Zimmer mit Aussicht – Travel Charme Ifen Hotel

Travel Charme Ifen Hotel
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Grasegger. Ihr Haus für Tradition und Gegenwart. Garmisch-Partenkirchen

Drama, Glanz und Sterneküche: Die wechselvolle Geschichte des Travel Charme Ifen Hotel im Kleinwalsertal erzählt viel über die touristische Entwicklung einer ganzen Region (ALPS Magazine #11 5/2012 Review)

Wer dem Geheimnis des Ifen-Hotels auf die Spur kommen möchte, braucht nur aus dem Fenster zu schauen: Majestätisch schiebt sich der Widderstein, der höchste Berg des Kleinwalsertals, in den Himmel, die letzten Schneefelder unterhalb des Gipfels schimmern matt im schwindenen Abendlicht. Rechts davor die Kirche von Mittelberg, links die Kuppen von Elfer- und Zwölferkopf. Dieses Bergpanorama lässt den Betrachter die Zeit vergessen.

Und das Ifen-Hotel huldigt dem Blick, wo immer sich eine Gelegenheit bietet: In den großzügigen Eckzimmern des Neubaus. Von der Sonnenterrasse. Selbst von einigen Fenstern des Restaurants ist der Widderstein zu sehen. Aus den südwestlich gelegenen Suiten des Altbaus sowieso – hier sorgen die altmodischen Sichtblenden des Balkons sogar für einen Zoom-Effekt, der den Gipfel ganz nah vors Fenster holt. Allerdings ist der Altbau kein Altbau. Hoteldirektor Alexander Bauerfeind beeilt sich, aufzuklären, dass er bei der großen Neustrukturierung des Hotels nach dem Erwerb des Kleinwalsertaler Statussymbols durch die Travel Charme Hotelgruppe 2005 ebenso neu hochgezogen wurde wie der Rest des heute 125 Zimmer bietenden Fünf-Sterne-Hotels. Zu kostenintensiv wäre es gewesen, den geschichtsträchtigen Bau aus dem Jahr 1936 für die Bedürfnisse der modernen Luxushotellerie flott zu machen. Dennoch bleibt jeder Schein gewahrt: Die großen Fenster haben dunkle Holzrahmen und große Läden. Das schräge Dach ruht auf gegabelten Balken. Auch die umlaufenden Balkone sind aus dunklem Holz. Und aus den Blumenkästen leuchten die Geranien so üppig und rot, als befände man sich allenfalls in den 50er-Jahren.

Travel Charme Ifen Hotel

Wer dem Geheimnis des Ifen-Hotels auf die Spur kommen möchte, muss sich diesen Bau bewusst ansehen, wie er gleich hinter dem Ortseingang von Hirschegg hoch über der Walserstraße aufragt. Der Grundriss ein Kreissegment, die Südwestseite komplett abgerundet, das Dach nur in eine Richtung geneigt. Den traditionsverhafteten Walsern müssen 1936, als das Hotel aus dem Boden wuchs, die Augen herausgefallen sein. Entworfen und finanziert hatte es Hans Kirchhoff, ein aus Ludwigshafen stammender Architekt. Er schuf einen Bau, der – wie alle wahren Luxus-Hotels jedweder Epoche – den Sehnsüchten und Träumen seiner Zeit Raum und Form gab. In den Dreißigerjahren waren dies: die Verquickung der Ideale modernen, puristischen Bauens mit der Rückkehr zur Tradition, die Verbindung der noch neuen Begeisterung für sportliche Betätigung mit jedem erdenklichen Komfort (dazu gehörte damals auch fließend heißes Wasser) sowie, in den Interiors, das Zurschautragen einer weltmännischen Geisteshaltung, aber auch der Wertschätzung regionaler Stilelemente. Das Ifen-Hotel wurde zum Leitbild für den Tourismus im ganzen Tal. Vier Jahre nach Eröffnung des Ifen-Hotels nahm der erste Skilift seinen Betrieb auf. Bald danach allerdings kam der Fremdenverkehr, bedingt durch das Fortschreiten des Zweiten Weltkriegs, zum Erliegen; das Hotel diente den Nationalsozialisten als Edelgefängnis für bedeutende ausländische Politiker. Nach dem Krieg wurde das Haus von französischen Besatzungstruppen requiriert, bevor 1948 der Gastbetrieb wieder aufgenommen wurde, und das Ifen-Hotel zum begehrten, doch vom großen Rummel verschonten Treffpunkt für geistige Eliten, Politiker und Wirtschaftsbosse avancierte.

Travel Charme Ifen Hotel

Wer dem Geheimnis des Ifen-Hotel auf die Spur kommen möchte, muss auch einen Ort aufsuchen, dessen Verbindung zu dem Fünf-Sterne-Haus nicht ins Auge sticht: Das „Kleine Berghotel“ im Nachbarort Riezlern, ein Familienhotel mit holzvertäfeltem Frühstücksraum und springenden Hirschen auf den Bankpolstern. Doch für die Tischplatten wurden die Kisten edelster Bordeaux-Weine verwendet. Unter Glas leuchtet eine ganze Ansammlung der berühmten Mouton-Rothschild-Künstleretiketten. Und gleich darüber hängt eine schmiedeeiserne Uhr in verblüffendem Stil – rustikal, zugleich aber auch ungemein elegant. „Sie gehört zu den wenigen Dingen, die ich noch aus dem alten Ifen habe“, sagt Frank Simon, Hausherr im „Kleinen Berghotel“ und Sohn des Hoteliers Otto Wilhelm Simon, der in den Sechzigerjahren die ikonische Luxusabsteige von der Tochter des Ifen-Gründers Kirchhoff übernahm. Keine einfache Zeit: Der Jet Set setzte immer neue Trends, die ein Hoteliers quasi vorausahnen musste, um die anspruchsvolle Gästeschar zu befriedigen.

Doch Simon hatte meist den richtigen Riecher: „1973 stellte Riedel die erste dünnwandige Serie an Weingläsern vor und läutete damit eine ganz neue Bedeutung des Weins in der Kulinarik ein“, erzählt Frank Simon. „Mein Vater ist sofort auf diese Schiene aufgesprungen.“ Zudem holte Otto Wilhelm Simon, vorausahnend, dass Spitzenhotellerie ohne Spitzengastronomie nicht mehr auskommen würde, Ortwin Adam ans Haus, der prompt 1978 im hoteleigenen Restaurant „Kilian Stuba“ Österreichs ersten Michelin-Stern erkochte. „Ich kann mich noch gut erinnern – der Rungis-Express steckte noch in den Kinderschuhen –, wie ich mit meinem Vater täglich nach Neu-Ulm gefahren bin, um an der Autobahn aus dem Rungis-Laster Hummer und Austern zu übernehmen.“ Der erste Indoor-Pool entstand, später die erste Beauty-Farm. Das Ifen glänzte – es hatte dazu allerdings auch alle Möglichkeiten, denn es musste nie Gewinn abwerfen; Geld lieferte eine in Familienbesitz befindliche deutsche Baufirma. Die Vorzeichen änderten sich um 2000, als sich wandelnde finanzielle Umstände plötzlich den rentablen Betrieb des Hotels erforderten.

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Bildergalerie Anklicken zum Vergrößern der Bilder © Foto: Ydo Sol

„Ich bin mit der Vorstellung groß geworden, dass ich eines Tages das Ifen-Hotel führe; meine ganze Ausbildung war darauf ausgerichtet. Die Rolle fiel dann aber meinem Bruder zu“, erzählt Frank Simon. Fünf Jahre später drehten die Banken den Geldhahn zu. Das Hotel schloss – und ein ganzes Tal hielt den Atem an. Dass der Bau an die Travel Charme-Gruppe verkauft wurde, erwies sich als Glücksfall: Der beauftragte Architekt Hermann Kaufmann entschied sich zwar für die Radikallösung des Abrisses, plante aber alles so behutsam neu, dass von Außen kaum ein Unterschied zu bemerken ist. Zudem versetzte er die beiden großflächigen Neubauten so weit zurück, dass sie dem „Altbau“ nichts von seiner Wirkung nehmen.

Auch Ausstattung, Interior-Design und Hotelphilosophie knüpfen an den Geist des alten Ifen an: Die Einrichtung gibt sich international, verortet das Interior aber zugleich in den Alpen: Da lodern viele offene Kamine, die Bedheads greifen die Form geschnitzter Stuhllehnen auf, den eleganten Fauteuils in der Lounge standen Ohrensessel Pate. Auch ein Gourmet-Restaurant, das vor allem Produkte aus dem Tal veredelt, wurde eingerichtet und in Erinnerung an Ortwin Adam „Kilian Stuba“ genannt „Es ist gut, dass die Geschichte des Ifen-Hotels diese Wendung nahm“, sagt selbst Frank Simon – gelegentlich sitzt auch er bei einem guten Wein in der Cigar Lounge des 2010 wiedereröffneten Hotels. „Es hat große Bedeutung für das ganze Tal, dass es als Fünf Sterne-Betrieb erhalten blieb. Ein Spitzenhotel ist ein wichtiges Signal: Es zieht anspruchsvolle Gäste an. Und es hilft allen, selbst den kleineren Hotels, ein auch für sie faires Preis-Leistungsverhältnis anbieten zu können, statt sich dem Preisdiktat des Billigtourismus beugen zu müssen.“

Notizen
 
Travel Charme Ifen Hotel
Oberseitestr. 6
A-6992 Hirschegg
Tel. +43/(0)5517/608-0
 
www.travelcharme.com/hotels/ifen-hotel-kleinwalsertal.html
Kategorie ALPENLEBEN, Architektur & Wohnen

Die gebürtige Münchnerin, Mutter dreier Söhne und promovierte Kunsthistorikerin ist ALPS-Mitstreiterin der ersten Stunde und an Vielseitigkeit kaum zu überbieten: Ob Gastlichkeit oder Reise, Porträt oder das „Ausgraben“ eines Mythos wie den Dolomytos-Wein in Südtirol (#7) oder den symbolträchtigen Triglav in Slowenien (#9) – Claudia Teibler verdanken wir einige der journalistischen Höhepunkte in ALPS.