Wo hungern zum Hochgenuss wird

Henri Chenot: Mit Charme, Witz und seiner Wissenschaft von der Biontologie verhilft Henri Chenot seinen Kurgästen zur seelisch-körperlichen Balance – das luxuriöse Ambiente und der gepflegte Park tun das Ihre dazu

Mit Charme, Witz und seiner Wissenschaft von der Biontologie verhilft Henri Chenot seinen Kurgästen zur seelisch-körperlichen Balance – das luxuriöse Ambiente und der gepflegte Park tun das Ihre dazu

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Es gibt Menschen, für die man freiwillig auf Vieles verzichtet – und sich auch noch beschenkt fühlt. Einer von Ihnen ist Henri Chenot, Herrscher über das „Palace“ in Meran (ALPS Magazine #10/2012 Review)

Henri Chenot ist die beste Visitenkarte für sein Haus. Der Doktor der Philosophie und Psychologie ist Mitte sechzig, sieht aber locker fünfzehn Jahre jünger aus. Der Intellektuelle mit der Ausstrahlung eines Bergbauern empfängt uns in seinem feudalen, prall mit Büchern gefüllten und mit medizinischen Postern dekorierten Büro. Wer es im Palace Merano, dem Deluxe-Gesundheitszentrum in Südtirol, bis ins Privatbüro des Meisters geschafft hat, ist entweder Journalist, guter Freund der Familie – oder hat viel Geld. Denn über die rund 1500 Kurgäste, die jährlich im Belle-Époque-Bau in Meran fasten und entgiften, wacht der schalkhafte Mediziner in der Regel nicht persönlich, sondern als philosophische Überfigur. Der Name ist hier Programm, das Fünf-Sterne-Hotel nennt sich „Espace Henri Chenot“. Ein Rückzugsort für finanziell privilegierte Menschen, die sich in einer meist einwöchigen Körper- und Diätkur darauf besinnen, dass ihr Körper keine Maschine ist, sondern wie die Seele ab und zu ein paar Streicheleinheiten braucht. „Unsere Patienten haben in der Regel alles“, sagt Henri Chenot und zeichnet auf ein Blatt Papier vor ihm ein paar Kreise, die sich überschneiden. „Sie haben Karriere gemacht, viel Geld, schöne Häuser, aber sie können das alles nur genießen“ – er schraffiert eine der Schnittmengen auf dem Blatt –, „wenn ihr Körper vital ist und ihr Geist wach.“ Er sticht mit dem Kugelschreiber energisch in die Mitte der schraffierten Fläche. „Und für einen wachen Geist braucht es einen gesunden Körper!“ Er lehnt sich zurück, fragt „Mi capisce?“ und lächelt. In diesem Arbeitsraum mit der riesigen Fensterfront, die den Blick freigibt auf einen Park mit altem Baumbestand, klingt das so simpel wie ein unschuldiges Kinderspiel. Aber das Prozedere ist dann in der Realität schon etwas komplexer. Im „Espace“, wie das Hotel heißt, seit Henri Chenot und seine Frau Dominique den Prunkbau 1994 übernommen haben, werden seit drei Jahren nur noch Kurgäste empfangen. Vorher mischten sie sich mit normalen Ferien- und Hotelgästen, aber die Kur im Palace Merano verlangt viel eisernen Willen ab – und da mögen die Fastenden nicht abends im Speisesaal zusehen, wenn sich am Nebentisch die anderen Gäste den Bauch vollschlagen.

Chenot arbeitet in der von ihm selbst entwickelten Wissenschaft Biontologie (für die es in Lugano seit 2004 eine Akademie gibt) nur mit pflanzlichen Heilmitteln und lässt seine Kurteilnehmer eine Woche lang nach einem strengen Ernährungsplan leben – was eigentlich nichts anderes heißt, als dass sie fasten. Man wird täglich auf diverse Art und Weise massiert und geschröpft, danach in blubbernde Wasserwannen gesetzt, in warme Fangopackungen eingewickelt, um danach – wie belebend, aber gemein! – mit einem eisig kalten Wasserstrahl wieder abgeduscht zu werden. Henri Chenot, gebürtiger Katalane, der in Frankreich aufwuchs, gründete Anfang der Siebzigerjahre mit Professor Denis Leroy Doyon eines der ersten Labore der Biontologie in der Bretagne. Hier erforschten sie, wie man durch eine gezielte Ernährung, einen gesunden Lebensstil und unterstützt durch Heilmittel Krankheiten vorbeugen kann. Chenot sagt nach jahrelanger Forschung heute selbstbewusst: „In der Zukunft wird der Mensch bis zu 125 Jahre alt, es ist alles in seinem genetischen Code festgelegt.“

Hotel Palace Meran: Eine einwöchige, sogenannte inte­gra­tive Kur mit dem üblichen Programm kostet 2700 Euro, die obligatorische Arztvisite 250 Euro. Die Preise für ein Superior-Einzelzimmer starten bei 210 Euro pro Nacht, das Doppelzimmer kostet rund 375 Euro, die Suiten zwischen 450 und 790 Euro pro Nacht. Es gibt ein großes Spa, das von Henri Chenots Frau Dominique geleitet wird. Die Anwendungen kosten separat. Infos: www.palace.it

Das muss es Wert sein Eine einwöchige, sogenannte inte­gra­tive Kur mit dem üblichen Programm kostet 3250 Euro, die obligatorische Arztvisite 290 Euro. Die Preise für ein Superior-Einzelzimmer starten bei 250 Euro pro Nacht, das Doppelzimmer kostet rund 440 Euro, die Suiten zwischen 490 und 1550 Euro pro Nacht. Es gibt ein großes Spa, das von Henri Chenots Frau Dominique geleitet wird. Die Anwendungen kosten separat. Infos: www.palace.it

Um die Gäste in seinem Espace kümmert sich ein Team von 115 Leuten, darunter Mediziner, Diätköche, Masseurinnen, Physiotherapeuten, Psychologen, Zimmermädchen, Fitnesstrainer, Serviceangestellte und auch der freundliche „Chef de Service“, der einem das größte Geschenk des Tages auf einem Silbertablett serviert – eine Portion Bienenhonig für den Tee. Wer pro Tag gefühlte zwei Cherrytomaten, eine Selleriestange und eine ungewürzte Bouillon zu sich nimmt, hat, zumindest die ersten zwei Tage, ein sehr sensibles Gemüt. Es kann also gut sein, dass man wegen nichts in Tränen ausbricht oder schon frühmorgens wirklich schlechte Laune kriegt, wenn man doch alles geben würde für einen italienischen Kaffee, aber stattdessen einen Malzkaffee serviert bekommt. So viel sei verraten: Ab dem dritten Tag wird es besser. Und mit jedem Tag noch besser. Und noch besser. Nicht nur, dass man richtig zuschauen kann, wie man Gewicht verliert, sondern auch, weil man merkt, wie gut Ruhe und Langsamkeit tun. Henri Chenot, der jetzt am Fenster steht und einen Vogel beobachtet, betont, dass „genau dieses Glück und dieser Einklang mit dem Körper nichts mit Geld zu tun“ habe. „Hier im Espace sind alle Menschen gleich“, sagt er. „Wir bewegen uns ja sowieso alle den ganzen Tag nur im Bademantel und in weißen Schlappen. Da nützen Statussymbole gar nichts.“ Unbestritten ist trotzdem, dass sich diese Edel-Klausur nur wenige leisten können. Für eine Woche muss man mit rund 6000 Euro rechnen. Eine private Besprechung bei Monsieur Chenot kostet separat. „Wer direkt zu mir kommt, möchte nur noch einen Feinschliff“, sagt Chenot. Feinschliff bedeutet konkret, dass er vor allem nochmals zusammen mit dem Patienten bespricht, wie er die Elemente aus der Kur in seinen persönlichen Alltag integrieren kann. Henri Chenot ist eine Art Kultfigur, so ein bisschen die Betty Ford Südtirols. Nur, dass die Gäste nicht spezifisch mit Alkoholproblemen zu ihm kommen, sondern mit einem anderen, genauso weit verbreiteten Gesellschaftsleiden kämpfen: der Erschöpfung des Körpers und des Geistes.

Gut zu wissen
 
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