Die brauen sich was

BUNTE BURG Selbstbewusst und fantasievoll pflegen die Frauen der Forst-Brauerei, Mar­gherita Fuchs von Mannstein und Tochter Cellina (auf dem Kürbis), ihr berühmtes Bier und ihren farbigen Stil

BUNTE BURG Selbstbewusst und fantasievoll pflegen die Frauen der Forst-Brauerei, Mar­gherita Fuchs von Mannstein und Tochter Cellina (auf dem Kürbis), ihr berühmtes Bier und ihren farbigen Stil // © Fotos: Robert Eickelpoth, Michael Breyer

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Grasegger. Ihr Haus für Tradition und Gegenwart. Garmisch-Partenkirchen

Südtirols größte Bierbrauerei Forst ist eine wahre Weiberwirtschaft: Als legendäre Präsidentin fungierte die alte Margerethe Fuchs, ihre Tochter Margherita von Mannstein führt die Geschäfte. Jetzt ist auch noch die nächste Generation hinzugekommen. Und das ist ausgerechnet Marghereta Cellina von Mannstein, eigentlich eine der besten Fotografinnen Europas, die ihre Karriere für den Familienkonzern unterbrochen hat. Besuch in einem außergewöhnlichen Matriarchat (ALPS Magazine #2/2010 Review)

Der Wein ist gelesen, die dunkelroten Äpfel mit dem Ernten dran, die ersten Keschtnbrater stellen in Meran ihre Kohletonnen auf. Es ist Törggelenzeit in Südtirol, aus den Stuben der Häuser riecht es nach frischen Speckknödeln, es gibt Siaßen und Nuien, süßen Most und jungen Wein. Nicht nur die Menschen sehen rotbackig und gesund aus, der Landstrich selbst scheint gerade Gefallen an der eigenen Schönheit zu finden. Im Örtchen Algund ragt zwischen ewig scheinenden Bahnen an Bäumchen reifer Äpfel eine Burganlage in die blaue Stunde. Eine Hausdame führt durch einen von bunten Blättern umrankten Innenhof hinein in ein Kaminzimmer, wo Margherita von Mannstein Platz genommen hat, die Burgherrin, einen großen Cocktail neben sich, Kette rauchend.

„Man kann nicht immer nur Bier trinken“, sagt sie. „Sie werden mir nachsehen, dass ich auf einen Drink umgestiegen bin“, dann betätigt sie eine kleine Fernbedienung an der ein Fischanhänger baumelt. Geräuschlos öffnet sich eine Tür, eine andere Hausdame tritt ein und serviert dem Gast ein Forst-Pils, das Produkt des Hauses, dazu gefüllte Oliven, Garnelen, gebackenen Salbeiblätter. Die Mutter wird entschuldigt, sie ist über Neunzig und schon zu Bett gegangen, ach ja und die Tochter, die Garagentore seien eingeklemmt, sie kommt leicht zu spät. Es ist eine Welt, wie sie eigentlich nur noch in Firmenalmanachen oder den Drehbüchern für Dynastie-Dramen, die Mario Adorf auf dem Leib geschrieben werden, existiert. Mit der einen Ausnahme, dass Adorf in dieser Geschichte nur einen Fahrer oder einen alten Braumeister spielen könnte, einen Patriarchen gibt es in der Forst-Sippe nämlich schon lange nicht mehr. Nur auf allgegenwärtigen Bilder ist der letzte große Firmenchef, der von den Mitarbeitern nur ehrfurchtsvoll „Herr Ingenieur Fuchs“ genannt wird, präsent.

Heute fühlt Cellina von Mannstein sich im Kesselraum der familieneigenen Brauerei genauso zu Hause wie früher in der Glamourwelt internationaler Fotostudios: „Ich bin gut darin, gegensätz­liche Welten zusammenzubringen.“

HEIMKEHRERIN Heute fühlt Cellina von Mannstein sich im Kesselraum der familieneigenen Brauerei genauso zu Hause wie früher in der Glamourwelt internationaler Fotostudios: „Ich bin gut darin, gegensätz­liche Welten zusammenzubringen.“ // © Fotos: Robert Eickelpoth, Michael Breyer

Seit seinem Tod steht die Gattin, die alte Grande Dame, die selbstverständlich mit „Frau Ingenieur“ tituliert wird, als Präsidentin vor. Ihre Tochter Margherita von Mannstein hat als Geschäftsführerin fest die Zügel in der Hand, Tochter Cellina kümmert sich um Werbung und das kreative. Jede trägt den alten Herren anders im Herzen, die Großmutter lässt vor seinem Bild im Welcome Room der Brauerei ein ewiges Licht am Brennen halten, Cellina hat aus seinen Krawatten einen großen Kilt genäht. Vielleicht hatte der berühmte Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner ja diese Weiberwirtschaft im Sinne, als er kürzlich davon sprach, dass die Welt besser funktionieren würde, wenn sie als Matriarchat angelegt wäre.

Dem nahe dem Schloss gelegenen Brauereigelände ist die weibliche Handschrift jedenfalls sehr deutlich anzumerken. Die Hallen sind im Stile eines überdimensionierten typisch Tirolerischen Bauerndorfes gestaltet – mit schmucken Holzgiebeln, verzierten Balkonen mit üppigen Blumen und sogar einem stilisierten Kirchtürmchen. Sinnsprüche wie „Stetes Ringen, führt zum Gelingen“ sind kunstvoll an die Wände gemalt. In jedem einzelnen Raum von der Kesselhalle bis zum Gärkeller ist ein großes, antikes Kruzifix angebracht. „Sind Sie katholisch?“, fragt Margherita von Mannstein dann auch mit prüfendem Blick bei einem kleinen Rundgang durch ihr Schloss, als sie das Schiff der gotischen Hauskapelle betritt und deutet auf den kleinen Kessel mit geweihtem Wasser. „Dann bekreuzigen sie sich auch vor dem Herrn“. Auch die moderne Kesselhalle, die gerade errichtet wird, ist von der Gläubigkeit nicht ausgenommen.

„DIE FAMILIE muss Freiheiten lassen, dann geht man gut mit ihr um und ist als PRIVATUNTERNEHMEN unschlagbar“

Die Grundsteinlegung wurde bewusst auf einen katholischen Feiertag gelegt, damit der Bau stets unter dem Schutze „unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter Maria“ stehe möge. Cellina von Mannstein, übrigens nicht getauft, ist mit ihrem Freund Gerhard Comper, einem waschechten Südtiroler der noch dazu Finanzchef bei Forst ist, eingetroffen. Sie trägt ein tailliertes Trachtenjäckchen und es ist unklar, ob es ironisch gemeint ist. Cellina von Mannstein ist in ihrem bisherigen Leben alles andere als ein Prototyp der höheren Tochter gewesen. Aufgewachsen in Düsseldorf, wo auch die Mutter bis zur Scheidung von Cord von Mannstein, dem legendären Werber, der nicht nur das Forst-Logo sondern auch alle Wahlkämpfe von Helmut Kohl gestaltet hat – „bis auf den letzten, der verloren gegangen ist“ wie Margeritha von Mannstein insistiert. „Ich erinnere mich noch, als Kohl einmal bei uns zu Gast war und ich bereits Lust an der Fotografie gefunden hatte“, sagt Cellina. „Ich kam also in das Zimmer, wo er saß und knipste drauf los, schließlich war er in unserem Haus, ich fand, dass ich das recht dazu hatte. Er regte sich aber schrecklich auf und hat mich so streng ermahnt, dass ich wütend nach draußen gelaufen bin und ein längeres Shooting mit seinem persönlichen Fahrer in der Limousine veranstaltete – eigentlich nur um ihn zu ärgern und mich selbst doch noch irgendwie doch durchzusetzen“.

Bei Geschäftsführerin Margherita Fuchs von Mannstein laufen alle Fäden zusammen. Die Chefin ist stolz auf das Geschenk eines Mitarbeiters, der in jahrelanger Kleinarbeit ein Miniaturmodell der Brauereianlage Forst angefertigt hat

SCHALTZENTRALE Bei Geschäftsführerin Margherita Fuchs von Mannstein laufen alle Fäden zusammen. Die Chefin ist stolz auf das Geschenk eines Mitarbeiters, der in jahrelanger Kleinarbeit ein Miniaturmodell der Brauereianlage Forst angefertigt hat (unten) // © Fotos: Robert Eickelpoth, Michael Breyer

Miniaturmodell der Brauereianlage Forst

Miniaturmodell der Brauereianlage Forst // © Fotos: Robert Eickelpoth, Michael Breyer

Berühmt ist sie weniger mit Fotografien von Staatsmännern geworden, sondern mit aufregenden Bildern voll reizender Widersprüche, Wahrhaftigkeit und Sex. Bilder, die in internationalen Magazinen wie dem I-D Magazine, Arena, Rolling Stone, GQ oder Park Avenue gedruckt wurden, ihr den renommierten Lead Award als beste Fotostrecke einbrachten. Eine Londoner Galeristin sei es gewesen, die Cellina am Anfang ihrer Laufbahn darauf aufmerksam gemacht hatte, dass ihr Stil, gut mit dem des weltberühmten Terry Richardson korrespondieren könnte. „Und tatsächlich fand ich mich in seiner Ästhetik wieder und habe mich – obwohl ich selbst schon im Geschäft war – als Praktikantin bei ihm beworben, schickte seinem Büro regelmäßig Bewerbungen, bastelte Collagen und als ich dann tatsächlich ankam, kannte mich bereits jeder im Team, als The German, weil sie so lange schon meine Arbeiten gesehen hatten“.

Skepsis gab es anfangs dennoch, wie sich im Einstellungsgespräch mit dem Studioleiter erwies. „Der fragte mich, ob ich auch Kaffee kochen, Boden schrubben und Fenster putzen würde und als ich ihm sagte, dass das kein Problem sei, wollte er noch wissen, ob mir auch klar sei, dass ich nicht nur mit Terry, sondern auch mit ihm zu schlafen habe – ich ließ mich aber nicht aus dem Konzept bringen und sagte sofort: Natürlich, kein Problem.“ Zu den Sexorgien, die Richardsons Bilder suggerieren, sei es aber nie gekommen. Und jener verkommenen, ausufernden Randwelt, in der die Hauptsujets der Bilder angesiedelt sind, sei sie locker begegnet. „Schließlich habe ich meine Erziehung, meine Haltung mitgebracht, die gilt ja überall“, sagt sie.

In Cellinas eigenen Bildern geht es ebenso munter zu. Transvestiten, nackte großbrüstige Damen, entblößte Boys mit riesigen Plüschbären räkeln sich da, kleine Krönchen auf dem Kopf, verlaufene Mascara im Gesicht, dazu angenagte Reste wilder Festdinners in Großaufnahmen – ein bisschen sieht es aus, wie bei Alice im Swingerland. Ob die alte Frau Ingenieur Fuchs diese Bilder goutiert hat? „Selbstverständlich“, sagt Cellina. „Es gibt nur eine Sache, die sie nicht akzeptiert, das ist wenn man nicht offen zu ihr ist“. Mehrfach sei die Großmutter nachdem sie den Fotoband in Händen hielt, nachts aufgestanden und habe noch einmal und noch einmal das Buch genau durchgeblättert. „Dann hat sie es gemocht, glaube ich“, sagt Cellina von Mannstein.

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An den Gemäuern des Schlosses flackern die Lichter unzähliger Kerzen, die heimliche Hände inzwischen angemacht haben. In einer antiken Bauernstube werden Tartar von Lachs, Thunfisch und Rind serviert, die der fest angestellte Sterne-Koch zubereitet hat. „Und er macht danach auch noch sauber“, sagt Margherita von Mannstein den Mundwinkel verschmitzt nach oben ziehend. „Personal will unterhalten werden.“ Der Aufwand sei gerechtfertigt. Schließlich kommen hier ab und an auch italienische Staatspräsidenten wie Ciampi zu Gast – und der sei als Toskaner schließlich Gourmet und Weinexperte. Margerita von Mannstein erzählt die Geschichten zu den Interieurs, sie kennt den Hintergrund jeder einzelnen Kachel.

Dabei – und das ist wieder so eine Überraschung, wie sie in den Läuften der Fuchs-Dynastie überall lauern – ist sie hier, dem  vermeintlichen Familienanwesen, gar nicht aufgewachsen. „Ich habe mir dieses Schloss selbst erobert“, sagt sie. Der Fuchs-Clan lebte früher in der Villa der Großeltern, das Jahrhunderte alte,1060 erstmals erwähnte Schloss sei in diversen Privatbesitzen, einmal sogar ein ziemlich mieses Hotel gewesen. „Auf mich hatte dieses Gebäude schon als Mädchen eine immense Ausstrahlung, ich habe mich beim früheren Besitzer deshalb beworben, um hier in den Ferien zu arbeiten, egal als was, nur um im Gebäude sein zu dürfen“. Tatsächlich nahm der Mann sie väterlich auf – allerdings erst nachdem sie als Aufnahmeprüfung einen entflohenen Pfau mittels ausgelegten mit Schnaps getränkten Maiskörnern zurückgebracht hatte –für eine Jause am Nachmittag, die man gemeinsam einnahm. „Später hat mein Vater das Anwesen gekauft – allerdings ohne jegliches Interesse am Gebäude, es ist zwar eine sehr alte, aber doch eher unwesentliche Burg, ihm ging es nur um die dazugehörigen Apfelgründe, die in dieser Gegend besonders wertvoll sind und selten zum Kauf stehen.“

Erst viel später nach ihrer Rückkehr nach Südtirol hat Margherita von Mannstein begonnen, sich des Hauses anzunehmen, es umzubauen, zu renovieren und liebevoll zu jenem Kleinod umzugestalten, das es heute ist. „Es war die schönste Aufgabe, die ich mir vorstellen konnte.“ Und sicherlich ein anspruchsvolles Hobby, während man ein Unternehmen mit 90 Millionen Euro Jahresumsatz führt. Die Geschichte dieser unterschiedlichen Frauen, ist von einer großen Parallele bestimmt – denn sie beide haben zur Südtiroler Heimat gefunden, indem sie sich von ihr möglichst weit entfernt, konsequent anders gelebt haben. Während Cellina mit dem Sanktus der Familie nach New York gezogen ist und dort ihren Fotostil prägte, war die Mutter in ihren Jugendjahren erst zwar noch konventionell und hatte erst Braukunst in München und Weihenstephan studiert – „gemeinsam mit Rose Veltins als einzige Frauen“, dann aber ein rauschendes Jetset-Leben am Rhein geführt.

Bildergalerie Anklicken zum Vergrößern der Bilder // © Fotos: Robert Eickelpoth, Michael Breyer

Die Anekdoten, überhaupt das Weltbild und Selbstkonzept von Margherita von Mannstein ist auch gewissermaßen eine Art Denkmal für die alte Bundesrepublik Deutschland, mit der Hauptstadt Bonn und einem launigen Kraftzentrum des Wirtschafswunders im Westen. „Es waren wundervolle Zeiten, ein aufregendes Leben“ schwärmt Mannstein. „Ich erinnere mich noch genau wie es war, als ich mit Dir schwanger war und immer zu Deutschlands schönstem Gynäkologen, einem Herrn Dr. Pape gegangen bin für den alle Damen der Gesellschaft schwärmten, weil er so ein Typ wie Hans Albers war und dabei unheimlich charmant“. Da verschluckt sich auch Cellina selbst fast an ihrem Wein. „Du hast mich in Düsseldorf geboren, weil dir der Gynäkologe so gefiel?“ sagt sie überrascht. „Selbst verständlich“, so Mutter Mannstein. „Außerdem war er ein offener, kluger Mann, er riet mir einfach weiterzurauchen, bis zur Geburt Champagner zu trinken, dann würde es mir gut gehen und alles andere auch gut gehen.“ Da bleibt Cellina der Mund offen stehen. „Was willst Du!“, hallt es aus der Mutter, die dazu einen tiefen Zug von der Zigarette nimmt. „Es ist doch ein prächtiges Kind dabei herausgekommen!“ Wahrlich, es müssen wundervolle Zeiten gewesen sein. Die Hausdame räumt eine Hummersuppe ab und serviert ein Heilbuttfilet mit Selleriepürree.

Cellinas Weg nach Algund ist nur über einige Umwege denkbar gewesen. „Ich bin hier nicht aufgewachsen, jeder Einheimische erkennt sofort, dass ich den Dialekt nicht sprechen“, sagt sie und probiert es doch ein wenig. In Erinnerung hat sie noch die alte Villa und die Gerüche darin, den Dirndlschurz der Großmutter an dem sie hing – als sie noch von der eigenen Mutter Puzzola gerufen wurde – Stinktierchen. „Aber nach den Jahren in Deutschland und vor allem New York hätte ich erst geschworen, dass ich hier nicht mehr zurückkann, dass ich nicht mehr als ein paar Stunden dieses Idylls ertragen würde können. Heute ist mir jeder Apfelanger lieber als der Big Apple.“ Der Grund zurückzukommen ist derselbe, wie jener wegzugehen: „Die Familie.“ „Familie ist etwas Großartiges, wenn sie nicht zu präsent die einzelnen Schicksale dominiert“, fällt Margherita von Mannstein ein.„Das muss man wissen, dass die Familie Freiheiten lassen muss, dann geht man gut mit ihr um und ist vor allem bei einem Privatunternehmen unschlagbar.“

Seit 148 Jahren ist die Brauerei im Besitz des Fuchs-Clans, dessen Mitglieder – es gibt noch eine weitere Tochter sowie drei Enkelkinder – anderer Nachnamen tragen. Das familiäre Konzept reicht weit über die Familie selbst hinaus. Auch der Umgang mit den Mitarbeitern ist davon geprägt, wenngleich auch althergebrachte herrschaftliche Hierarchien bestehen, wie beim alljährlichen Weihnachtsdefilee vor der Besitzerfamilie zu erkennen ist. „ich kenne jeden Mitarbeiter, weiß was er macht, ich spreche mit den Italienern italienisch, mit den Deutschen deutsch oder eben Tirolerisch. Es ist sehr beeindruckend zu sehen, dass jeder Mitarbeiter noch viele weitere Talente hat.“ Der eine hat gerade eine Doktorarbeit über die Fußballkultur in der Sprache des Silvio Berlusconi veröffentlicht, ein anderer hat in mehrjähriger Kleinarbeit die Brauerei als Miniaturlandschaft für den Welcome Room nachgestellt, einer hat einen Kriminalroman verfasst – „in einem wunderbaren, fast antik klingenden Italienisch“, sagt Margherita von Mannstein, während ein Maroni- Millefeuille mit gezuckerten Veilchenblüten aufgetragen wird und zu dem das delikate Dunkelbier von Forst serviert wird.

In der aktuellen Werbekampagne der Forst Brauerei ist nicht nur die weibliche Sichtweise auf die bislang maskulin besetzte Braukunst zu erkennen, sondern deutlich Cellina von Mannsteins Blickwinkel. Als erstes warb sie für das Mehrwegflaschenkonzept, das den italienischen Kunden nicht ganz geheuer war. Auf einem Plakat nehmen also zwei heiße Damen in Hot Pants mit Hoseträgern eine vermenschlichte unschuldige Forst Bierflasche keck bei der Hand und führen sie aus. „La facciamo useire, solo se ce la riporti“, mahnt der Slogan, man gebe sie ihnen ja gerne mit, wenn sie auch versprechen sie wohlbehalten zurückzugeleiten. Auch durch Cellinas Kinospot tapsen wie kleine Waldwichtel Biergläser von Forst durch den verschneiten Wald, kraxeln von einem verwunderten Fuchs beobachtet auf Bäumen herum. „Ich möchte damit erzählen, dass unser Bier eben hierher gehört, Teil der legendären Südtiroler Welt ist, ein Märchen eben“.

Forst Ahnengalerie Was nach altem Erbe aussieht, ist dem Einrichtungstalent der studierten Braumeisterin Margherita Fuchs von Mannstein zu verdanken. In diesem Saal werden Freunde des Hauses, zu denen auch Politiker zählen, von einem fest angestellten Sternekoch bewirtet

AHNENGALERIE Was nach altem Erbe aussieht, ist dem Einrichtungstalent der studierten Braumeisterin Margherita Fuchs von Mannstein zu verdanken. In diesem Saal werden Freunde des Hauses, zu denen auch Politiker zählen, von einem fest angestellten Sternekoch bewirtet // © Foto: Robert Eickelpoth, Michael Breyer

Und doch drängt sich die Frage auf, was mit der viel versprechenden Karriere der Cellina von Mannstein werden soll – schließlich galt sie als größtes Talent und war schon auf die Nachfolge der großen deutschen Fotografen wie LIndberg, Teller, von Unwerth oder Tillmans abonniert. Erst nach mehreren Nachfragen ist zu vernehmen, dass da gegenüber vielen Magazinredaktionen, die Bilder am liebsten geschenkt hätten, betrügerischen Agenten und Galeristen eine Frustration entstanden ist. „Ich bin es meiner Mutter, die alles in mich investiert hat und es mir ermöglichte auch die New Yorker Jahre zu finanzieren, dass ich meine Arbeit nicht verschenke“, sagt sie. „Jeder darf sich auch mal eine Auszeit nehmen, sich besinnen“, sagt die Mutter, die genau darüber Bescheid zu wissen scheint. „Als ich da in meinem Pailettenkostüm aus New York angekommen bin, war ich mir unsicher, wie lange ich brauchen würde, mich hier zurecht zu finden.

Burgfräulein Cellina bewahrt Haltung, ob in New Yorks Randwelten oder im Südtiroler Garten

Und wie sich der Dorfklatsch angehört haben muss, kann man nur erahnen.“ Aber sie habe in die Welt von New York hineingefunden, wieso also nicht in diese. „Ich war immer gut verschiedenen Welten, die gegensätzlich sind, zusammenzubringen.“ Einen neuen Freundeskreis in Meran zu finden, hat sie erst gar nicht angestrebt. Es gibt ja den Herrn Comper an ihrer Seite, einen Hund hat sie auch schon, es gibt die Familie. „Und manchmal gehe ich den Toni, den Hans und den Gigl besuchen, das sind so richtige Almöhis oben auf dem Berg“, sagt sie. Einheimische, die sie mögen und die sie mag – „auch wenn sie ihren Kühen manchmal für meinen Geschmack etwas zu fest auf den Hintern hauen.“ Margeritha von Mannstein betätigt wieder einmal ihre Fernbedienung, mit der sie eine der Hausdamen herbeiholt und kommt noch einmal Cellinas Geburt und die besondere Verbindung der beiden zurück, die diesen ganzen trauten und intimen Familienabend prägte. „Als ich Dich nach der Geburt in den Händen hielt und Dich anschaute dachte ich mir: Ach Du liebe Zeit, das mit uns beiden kann was werden…“ Cellina lächelt verlegen. „Es war jedenfalls nie langweilig. Erziehen musste ich mich allerdings selbst – etwa beim Reiten, da musste schließlich alles streng und diszipliniert sein, das war ja nicht das, was ihr mir vermittelt habt.“ Margherita von Mannstein wirft einen Blick an die Decke ihrer Zirbenstube – vielleicht aber auch hoch zur Jungfrau Maria. Dann ordert sie einen Schnaps. Einen sehr alten letzten Schnaps für heute. Von Äpfeln, den guten roten Südtiroler Äpfeln.

Kontakt:
Brauerei Forst AG, Vinschgauer Str. 8, (Postfach 29)
I-39022 Forst/Algund, www.forst.it