Kurvenstars

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Grasegger. Ihr Haus für Tradition und Gegenwart. Garmisch-Partenkirchen

Einst bildeten Erfolg, schöne Frauen und schnittige Autos eine Dreieinigkeit. Heute beschert die Nostalgie nach den guten alten Zeiten, als Frauen noch Kurven und Männer das Steuer in der Hand hatten, Auktionen mit Oldtimern neue Umsatzrekorde.Wind in den Haaren und das Gefühl von Freiheit. Es gibt wohl kaum etwas Schöneres, als mit dem Cabrio durch die Alpen zu fahren. Verdeck auf und los geht’s! Weiße Gipfel, kristallklare Bergseen, saftige Wiesen, kühne Passstraßen und kurvenreiche Abfahrten. Viel gibt es im größten und höchsten Gebirge Europas zu entdecken. Im Konvoi und in einem Oldtimer macht es noch mehr Spaß.

Perfekter Ausgangspunkt für eine gemeinsame Oldie-Fahrt ist Lech am Arlberg. Jeden Sommer starten hier bei der „Arlberg Classic Car Rally Lech“ hundert Ikonen des Automobilbaus aus den Zwanziger- bis Siebzigerjahren. Wer da mit dabei ist, für den wird die alpine Spritztour zu einem ästhetischen Gesamterlebnis. Doch wo bekommt man einen Oldtimer? Unter Autoliebhabern bekannt ist das Wiener Dorotheum. Das traditionsreiche Auktionshaus versteigert zweimal jährlich ganz besondere Objekte. In der traditionellen Frühjahrsauktion kam am 2. Juni 2012 ein Alvis TD 21 von 1960 zum Aufruf. Der schmucke Wagen mit 3-Liter-Motor, der von 1958 bis 1964 produziert wurde, steht für britische Noblesse und Understatement.

„1920 rollte der erste Alvis über die englischen Straßen“, erklärt Wolfgang Humer, Leiter der Sparte Klassische Fahrzeuge und Automobilia beim Dorotheum. „Ingesamt wurden davon nur gut tausend Stück bei Park Ward in London gebaut. Eine hervorragende Qualität, da Park Ward die hauseigene Karosseriemanufaktur von Rolls-Royce war.“ Mit diesem Oldtimer kann man sich auf Alpenstraßen gut sehen lassen. Insider wissen, dass der Schweizer Karosseriebauer Graber auch einige bildhübsche Alvis-Modelle anfertigte. Der Schätzpreis des smarten Briten war mit 25.000 bis 35.000 Euro moderat taxiert und damit für Einsteiger gut geeignet.

Wesentlich tiefer in die Tasche greifen musste der neue Besitzer des Ferrari 250 GT California LWB. Der silberne Roadster aus dem ehemaligen Besitz des französischen Nouvelle-Vague-Regisseurs Roger Vadim wurde für den Rekordpreis von 4,5 Millionen Euro im Februar 2012 bei Artcurial in Paris versteigert und ist damit der bislang teuerste in Frankreich versteigerte Oldtimer. Provenienz kostet. Frauenförderer Vadim, der Spezialist für erotisches Emotionskino, der seinen internationalen Durchbruch mit dem Kinofilm „Und immer lockt das Weib“ (1956) hatte und Catherine Deneuve entdeckte, überließ seinen schicken Zweisitzer häufig seinen diversen Ehefrauen.

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Auf der Strecke zwischen Paris und St. Tropez waren daher oft Brigitte Bardot oder Jane Fonda mit Vadims Ferrari unterwegs. Auch die dänische Schauspielerin Annette Strøyberg, Vadims zweite Ehefrau, fuhr leidenschaftlich gern den Spider des Cineasten. Das rare Stück aus der italienischen Designerschmiede Pininfarina war in den Sechzigerjahren Kult. „Jeder wollte damals einen California haben: Johnny Hallyday und Alain Delon – alle Stars des Jetset besaßen den offenen Ferrari“, ergänzt Matthieu Lamoure, Direktor der Abteilung Motorcars bei Artcurial.

Ein weiteres aufsehenerregendes Modell brachte Ferrari 1960 auf den Markt, das Anfang März bei dem britischen Auktionshaus Bonhams – Marktführer für Vintage Cars – 121.000 Euro einspielte. Der 250 GTE 2 + 2 war Ferraris erster Viersitzer und gehörte ursprünglich dem Hollywood-Filmproduzenten Agostino „Dino“ de Laurentiis, der „Barbarella“, „King Kong“ und „Manhunter“ produzierte und für Federico Fellinis Streifen „La Strada“ den Oscar bekam. De Laurentiis arbeitete mit legendären Regisseuren wie Roberto Rossellini, Luchino Visconti, Sidney Pollack und David Lynch, die ebenfalls seine Leidenschaft für schnittige Sportwagen teilten. „De Laurentiis’ Wagen ist ein traumhaftes Restaurierungsprojekt für den Enthusiasten, der einen originalen Ferrari aus der ersten Serie auf Vordermann bringen will“, meint Thomas Kamm, Senior Representative von Bonhams in Deutschland. Denn laut Steuerplakette wurde der Oldtimer 1975 zum letzten Mal gefahren und stand seitdem unbeachtet in einer Garage.

Den Jaguar E-Type, der bei der Bonhams-Auktion im März für knapp 100.000 Euro unter den Hammer kam, kann man dagegen gleich auf die Straße bringen. Der rote Roadster zählt zu der ersten Serie aus dem Jahr 1965 und gehörte 14 Sommer lang dem britischen Popmusiker Elton John.

Aus dem Besitz der reichsten Frau Argentiniens, der Multimillionärin María Amalia Lacroze de Fortabat stammt der Rolls-Royce Silver Shadow von 1974, der bei der Schweizer Oldtimer Galerie Toffen am 27. April 2012 versteigert wurde. Fortabat, Anfang 2012 im stolzen Alter von 90 Jahren verstorben, machte durch ihre zweite Ehe mit dem Zement-Tycoon Alfredo Fortabat Schlagzeilen und baute nach dem Tod ihres Mannes sein Imperium, die Fabrik „Loma Negra“, weiter aus. Darüber hinaus begründete sie mit ihrer privaten Kunstsammlung das öffentliche Museum „Colleccion de Arte Amalia Lacroze de Fortabat“ in Buenos Aires, das mit seinem mobilen Sonnensegel eine ganz besonders spektakuläre Architektur besitzt. Für die Luxuslimousine der „Zement- Lady“, wie man die aparte Dame in Buenos Aires nannte, muss man mindestens 38.000 Schweizer Franken berappen. Dafür ist die rollende Sechs-Sterne- Suite sehr gut gepflegt und neu bereift. So kann der neue Eigentümer gleich den Fahrkurs für Young- und Oldtimer in Interlaken besuchen, den das Auktionshaus als besonderen Service mit anbietet. Doch wer bei dem edlen Oberklassefahrzeug am Steuer sitzt, der braucht kaum Eingewöhnung. Trotz der enormen Abmessungen fährt sich der Rolls-Royce erstaunlich mühelos. Man genießt es, durch die Landschaft zu gleiten. Mit diesem Oldtimer, der es auch sportlich mag, ist es von hier aus nach Lech ein Katzensprung. Unbedingt vormerken: Die nächste „Arlberg Classic Car Rally Lech“ findet dort vom 27. bis 30. Juni statt.

Kategorie ALPENPFADE, ALPS-Weg, Bewegung & Sport, Österreich, Vorarlberg

Die Südtirolerin wuchs in der bayerischen Hauptstadt auf, studierte in Innsbruck, München und Paris und pendelt heute zwischen München und Meran, den beiden Städten, die sie am liebsten mag. Die promovierte Kunsthistorikerin liebt die Künstlergruppe „Scholle“ und die Sammlung Unterberger, für die sie als wissenschaftliche Beraterin tätig ist. Die ehemalige Redakteurin des Kunstmagazins „Weltkunst“ hat ein Faible für Old- und Youngtimer – am liebsten sind ihr Roadster: „Weil sie Geschichte haben und viel erzählen können.“