Wellness von der Hütt‘n

Heubad: Der Duft von Heu weckt nicht nur Sommerträume

Heubad Der Duft von Heu weckt nicht nur Sommerträume © Foto: Heike Rau - Fotolia

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Grasegger. Ihr Haus für Tradition und Gegenwart. Garmisch-Partenkirchen

Von Apfelbad bis Zirbensauna gibt’s unzählige alpine Wohlfühlrituale, die sich ihren Platz im Angebot der Hotelspas erobert haben. Manche haben sich direkt aus dem bäuerlichen Alltag entwickelt. Andere beziehen die Heilkraft der Pflanzen ein, die direkt vor der Haustür wachsen. Wir stellen die spannendsten Anwendungen vor (ALPS Magazine #13/2012 Review)

Für eine der populärsten alpinen Wellness-Einrichtungen braucht’s nicht mal einen großen Badetempel. Eine Sauna aus Zirbenholz, dessen ätherische Öle den Kreislauf entlasten und das Herz langsamer schlagen lassen, ist selbst in kleinen Gasthöfen zu finden. Doch auch im Wellness-Angebot edler Hotels geht’s mittlerweile durchaus bodenständig zu: Zwischen Thalasso- und Ayurveda-Behandlungen sind in den Spa-Programmen immer mehr Anwendungen zu entdecken, die die unmittelbare Umgebung des Urlaubsorts einbeziehen. Oder die auf alten, regionalen Gebräuchen fußen.

Beim Apfelbad kommen die Früchte nicht nur als Vitaminbomben, sondern auch als Schönmacher zum Einsatz. Denn die im Obst enthaltenen Mineralstoffe, und vor allem die Flavonoide, die vor schädlichen Umwelteinflüssen schützen, tun der Haut ebenso wohl wie dem ganzen Organismus. Deshalb kreierten findige Wellness-Experten in den 90er-Jahren genau dort, wo sich die Apfelplantagen sowieso kilometerweit die Hänge hinaufziehen, das „Original Südtiroler Apfelbad“. Zu Beginn wird Apfelsaft, ein Apfel oder Apfeltee gereicht. An ein Wechselbad nach Kneipp, das Haut und Sinne sensibilisiert, schließt sich eine Körperpackung mit dem Mus frisch geriebener Äpfel an. Nach einer Ruhepause und anschließender Dusche folgt eine Ganz- oder Teil-Massage mit einem speziellen Wachs, in das die Wirkstoffe des Apfels eingearbeitet wurden. Ein Gemisch aus Apfelessig und Minze, mit dem der Körper berieselt wird, belebt am Ende die Sinne. Ein paradiesisches Erlebnis, das auch die sensibelste Haut verträgt!

Enzian-Maische hat mit dem berühmten Schnaps nur insofern zu tun, als für die Anwendung die Wurzeln des Gelben Enzians benutzt werden, aus denen man auch den Klaren brennt. Sie enthalten die bittersten Naturstoffe, die es auf der Welt gibt. Bereits die Römer verwendeten die Wurzeln als Heilmittel bei Rheuma und Gicht, in dem sie sie zerrieben und mit Wasser aufgossen. Lässt man dieses Gemisch länger stehen, wird es zur Maische und beginnt zu gären. Im Zusammenspiel mit dem im Gärprozess entstandenen Alkohol beobachtete die am Königssee ansässige Therapeutin Ingrid Priebe, die die Anwendung als Patent anmeldete, eine gesundheitsfördernde Wirkung der Maische: Sie ist verdauungsfördernd und entschlackend. Für die Gesundheit wird Enzian-Maische als Ganzkörper-Packung, Voll- oder Teilbad angeboten, im Kosmetikbereich als heiße Rolle oder Maske eingesetzt; als Stirnguss ist sie sogar Bestandteil von Ayurveda-Behandlungen.

Das Brotbad geht auf einen hübschen Brauch zurück, bei dem die Restwärme des Ofens nach dem Brotbacken genutzt wurde: Bauer und Frau rückten im Backhaus zusammen und entspannten die Glieder. Der Überlieferung nach sollte dieses Brotbad nicht nur Rheuma, sondern auch böse Gedanken und Sünden vertreiben. Egal wie – der wunderbare Duft von frischem Brot bringt die Fantasie der Menschen auf Touren. Das liegt an den Sauerteigenzymen, die während des Brotbackens dem Backofen entströmen und mit jedem Atemzug aufgenommen werden. Sie regen den Stoffwechsel an und sorgen für eine geregelte Verdauung. Ein modernes Brotbad ist zudem um Einiges gemütlicher als das gute, alte Backhaus: Es ist ein Raum mit trockener, wohliger Wärme um 35 Grad – ein idealer Ort zum Entspannen und Träumen. Und vielleicht verschwindet dabei manch unerfreulicher Gedanke ja tatsächlich durch den Kamin.

Die Kraft des Moorbads ruht auf zwei Säulen: Zum einen fördert der auf Badetemperatur gebrachte Schlamm die Übertragung der Wärme innerhalb des Körpers wesentlich schonender als ein Wasserbad. Dadurch werden hier auch tiefer liegende Organe intensiv durchwärmt und können sich besser regenerieren als beispielsweise in der heimischen Badewanne. Außerdem wird die Haut durch die vielen organischen Inhaltsstoffe des Moorbodens (auch Torf genannt) spürbar glatter und weicher. Die zweite wichtige Besonderheit des Moorbads ist die Tatsache, dass der Körper wegen des Auftriebs und des hydrostatischen Drucks im Torf nicht wie im Wasser bis auf den Grund der Wanne absinkt, sondern quasi im Schlamm schwebt. Das schont den gesamten Bewegungsapparat. Verbunden mit der im Moorbad gleichbleibenden Wärme ist die Anwendung deshalb ideal bei Rheuma, Rücken- und Gelenkproblemen. Die Wärme setzt aber auch wichtige Stoffwechselprozesse in Gang, sie wirkt entzündungshemmend, und schmerzlindernd, und regt die Bildung von Hormonen an – auch Wechseljahresbeschwerden lassen sich deshalb mit Moorbädern lindern.

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Die detaillierte Wirkung hängt von der regionalen Zusammensetzung des Moors ab; beim Torf aus dem Ammergauer Bergkiefern-Hochmoor ist die vielschichtige gesundheitliche Wirkung inzwischen sogar wissenschaftlich dokumentiert: Das Balneologische Institut in Bad Aachen attestierte ihm positive Einflüsse selbst bei unerfülltem Kinderwunsch. Ein wahres Wunderbad also, das nur bei akuten Entzündungen, Krampfadern, Durchblutungs- oder Sensibilitätsstörungen der Haut gemieden werden sollte. Wer an Herz- Kreislauf-Störungen oder Bluthochdruck leidet, fragt im Vorfeld sicherheitshalber einen Arzt. Für alle aber, die bedenkenlos hineindürfen, hat ein Moorbad, neben allen medizinischen Wohltaten, auch noch einen ganz wichtigen psychologischen Effekt: das Ausruhen und Loslassen.

Das Steinbad ist zugleich auch ein archaisches Schauspiel. Glühende Steine und dampfende Wasserschwaden erinnern an die Naturgewalten, die im Erdinneren vorherrschen. Doch trotz der recht altertümlich wirkenden Apparaturen gehört es zu den jüngeren Errungenschaften der Wellness-Bewegung. Bei einer Raumtemperatur von 65 Grad gleicht es einer sanften Dampfsauna, strapaziert den Kreislauf nicht zu sehr und ist deshalb ideal für ältere Personen und Kinder. Für die Region typisches Gestein – zum Beispiel Granit, Basalt oder Schiefer – wird glühend erhitzt, und dann in einem Kaltwasser- Bottich abgekühlt. „Dabei werden wertvolle Mineralstoffe freigesetzt, die die Gäste beim Einatmen inhalieren“, erklärt Paul Haslinger von der Reiter Alm. Seit 45 Jahren ist er ein Vorreiter der Branche, der sich unter anderem dieses spezielle Dampfbad patentieren ließ. „Durch das mehrmalige Senken und Heben der Steine ins Wasser hinein und wieder heraus steigen Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur sanft, aber kontinuierlich an“, erklärt Haslauer. „So bleibt die körperliche Belastung schonend.“ Für Aufguss-Freunde und alle, die beim Schwitzen ganz gerne auch etwas zum Gucken haben, ist das Steinbad ein „Muss“.

Das eigenwillige Brechelbad ist nichts für humorlose Einzelgänger. Man sitzt gemeinsam auf den Bänken, lacht, hat Spaß – in manchen Brechelbädern wird sogar Bier getrunken. Die urige „Bauern-Sauna“ hat also nicht nur gesundheitliche Vorzüge, sondern kann auch eine riesige Gaudi werden. Ihr Ursprung geht auf die Flachs- und Hanf-Verarbeitung im Alpenraum zurück. Dafür trockneten die Bauern in der Brechelstube die Pflanzenstängel, brachen sie, um an die Fasern heranzukommen, und machten diese anschließend unter Dampf geschmeidig. Später fügte man bei diesen Vorgängen Kräuter hinzu, und lernte, wie wohltuend der Duft und wie angenehm die Wärme war.

Heute ist das Brechelbad eine meist rustikale, bäuerlich eingerichtete Trockensauna. Die Holzbänke, auf denen man sitzt, werden von unten erwärmt. Tannenzweige bedecken den beheizten Boden und sorgen, ganz nebenbei, für eine sanfte Fußreflexzonen- Massage. Aus dem Badeofen steigt, durch Kräuter hindurch, Dampf auf, und sammelt sich am von der Decke hängenden „Trutschenkorb“, der mit Tannenzapfen und Koniferenzweigen gefüllt ist. Durch den Dampf werden die darin enthaltenen ätherischen Öle freigesetzt. Da die Temperatur bei moderaten 60 Grad liegt, ist das Brechelbad auch für all diejenigen geeignet, die die „richtige“ Sauna wegen Kreislaufproblemen meiden. Der positive Effekt des Brechelbades? Es stärkt das Immunsystem, die Atemwege, Herz und Kreislauf und macht die Haut zart und glatt.

Der Duft von Heu weckt nicht nur Sommerträume; im Heubad hat er auch eine höchst gesundheitsfördernde Wirkung, denn mit ihm gelangen die ätherischen Öle der Pflanzen in die Atemwege. Damit die Wirkstoffe sich voll entfalten können, werden die trockenen Gräser und Blüten erst einmal in Wasser eingeweicht und erwärmt. Dann wird der Badegast auf eine mit Heu ausgelegte Liege gebettet, und bis zum Hals mit warmem Heu bedeckt. Das feucht-warme Klima entspannt, bringt den Badenden aber auch ganz schön ins Schwitzen. Dadurch wiederum wird der Stoffwechsel angeregt, und der Körper schwemmt Schadsstoffe aus. Heubäder helfen bei Erkältungen, bei Beschwerden der Atemwege, bei rheumatischen Erkrankungen, Ischias und Hexenschuss. Außerdem reinigt ein Heubad die Haut und löst Anspannungen auf – sowohl in den Muskeln, als auch im psychischen Bereich. Gute Nachricht für Allergiker: Da die im Heu enthaltenen Blütenpollen vorher durch das Wasser gebunden werden, bringen sie auch die schlimmste Heuschnupfen-Nase nicht zum Laufen.

Der Kraxenofen ist ein echtes Urgestein der Alpen-Wellness; er wurde längst schon genutzt, bevor es diesen neudeutschen Begriff überhaupt gab. Sein Name leitet sich tatsächlich von der hölzernen Rückentrage ab. Denn die Bauern setzten sich früher, mitsamt ihrer mit Heu gefüllten Kraxe vor den Ofen und ließen sich die heiße, von den Inhaltsstoffen der trockenen Pflanzen erfüllte Luft über Rücken und Schultern sowie in den Beckenbereich strömen. So erholte sich ihr Körper schneller von den täglichen Strapazen. Heute ist der Kraxenofen ein vitalisierendes Dampfbad mit Alpenheu. Die Halme werden hinter einer durchlöcherten Sitznische aus Plastik oder Porzellan eingelagert, bevor man Dampf darüber strömen lässt. Im Kraxenofen sitzt man gemütlich mit dem Rücken zur Wärmequelle. Die wohltuenden Kräuterdüfte wirken entspannend, beruhigend und entzündungshemmend. Durch die langsame Erwärmung wird der Kreislauf schonend angekurbelt und die Muskulatur sanft entkrampft. Der Kraxenofen empfiehlt sich bei Herz- und Kreislaufproblemen, Schulter- und Nackenverspannungen, Gliederschmerzen und Erkältungskrankheiten. Wer beim Entspannen allerdings lieber seinen Gedanken nachhängt, für den ist eine andere Anwendung vielleicht geeigneter – am Kraxenofen sitzt man in der Gruppe.