Yoga im Wallis – Alle guten Geister

Yoga im Wallis – Alle guten Geister. Tiefer Frieden: Mit Blick auf den 3000 m hohen Haute-de-Cry findet jeder auf seine Weise Entspannung // Luxus-Chalet in Veysonnaz auf ca. 1500 Meter Höhe im Wallis // Traum erfüllt: Die Engländerin Ashlee Benis hat mit dem verwunschenen Chalet „Hidden Dragon“ für sich und Gäste einen Sehnsuchtsort kreiert

Tiefer Frieden: Mit Blick auf den 3000 m hohen Haute-de-Cry findet jeder auf seine Weise Entspannung // Luxus-Chalet in Veysonnaz auf ca. 1500 Meter Höhe im Wallis // Traum erfüllt: Die Engländerin Ashlee Benis hat mit dem verwunschenen Chalet „Hidden Dragon“ für sich und Gäste einen Sehnsuchtsort kreiert © Foto: Heike Berger

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Kamis wohnen in Bäumen, Flüssen, Blumen und Bergen … Man sollte diese Naturgötter auf keinen Fall verärgern, meint Ashlee Benis’ japanische Großmutter. Als ihre Enkelin den Bau eines Chalets in den Schweizer Alpen plante, konsultierte die alte Dame deshalb auch umgehend einen Shinto-Priester. Denn in Japan wird nicht einmal der erste Spatenstich dem Zufall überlassen. Das Ergebnis: ein magischer Ort im Wallis, der eine ungewöhnliche Energie ausstrahlt – perfekt für eine Woche Yoga

Zermatt, Saas-Fee, Chamonix – irgendwie seltsam, durch die Walliser Alpen zu fahren und statt Boots und meinem Snowboard diesmal nur die Yogamatte eingepackt zu haben. Scheinbar hat das auch mein GPS noch nicht begriffen. Während sich die kurvige Passstraße immer höher in die Berge windet, manövriert es mich unbeirrt zur Liftstation in Veysonnaz. Kurz darauf stehe ich vor einem holprigen Feldweg. Hidden Dragon, versteckter Drache, Ashlee Benis’ Fünf Sterne-Luxus-Chalet, das man inklusive Koch und allem nur erdenklichen Service mieten kann, macht seinem Namen alle Ehre. Als ich zwei Mountainbiker nach dem Weg frage, mustern die Jungs erst mich, dann mein Auto und zuletzt meine Reifen. Wobei nicht klar ist, wem die skeptischen Blicke gelten.

Drei Kurven später dann ein Szenario als hätte mich jemand in einen James-Bond-Streifen gebeamt: Hinter zarten Nebelschwaden thront Hidden Dragon, fast etwas entrückt am Waldrand. Im Garten wandelt ein filigranes Wesen in einem bodenlangen Yukata, einem japanischen Hauskimono, und unterhält sich mit einem exotisch aussehenden Gentleman. Er könnte aufgrund seines spacigen Outfits durchaus mit einem Raumschiff hier gelandet sein. Dann schreitet Ashlee Benis den verwunschenen Gartenweg hinunter. Ein funkelnder, mit Pfauenfedern besetzter Fascinator steckt in ihrem Haar. In der Hand jongliert sie einen Drink mit wallender Sellerieschleife. Faszinierend, würde Mr. Spock jetzt sagen – James Bond wahrscheinlich auch …

Während ich an meinem Welcome-Cocktail nippe, stellt mir Ashlee ihre Freundin Francesca vor. Sie unterrichtet normalerweise in ihrem eigenen Londoner Yogastudio – wenn sie nicht gerade, wie diese Woche hier im Wallis, an besonderen Orten einen ihrer fast schon legendären Workshops abhält. Francesca stakst barfuß durch das kniehohe Gras der ungemähten Almwiese und zieht ein hippes Girl in Hotpants und türkisfarbenen Stilettos hinter sich her. „Finally we meet!“, begrüßt sie mich strahlend, zeigt auf das Mädchen mit den grünen Schuhen und erklärt, das sei Danaliese, die uns diese Woche bekochen würde. Danaliese lebt an der Küste Cornwalls in einem Wildreservat für Affen. Sie ist Chefköchin eines veganen Restaurants. Die letzten Monate ist sie durch Thailand und Indien gereist, verrät Francesca – und spätestens morgen früh, nachdem ich ihr göttliches Chai-Porridge probiert hätte, würde ich darüber nachdenken, sie zu entführen.

Yoga im Wallis – Alle guten Geister. Von überall auf der Welt hat Engländerin Ashlee Benis die Einrichtung zusammenge­tragen – und es ist Harmonie entstanden!

Stilvoll: Von überall auf der Welt hat Engländerin Ashlee Benis die Einrichtung zusammenge­tragen – und es ist Harmonie entstanden! © Foto: Heike Berger

Tja, das werden schillernde Yogaferien hier in den Alpen … Berge strahlen eine besondere Magie aus. Das zieht anscheinend auch die entsprechenden Menschen an. Alleine unsere kleine Gruppe: Da ist Kishiko, die ich vorher im Garten gesehen habe. Sie ist Japanerin, ihr Mann Hayati ein türkischer Manager. Sie leben in Luxemburg und sind mit ihren Töchtern, Lara und Selin, hierher gekommen. Tracey stammt aus den USA, wohnt aber am Genfersee. Sie haben in der Wochenendausgabe der Financial Times von diesem Yoga-Retreat gelesen. „Mir hat ein Freund aus London von Francescas Workshops vorgeschwärmt“, erzählt mir Monica, die in Brasilien aufgewachsen ist, in Israel lebt und in einem Tempo Englisch spricht, dass mir ganz schwindlig wird. Als wir im Garten unsere Matten ausrollen, ist der Himmel noch kornblumenblau. Doch eine halbe Stunde später hört man das gluckernde Grollen eines heranziehenden Gewitters.

Diese Yogawoche startet fulminant! Wir üben im Freien, aber überdacht – mit einem gigantischen Blick auf den fast 3000 Meter hohen Haut-de-Cry. Ich stehe auf einem Bein und lasse meine Arme wie Zweige in den Himmel wachsen: Der Baum scheint eine so einfache Yogaübung zu sein, erfordert aber ungeheure Balance. Zu Hause sieht das bei mir immer wie wogendes Schilfgras aus. Hier fühle ich mich so geerdet als hätte ich tatsächlich Wurzeln. Faszinierend, diese ächzenden Baumwipfel, die im Wind tanzen und sich dabei ähnlich verbiegen wie wir auf unseren Yogamatten. Nach dieser ersten powervollen Yogastunde kredenzt uns Danaliese „Virgin Bellini“ mit selbst gebackenen Ingwer- und Kardamom-Crackern.

Als sie abends zum Abschluss unseres Drei-Gänge-Dinners ein betörend nach Erdbeer und Rosen duftendes Fruchtpüree mit zart geeister Vanillemousse serviert, haben wir tatsächlich alle nur noch einen Gedanken: Wer entführt Danaliese zuerst … Selbst Hayati, der anfänglich skeptisch wirkte, als Francesca erklärte, dass wir vegan essen würden, es kein Fleisch, keinen Fisch, keine Eier, keine Milch, kein Joghurt und keinen Käse geben würde. Im Moment fühle ich mich fantastisch. Alles ist so entspannt und unkompliziert. „Barefoot Luxury“, wie Ashlee es nennt. Vielleicht liegt es auch daran, dass an allen Schlüsseln Omamori, japanische Glücksamulette, baumeln und Ashlee beim Bau ihres 700-Quadratmeter-Chalets Feng-Shui und die Regeln des japanischen Shinto-Kults eingehalten hat.Beim Interior herrscht stylisher Ekklektizismus: Vintage-Sessel aus den Twenties, ein Viehwagen aus Rajasthan, asiatische Kommoden neben einem alten Hermès-Koffer, dazwischen jede Menge Kunst.

Yoga im Wallis – Alle guten Geister. Aus aller Herren Länder kommen Gäste in die hohen Wälder des Wallis

Kleine Fluchten: Aus aller Herren Länder kommen Gäste in die hohen Wälder des Wallis © Foto: Heike Berger

Yoga im Wallis – Alle guten Geister.

Nach Sauna, Hamam und einem Bad im Jacuzzi – mit fantastischem Blick ins Tal und in die Sterne – lümmeln wir am zweiten Tag in den ausladenen Sofas vor dem Kamin, Francesca erzählt von der Schule in Indien, die sie mit ihrem Lebensgefährten, der dort aufgewachsen ist, gegründet hat. Sie berichtet von Ockley, ihrer Riesenschildkröte, und stimmt uns um Mitternacht bei Zitronen-Ingwer-Tee aufs Meditieren ein. Francesca hat in Cambridge studiert, war danach PR-Chefin bei Bulgari in England – dann kündigte sie, reiste drei Jahre durch Indien, Nepal und Südamerika und gründete in London Yogoloji, ihr eigenes Yogastudio. Die ganze Woche über spürt man ihre Begeisterung, man fühlt, sie ist überzeugt von dem, was sie tut.

Genauso bei Ashlee: Sie konnte kaum laufen, da wurde sie von ihrem Vater – einem Mitglied des ehrwürdigen Londoner Kandahar Skiclubs – mit auf die Piste genommen. Später fuhr sie für die Universität Manchester jahrelang Rennen. Sie machte Karriere bei Leo Burnett, einer der größten Werbeagenturen weltweit. Vor vier Jahren erfüllte sich die 35-Jährige, zusammen mit ihrem Bruder André, mit Hidden Dragon ihren Traum, etwas Eigenes zu machen. „Mein Bruder war britischer Jugend-Buckelpisten-Champion, wir haben beide unser halbes Leben in den Alpen verbracht. Ich wollte für Menschen, die ähnlich fasziniert von dieser Landschaft sind, einen wirklich besonderen Ort schaffen“, erklärt die Engländerin, die außerhalb der Skisaison hier auf Hidden Dragon die unterschiedlichsten Urlaubs-Specials, wie Shamanische Energie-Kurse, Reiki oder Thai Chi, anbietet.

Beim Hausbau mischte sich dann auch Ashlees 84-jährige Großmutter ein, die Japan in ihrem ganzen Leben noch nie verlassen hat. Man kann nicht einfach so ein Haus bauen, erklärte sie. Im Shintoismus, einer der Urreligionen Japans, glaubt man, alle Dinge seien von Göttern bewohnt, den Kamis. Will man in Frieden mit der Natur leben, muss man die Kamis erst mal um Erlaubnis fragen. „Großmama hatte mir genaue Instruktionen gegeben“, meint Ashlee. „Und da stand ich dann, mit meinem Schweizer Architekten und den wallisischen Handwerkern, und habe kiloweise Salz auf dem Grundstück verstreut. Danach muss man den Berg-Kamis Wasser geben, anschließend wird Reis verteilt. Zum Schluss werden Räucherstäbchen angezündet, und ich musste dreimal hintereinander eine Art Mantra singen.“ Sie lacht. „Beim dritten Mal kam eine Herde Almkühe auf uns zu, und alle Tiere haben im selben Moment den Kopf gehoben. Da dachte ich, wow, Granny, irgendwas scheint da jetzt tatsächlich passiert zu sein.“

Ja, auch mit jedem von uns ist in diesen sieben Tagen einiges passiert. Alles fühlt sich so leicht an. Am letzten Abend sitzen wir bei sternklarer Nacht draußen am Feuer und werfen Wunschzettel in die Flammen. Die zwei Girlies, Lara und Selin, hüpfen mit Wunderkerzen wie zwei Glühwürmchen um uns herum. „Kichere mit Kindern … glaube an Zauberei … bade im Mondschein … träume wild und fantasievoll … lies jeden Tag … sei frei … spiele mit allem … umarme Bäume … lade eine gefährliche Person zum Tee ein … lass dich fallen … stell dir vor, du wärst verzaubert …“, rät der Künstler Joseph Beuys in seiner Anleitung für ein gutes Leben. In dieser Woche in den Walliser Alpen haben wir das alles gemacht.

Gut zu Wissen
 
Vier Täler und endlose Buckelpisten
 
Die Lage könnte idealer nicht sein: Das Hidden Dragon liegt abgeschieden am Rande des Feriendorfes Veysonnaz und doch nur 20 Minuten von der nächsten Autobahn entfernt sowie mitten drin im größten zusammenhängenden Skigebiet der Schweiz, Les ­quatres vallées. Die Skischaukel mit 412 Pistenkilometern schließt vier Seitentäler der Rhone und sechs Ortschaften zusammen, neben Veysonnaz unter anderem Verbier und Nendaz. Die Abfahrten sind enorm vielfältig: Buckelpistenfans kommen ebenso auf ihre Kosten wie Genussskifahrer. Besonders berühmt ist die „Piste de l’ours“ bei Veysonnaz, auf der Snowboard-Weltcuprennen ausgetragen werden. Vom höchsten Punkt des Gebiets, dem mit einer Gondelbahn erschlossenen 3300 Meter hohen Mont-Fort-Gletscher, reicht das Panorama von den Berner Alpen bis zum Matterhorn und dem Dente Blanche. 4Vallees, Veysonnaz
 
Hidden Dragon
Veysonnaz, 1993
Valais, Switzerland
T. +44/(0)7970/652 684
 
Web: www.hidden-dragon.com