Concorso d’Eleganza – Chromjuwelen

Ob Maserati A6 oder Kamm Coupé von BMW – am Ufer des Comer Sees sind beim Concorso d’Eleganza die seltensten Fahrzeuge zu sehen

RARITÄTEN Ob Maserati A6 oder Kamm Coupé von BMW – am Ufer des Comer Sees sind beim Concorso d’Eleganza die seltensten Fahrzeuge zu sehen

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Der Weg über die Alpen führt geradewegs ins Oldtimer-Paradies. Beim Concorso d’Eleganza in Como treffen sich Autoliebhaber aus aller Welt zum Defilee ihrer Schönheiten (ALPS Magazine #10/2012 Review)

Es ist noch früh am Morgen, kurz nach halb sieben, als der erste Wagen aus der Garage rollt. Der Sound ist unverkennbar. Hier schnurrt ein Bentley Sportsman über den Kiesweg der Villa d’Este auf dem Weg zu seiner Parkposition. Der leichte Frühnebel, der eben noch über dem Ufer des Comer Sees hing, ist fast verflogen. Nicht mehr lange und die Luft des norditalienischen Städtchens wird erfüllt sein vom markanten Duft vergangener Autoepochen.

Der Besitzer des eleganten schwarzen Sportsman Coupés aus dem Jahre 1931 ist Frans van Haren. Der Geschäftsmann aus dem niederländischen Druten ist Frühaufsteher. „Steine mit Charakter“ sind sein Geschäft. Und Autos mit Charakter seine Leidenschaft. Mal eben ist er übers Wochenende mit seiner Frau an den Comer See gekommen. Jedes Jahr freut er sich aufs Neue, wenn mit dem Concorso d’Eleganza die Oldtimersaison in Europa beginnt. „Es ist eine Art Familientreffen“, erklärt der Unternehmer. Man kennt sich, man trifft sich – und man zeigt, was man hat. Es ist ein wenig wie beim Auto-Quartett, nur dass die automobilen Raritäten mit all ihren spezifischen Eigenschaften hier im Original auf dem gepflegten Grün der Villa d’Este versammelt sind. Wie schon 2009 hat van Haren die gut 1000 Kilometer von Druten nach Como am Steuer seines preisgekrönten Wagens zurückgelegt. Nach einem Zwischenstopp in Basel ging es entlang des Zuger Sees an Küssnacht vorbei Richtung Gotthard.

Wann immer es die Zeit erlaubt, nimmt der Autoliebhaber entlang des Vierwaldstätter Sees auch gerne mal die Landstraße und fährt über elegante Kurven hinauf in die Berge. Nur etwa ein Viertel der Concorso-Teilnehmer gönnt sich den Luxus der Selbstanreise – leider. Zugegeben, für Sammler aus den USA oder Japan wäre der Aufwand enorm, aber für Europäer lohnt sich die Tour allemal. Denn die Route über die Alpen ist ein echtes Erlebnis – landschaftlich wie sportlich, wie van Haren zu berichten weiß. „Allein die Kupplung einer Limousine Baujahr 1931 zu bedienen, ist ein völlig anderes Gefühl, als wir es heute von modernen Fahrzeugen kennen. Ganz zu schweigen von der Lenkung.“ Der Bauunternehmer ist gut im Training. Erst im letzten Jahr ist er wieder die legendäre Mille Miglia gefahren.

Concorso d’Eleganza: Der BMW 328 Mille Miglia – Spitzname „Bügelfalten-Roadster“ – errang 1938 den Klassensieg im legendären italienischen Autorennen

SERIENPRIMUS Der BMW 328 Mille Miglia – Spitzname „Bügelfalten-Roadster“ – errang 1938 den Klassensieg im legendären italienischen Autorennen

Diesmal mit seinem Alfa Romeo 8c Le Mans aus dem Jahre 1931. Einige der prominenten Rennwagen und deren stolze Besitzer trifft man auch im Garten der Villa d’Este wieder. Dabei sind es nicht allein die berühmten Marken wie Alfa Romeo, Bugatti, Ferrari oder Rolls-Royce, die diesen Schönheitswettbewerb so besonders machen. Es sind vielmehr die einzigartigen Fahrzeuge und Prototypen, die immer mehr Automobilfans an diesem Mai-Wochenende in Norditalien vereinen: Exoten wie der im letzten Jahr gezeigte DAF 55 Siluro von 1968 in einer Michelotti-Karosserie. Oder der Citroën SM Opera, den Chapron 1972 als Prunklimousine ausführte, oder der glamouröse Auftritt von Gilda, Ghias düsengetriebenem Concept Car aus dem Jahr 1955. Auch aktuelle Fahrzeugutopien bereichern das Event.

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Vor allem aber sind es die Geschichten, die die Besitzer oder Moderator Simon Kidston über die Autos erzählen können. Seit 1999 kommentiert der wortgewandte Brite das Defilee der rund 50 schönsten, edelsten und teuersten Oldtimer der Welt. Mit lockerer Stimme plaudert er über Schicksale von Roadstern und Coupés, berichtet von prominenten Fahrern und enthusiastischen Karosseriebauern.

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In diesem Jahr verspricht die Flotte der Chromjuwelen die unterschiedlichsten Storys: Mit einem Ferrari GTO aus der 1. Serie feiert der Concorso die 50-jährige Geschichte einer Ikone. Ein rennerprobter Aston Martin DBR1 ist dabei, 1959 in Le Mans von den Rennsportheroen Maurice Trintignant und Paul Frère pilotiert, sowie einer von fünf weltweit produzierten Fiat 500 Abarth. Das kleine Renncoupé aus der Karosserieschmiede von Ugo Zagato wurde erstmals 1957 auf dem Turiner Salon vorgestellt. Auch Zweiradfans werden auf ihre Kosten kommen, wenn in einer Sonderschau rund 30 historische Motorräder samt Polizeieskorte von der Bootsanlegestelle in Cernobbio zur Jury in der Villa Erba knattern.

An diesem wohlgeplanten Show-Wochenende geht es viel um Leidenschaft und Eitelkeiten. Aber es geht auch ums Geschäft. Eine gute Bewertung beim Concorso gilt als eine Art Kaufempfehlung und bedeutet, dass der ohnehin meist sechsstellige Wert der Autos weiter in die Höhe steigt. Mit dem Sieg rechnen sich plötzlich die vielen Jahre und noch mehr Tausender, die in die Restaurierung des Klassikers geflossen sind. Um wie viel Geld es gehen kann, zeigte 2011 die Versteigerung von 32 Oldtimern, die das kanadische Auktionshaus RM-Auctions erstmals zum Concorso veranstaltete. In nur zwei Stunden wechselten 24 von 32 aufgerufenen Fahrzeugen den Besitzer, darunter einige extravagante Prototypen aus dem Nachlass Nuccio Bertones.

Gesamtumsatz? Rund 23 Millionen Euro. Auch für Frans van Haren hat sich der Ausflug gelohnt. 2009 brachte ihm seine Tour über die Alpen einen Ehrenpreis – den Trofeo Automobile Club di Como – der die weiteste Anreise eines Concorso-Teilnehmers honoriert. Übertroffen wurde van Haren bislang nur von einem Kollegen, Per Vieberg, der 2007 auf den Achsen seines BMW 335 aus Norwegen angereist kam. Man darf gespannt sein, wer wohl in diesem Jahr mit einem Pokal im Gepäck nach Hause reisen wird. Ob mit oder ohne Trophäe – wem noch Zeit bleibt, der sollte einen Abstecher über die Alpen machen.

Concorso d’Eleganza: Jedermann buhlt um die Gunst von Jury und Publikum

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