Damit Wasser für alle fließt

ANZEIGE
Grasegger. Ihr Haus für Tradition und Gegenwart. Garmisch-Partenkirchen

Graubündens eisige Gewässer, der Genfer See und auch der Rhein: Extremschwimmer Ernst Bromeis will mit Aktionen aufrütteln, um das Lebenselixier des Menschen zu erhalten. Vor vier Jahren rückte der ehemalige Sportlehrer Ernst Bromeis zum ersten Mal in den Blickpunkt der Öffentlichkeit: Da stieg er unerschrocken in Bergseen, in denen noch nie zuvor jemand gebadet hatte. 2010 dann durchquerte er den jeweils größten See jedes Schweizer Kantons. Im Mai 2012 hat er sich den Rhein vorgenommen: den kompletten Fluss entlang schwimmen, von der Quelle in Graubünden bis nach Rotterdam: ein 1232 Kilometer langes Abenteuer, in dem der 44-Jährige mehr sucht als allein die körperliche Herausforderung.

Das Interview führte Daniela Schwegler.

Sie haben sich vorgenommen, einen Monat lang jeden Tag rund 50 Kilometer zu schwimmen. Wie kommen Sie auf so eine Idee?
Für mich ist das eine logische Folge meiner „europäischen Wassertrilogie“. Nach den Bündner Seen und den größten Gewässern der Schweiz ist der Rhein ein nächster Schritt.

Ist das nicht gefährlich?
Natürlich ist es kein reines Badevergnügen. Anfangs schwimme ich mit Helm und Rückenprotektor, um gegen Felsen im Wasser gefeit zu sein. Zudem gibt es Wirbel, Wasserfälle, Schleusen. Das Wasser kann solch eine Kraft entwickeln, dass ein Mensch keine Chance hat.

Warum tun sie sich das an?
Wasser ist mein Element. Und ich möchte die Aufmerksamkeit, die meine Projekte auf sich ziehen, nutzen, um den Menschen seine Schönheit und Verletzlichkeit aufzuzeigen.

Wieso gerade am Rhein?
Der Rhein spielt für Europa eine zentrale Rolle: geschichtlich, kulturell, wirtschaftlich und politisch – und als Wasserlieferant für 50 Millionen Menschen. Durch mein Projekt rückt der Fluss für viele erstmals als Ganzes ins Bewusstsein, von der Quelle bis ans Meer.

Warum ist das wichtig?
Auch der bedeutendste Strom Europas, und mit ihm sein Wasser, sind nicht nach Belieben verfügbar. Sie sind endlich.

ANZEIGE

Wir sollten sorgsam mit der Ressource umgehen?
Ja, denn das Wasser braucht uns nicht. Aber wir brauchen das Wasser. Meine Botschaft richtet sich nicht explizit an Naturschützer, Tourismusmanager oder die Wasserindustrie. Man muss alle Facetten betrachten. Klimabedingt werden wir wegen der Gletscherschmelze und der steigenden Permafrostgrenze in 30 Jahren in den Bergen ganz andere Diskussionen führen. Sicher werden wir nicht verdursten. Aber vielleicht wird jeder Kilometer Skipiste teuer, weil wir das Wasser brauchen, um die Felder zu bewirtschaften. Und erst nachrangig für Schneekanonen.

Es gibt immer mehr Menschen auf dieser Erde. Verursacht auch das Probleme?
Es ist nicht allein das Wachsen der Weltbevölkerung; auch unsere Lebensgewohnheiten haben sich verändert. Wir konsumieren mehr Fleisch, und dessen Produktion verschlingt viel Wasser. Das führt in einer endlichen Welt zwangsläufig zu Konflikten. Die Kriege der Zukunft werden ums Wasser geführt, sofern wir den freien Zugang zum Wasser nicht für jeden Menschen garantieren können. In gewissen Ländern ist das schon heute Realität.

Denken sie beim Schwimmen über solche Dinge nach?
In eiskaltem Bergwasser zu schwimmen, ist kein Wellness- Trip, sondern eine extreme körperliche Herausforderung, die einen voll und ganz beansprucht.

Wann sind sie angekommen?
Wenn ich nur noch Meer um mich habe.

Und danach?
Erhole ich mich. Aber mein Projekt „Das Blaue Wunder“ geht weiter. Ich möchte in Graubünden ein „Wasserzentrum“ gründen, um das Bewusstsein der Menschen zu schärfen. Dort sollen sich Forscher mit Verantwortungsträgern aus Wirtschaft und Politik austauschen. Wasser ist unser Lebenselixier.