Kaiserhof Glasmanufaktur – Heisse Ware

Kugeln und Objekte aus massivem, mehrere Millimeter dickem Glas sind die Spezialität des für die junge Glashütte tätigen Künstlers Valentin Strete. Sie verlangen hohes handwerkliches Geschick, nicht nur beim Formen des glühenden Materials. Auch der Abkühlprozess ist mehr als heikel. Geht er zu schnell vonstatten, zerspringt das Gebilde zu tausend Scherben. Kaiserhof Glasmanufaktur

Kugeln und Objekte Kugeln und Objekte aus massivem, mehrere Millimeter dickem Glas sind die Spezialität des für die junge Glashütte tätigen Künstlers Valentin Strete. Sie verlangen hohes handwerkliches Geschick, nicht nur beim Formen des glühenden Materials. Auch der Abkühlprozess ist mehr als heikel. Geht er zu schnell vonstatten, zerspringt das Gebilde zu tausend Scherben © Foto: Florian Bachmaier

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Seit vier Jahren wird unter historischen Gewölben des Zisterzienserstifts Neuburg, nahe beim Semmering, wieder Glas geblasen. Die Glasmanufaktur Kaiserhof knüpft damit an die Tradition der Mönche an, die sich vor vierhundert Jahren draußen in den einsamen Wäldern an der Herstellung des fragilen Materials versuchten – des rasch greifbaren Brennmaterials wegen (ALPS Magazine #16 3/2013 Review)

Einen heißeren Arbeitsplatz als den von Valentin Strete gibt es selten. Mit 1250 Grad lodert das Feuer im Inneren der Schamottsteine. Bei jeder kühleren Temperatur würde das in einem integrierten Kessel orangerot glühende Gemisch aus Quarzsand, Kalk und Pottasche zu erstarren beginnen. Strete steht direkt vor diesem Ofen, der keine Tür hat, sondern nur eine gemauerte Öffnung. Schutzanzug braucht er zwar keinen – er trägt robuste, lange Lederhosen und ein kurzes Hemd – brüllend heiß ist es aber trotzdem. Mit der Glasbläserpfeife holt er einen daumengroßen Pfropfen rot glühender Flüssigkeit aus dem Ofen heraus, bläst ihn auf etwa sein dreifaches Volumen auf und wälzt ihn in einer Schale mit farbigen Glaskörnchen. Nochmals erhitzt der rumänische Glaskünstler den nun bunt gesprenkelten Pfropfen im Ofen und bläst dann erneut, bis sich die nun ebenfalls bis zum Zerfließen erhitzten Farbpartikel zu einem bunten Muster vergrößert haben.

Ein letztes Mal führt er den immer noch glühenden Glaskörper zum Ofen, taucht ihn nochmals in den durchsichtigen Glasfluss und formt ihn dann mit Hilfe der Pfeife und einer runden Eisenform zu einer handballgroßen Kugel, die später einmal ein Gartenbeet schmücken wird. „Unsere Rosenkugeln sind robust und witterungsbeständig; das liegt daran, dass die Glasschicht sehr dick ist“, erklärt Andreas Hafner, der vor vier Jahren in historischen Gewölben des Stifts Neuberg, unweit vom Semmering, die Glasmanufaktur Kaiserhof gründete. „Benannt ist die Manufaktur nach dem Hof, auf den die Gewölbe münden. Sie gehören zu den Bauten des ehemaligen Zisterzienserklosters Neuberg, von dem heute nur noch die berühmte spätgotische Hallenkirche für religiöse Zwecke genutzt wird“, erzählt Hafner.

Kaiserhof Glasmanufaktur
Kaiserhof Glasmanufaktur

Farben werden in Form von bunten Glas­partikeln auf den glühenden ­Körper getupft, bevor dieser noch einmal erhitzt wird. Oder Valentin Strete „zeichnet“ mit Glasfluss ein Muster auf ein bereits erkal­tendes Objekt. Kaiserhof Glasmanufaktur

Farben werden in Form von bunten Glas­partikeln auf den glühenden ­Körper getupft, bevor dieser noch einmal erhitzt wird. Oder Valentin Strete „zeichnet“ mit Glasfluss ein Muster auf ein bereits erkal­tendes Objekt © Foto: Florian Bachmaier

Der Erste, der an diesem Ort Glas herstellt, ist er nicht: Es wird vermutet, dass es hier bereits im 15. Jahrhundert eine Glashütte gab; ab 1580 versuchten sich die Mönche dann selbst an der Kunst der Glasherstellung. „Wo sich Glashütten ansiedelten, hing nicht so sehr von den Rohstoffen ab, die man für die Glasmasse brauchte. Wichtig war, dass es genug Holz gab, um die Öfen zu befeuern. Deshalb liegen traditionelle Standorte der Glasherstellung so oft in abgeschiedenen Waldgebieten. Früher blieb eine Glashütte meist nur sechzig, siebzig Jahre bestehen. Dann waren alle Bäume gefällt, alle Stämme verheizt, und man musste die Hütte entweder ganz schließen oder weiterziehen.“

Überhaupt muss die Glasherstellung früher ein enorm schwieriges Geschäft gewesen sein, mutmaßt Hafner, der eigentlich aus dem Metallhandwerk kommt, dann aber seine Leidenschaft für Glas entdeckte und die Manufaktur gründete. „Man konnte die Hitze nie so exakt temperieren, wie das heute bei einem Gasofen möglich ist. Besonders der Auskühlprozess war unglaublich heikel. Man hatte dafür zwar oberhalb der Öfen spezielle Kammern eingerichtet – an ein langsames, aber kontinuierliches Absenken der Temperaturen, wie es Glas braucht, um nicht zu springen, war darin jedoch kaum zu denken.“

Die Manufaktur auf dem Gelände des berühmten Zisterzienserstifts (im Bild: die gotische Hallenkirche) hat sich, seit sie 2009 von Andreas Hafner (rechte Seite) gegründet wurde, zu einer Attraktion für Durchreisende gemausert. Kaiserhof Glasmanufaktur

Die Manufaktur auf dem Gelände des berühmten Zisterzienserstifts (im Bild: die gotische Hallenkirche) hat sich, seit sie 2009 von Andreas Hafner gegründet wurde, zu einer Attraktion für Durchreisende gemausert © Foto: Florian Bachmaier

Denn nicht nur das Blasen von besonders dünnem Glas ist eine hohe Kunst. Auch die Herstellung von Objekten mit dickem Korpus oder gar mit mehreren Glasschichten ist technisch und handwerklich höchst anspruchsvoll. „Bei massivem Glas entstehen innerhalb des Materials enorme Spannungen, die sowohl die Formgebung wie auch das nachfolgende Abkühlen schwieriger macht. Dünnes Glas nimmt ohne weitere Probleme binnen weniger Minuten Raumtemperatur an, dickes Glas würde dabei sofort zerspringen. Es muss nach dem Formen in einem speziellen Auskühlofen zwischengelagert werden. Er senkt die Temperatur binnen einer Nacht ganz allmählich von 400 auf 25 Grad ab. Nur so wird ein Bersten von massiveren Glaskörpern verhindert“, erklärt Hafner.

Trotz dieses heiklen Herstellungsprozesses hat sich die Glasmanufaktur Kaiserhof im Wesentlichen auf farbenfrohe Objekte für den Wohn- und Gartenbereich spezialisiert: Vasen, Obstteller, Windlichter oder Gartenschmuck, mit lebhaft strukturierten, aber auch mit großflächigen Farbdekoren, die immer zwischen zwei Klarglasschichten eingeschlossen sind. Den Ansprüchen von Hafners Kunden kommt diese Ausrichtung entgegen. „Wir haben hier relativ viel Laufpublikum, das nach Neuberg kommt, um die majestätische Kirche zu besichtigen. Da sind solche Objekte eher gefragt als kostbare, dünnwandige Weingläser“, weiß Hafner aus Erfahrung.

Das Angebot umfasst vor allem dekorative Objekte; jeder kann dem Glaskünstler bei seiner faszinie­renden Arbeit zuschauen und sogar selbst sein Glück an der Glas­bläserpfeife versuchen. Kaiserhof Glasmanufaktur

Das Angebot umfasst vor allem dekorative Objekte; jeder kann dem Glaskünstler bei seiner faszinie­renden Arbeit zuschauen und sogar selbst sein Glück an der Glas­bläserpfeife versuchen © Foto: Florian Bachmaier

Ganz leicht ist sein Stand nicht. Als er im Sommer 2009 mit seiner Manufaktur an den Start ging, hätte eigentlich das gesamte Stiftsgelände neu belebt werden sollen – eine Initiative, die bislang nur zum Teil fruchtete. Doch inzwischen stellt die Glashütte, bei der man das uralte Handwerk des Glasblasens hautnah beobachten und sogar selbst ausprobieren kann, auch für sich genommen ein beliebtes Ausflugsziel dar. Die Manufaktur im Kaiserhof ist heute die einzige, das ganze Jahr über betriebene Institution ihrer Art in der einst an Glashütten so reichen Steiermark. In Zeiten, in denen Energie und Rohstoffe überall verfügbar sind, ist es längst nicht mehr das Holz, das über die Qualität eines Standorts entscheidet, sondern einzig und allein der Markt.

Notizen
Karte Kaiserhof Glasmanufaktur 
Kaiserhof Glasmanufaktur
Haupstr. 13, Kaiserhoftrakt
A- 8692 Neuberg an der Mürz
Tel. +43/38 57/201 59 oder
+43/664/406 97 04
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag
9–17 Uhr, Samstag 10–16 Uhr
Infos unter www.kaiserhof-glas.at