Wien

Courtesy Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck/Wien

ANZEIGE

Ihre Installation „Lullaby Milan“ dagegen thematisiert die Bezähmung femininer Energien. „Die fünfteilige Fotoserie, bei der ich unter anderem eine Frau in einem Leopardenfellmantel durch einen brennenden Reifen springen ließ, zeigt wilde Weiblichkeit, dressiert durch modische Attitüde und zum Fetisch stilisiert“, erklärt die Künstlerin. Als brennend, aber auch verlässlich bezeichnet die international agierende Galeristin Elisabeth Thoman (Galerie Klaus und Elisabeth Thoman, Innsbruck/Wien) die Künstlerin: „Julia Bornefeld ist ein Solitär und hat eine beständige Sammlerschaft in Deutschland, Österreich und Italien sowie in Australien und Kanada. Ihre Preise werden weiter anziehen. Momentan liegen sie für Papierarbeiten im vierstelligen, für Installationen im unteren fünfstelligen Bereich. Für Einsteiger empfehlenswert!“.

grundlos glücklich 2008/2009 Container, Fiat 500, Tisch, Stühle, Betten, Digitalprints auf PVC-Plane, performed by Julia Bornefeld and guests. Paralellevent Manifesta 7, Trentino / Altoadige, Italien, 2008, PerformIC Tage Innsbruck, Courtesy Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck/Wien

grundlos glücklich 2008/2009 Container, Fiat 500, Tisch, Stühle, Betten, Digitalprints auf PVC-Plane, performed by Julia Bornefeld and guests. Paralellevent Manifesta 7, Trentino / Altoadige, Italien, 2008, PerformIC Tage Innsbruck, Courtesy Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck/Wien

BIOGRAPHIE
Julia Bornefeld, Jahrgang 1963, wurde in Kiel geboren. Sie studierte Malerei an der Fachhochschule für Gestaltung in Kiel (1984–1989) und absolvierte ein Gaststudium an der Accademia delle Belle Arti di Venezia bei Emilio Vedova (1986–1987) und an der Akademija Likovna Umjetnost, Ljubljana. Die Künstlerin erhielt mehrere Preise und kann auf zahlreiche Ausstellungen in Österreich, Italien, Deutschland und in der Schweiz zurückblicken. Sie lebt mit ihrer Familie in Bruneck (Südtirol). Dort befindet sich ihr Atelier in einer Fabrikhalle der Tuchfabrik Moessmer. In Berlin verfügt die Künstlerin über ein zweites Atelier in der Kronberg Remise.
 
Website: www.juliabornefeld.com
Galerie: www.galeriethoman.com
Kategorie ALPENBLICK, Kunst & Kultur

Die Südtirolerin wuchs in der bayerischen Hauptstadt auf, studierte in Innsbruck, München und Paris und pendelt heute zwischen München und Meran, den beiden Städten, die sie am liebsten mag. Die promovierte Kunsthistorikerin liebt die Künstlergruppe „Scholle“ und die Sammlung Unterberger, für die sie als wissenschaftliche Beraterin tätig ist. Die ehemalige Redakteurin des Kunstmagazins „Weltkunst“ hat ein Faible für Old- und Youngtimer – am liebsten sind ihr Roadster: „Weil sie Geschichte haben und viel erzählen können.“