Ein Besuch auf der gemütlichen Amberger Hütte – hier werden Berg- und Gletscherträume wahr!

Ein Besuch auf der gemütlichen Amberger Hütte – hier werden Berg- und Gletscherträume wahr!
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Grasegger. Ihr Haus für Tradition und Gegenwart. Garmisch-Partenkirchen

Wir stehen kurz vor der Grenzöffnung, deshalb gibt es hier vorweg einen kleinen Vorgeschmack auf abwechslungsreiche Touren im Tiroler Bergparadies Ötztal

Tirol, da war doch was … Vage erinnere ich mich an vergangene Zeiten, in denen das Reisen ohne Einschränkungen möglich war. Oft bin ich über die Grenze gefahren und war mir leider nie darüber bewusst, was die Reisefreiheit für ein hohes Gut ist! Corona hat uns in einen Käfig gesperrt. Zugegebenermaßen in einen Großen, aber für mich doch so beengend, dass es mir mitunter an die Substanz geht. Mein Erkundungs-, Reise- und Freiheitsdrang bleibt erhalten und führt mir sehr deutlich vor Augen, was mir der Entzug dieser wertvollen Privilegien eigentlich bedeutet …

Ich sehne mich schon lange nach der Besteigung hoher Gipfel. Da kann Bayerns Vorgebirge leider nur bedingt mithalten. In das verbotene Land, dort möchte ich hin! Abenteuer erleben und neue Ecken kennenlernen. Bald könnte es so weit sein, die Freiheit rückt immer näher! Um die Vorfreude auf die bevorstehenden Grenzöffnungen wachsen zu lassen, möchte ich Euch mit meinem neuen Tourenbericht mitnehmen in alpine Höhen. Es ist ein kleiner Vorgeschmack auf den kommenden Sommer …

Mit meinem Kumpel starte ich im Bergsteigerdörfchen Gries im Ötztal auf 1572 Meter. Nach der langen Anfahrt freue ich mich umso mehr, in die Bergschuhe zu schlüpfen und den Alltag hinter mir zu lassen. Auch wenn der Rucksack schwer ist, da wir für drei Tage gepackt haben. Allerdings zieht mich diese wilde Landschaft so in ihren Bann, dass ich das Gewicht kaum spüre. Für die 550 Höhenmeter und sechs Kilometer brauchen wir ca. 1,5 Stunden.

Der Forstweg schlängelt sich den kompletten Aufstieg über immer entlang des reißenden Fischbaches. Irgendwann wechselt der Weg die Uferseite und wir gehen auf der rechten, südlichen Talseite ansteigend weiter durch das kühle Sulztal. Nach einem kurzen Steilstück erreichen wir die weiten Böden der unteren Sulztalalm. Vor der Alm gehen wir über die Brücke und weiter aufwärts, immer den Schrankogel vor Augen, zur oberen Sulztalalm. Über eine kurze Steilstufe gelangen wir zur Ambergerhütte, die man erst im letzten Augenblick sieht.

Mir gefällt die Hütte und deren Umgebung auf Anhieb! Vor uns liegt ein grasiges Hochtal, an dessen Seiten die karstigen, zum Teil schneebedeckten, steilen Berge aufragen. Mein Herz macht bei diesem herrlichen Anblick vor Freude einen Hüpfer.

Die Stubaier Alpen sind wild! Sie bestehen überwiegend aus Gneis und Schiefergestein. Letzterer enthält einen hohen Glimmeranteil, welcher auch unter dem Namen „Katzengold“ bekannt ist. Dadurch schimmern die Steine in der Sonne golden. Außerdem sind die Berge hier oft verblockt und mit losem Gestein versehen. Der Schrankogel, (3497 m) einer unserer Gipfel, besteht im oberen Bereich des Grates aus vielen, sich überlagernden Felsblöcken. Je nach Größe werden die Blöcke umgangen oder man erklettert sie in direkter Linie.

Heute am ersten Tag lassen wir es jedoch ruhiger angehen. Nachdem ich mein Schlaflager eingerichtet habe, wollen wir unbedingt noch auf den „Niederer Sulzkogel“ auf 2796 Meter. Das ist quasi der Hausberg der Hütte. Die zusätzlichen 660 Höhenmeter nehme ich für einen Blick auf unsere bevorstehenden Gipfelziele gerne in Kauf. Schließlich sind wir hier zum Sporteln und nicht zum Faulenzen!

Das Schöne: Wir sind ganz alleine unterwegs und genießen die Stille, welche an sonnigen Wochenenden nicht selbstverständlich ist. Über grüne, blühende Wiesen und Flechten geht es auf einem schmalen Pfad bergauf. Die Sonne blinzelt hin und wieder durch die aufziehenden Nebelschwaden. Der Weg wird immer steiniger und das Gras weicht felsigem Untergrund. Kurz vor dem Gipfel gibt es sogar noch eine kurze, drahtseilversicherte Stelle, die allerdings unbedenklich ist! Oben angekommen verabschieden sich die sommerlichen Temperaturen leider vollends und wir tauchen ein in kaltnasse Wolken.

Durch ein kleines Wolkenfenster erhaschen wir kurz einen Blick auf unser morgiges Ziel, den Schrankogel. Der Berg ist hoch und vom alpinen Anspruch her nicht zu unterschätzen! Mit einer Höhe von knapp 3500 Metern zählt der Schrankogel zum höchsten Gipfelziel im Tourengebiet der Amberger Hütte und ist zudem der zweithöchste Berg der Stubaier Alpen! Außerdem muss der Bergsteiger Ausdauer und vor allem Trittsicherheit im teils schneebedeckten, schrofigen und abschüssigen Gelände mitbringen. Diese Tour zählt nicht umsonst zu den kombinierten Hochtouren!

Wir starten schon früh, schließlich müssen wir im Aufstieg 1400 Höhenmeter und etliche Kilometer zurücklegen. Von der Hütte laufen wir abwärts zu einer Brücke, auf der wir den Bach überqueren und am linken Ufer entlang taleinwärts, durch die „Sulze“, dem markierten Weg 131 folgen. Der Weg wird schmäler und führt ansteigend auf der linken Talseite ins Schwarzenbergtal hinein. Dort passieren wir einen großen Felsblock mit Gedenktafel und folgen dem Steig steil bergauf bis zur Weggabelung. Hier zweigen wir nach Norden zum „Hoachen Egga“ (2800 m) ab.

Von dort steil, anfangs in Serpentinen über Schotter, später über Schrofen und Blöcke in Richtung Gratrücken. Ich für meinen Teil liebe dieses felsige Gelände und bin voll in meinem Element. Mein Kumpel hat teilweise etwas Schwierigkeiten, da manche der größeren Kaliber mühselig erklettert werden müssen. Ab und zu hole ich zur Überbrückung der Wartezeit die Kamera heraus und versuche die atemberaubende Hochgebirgslandschaft einzufangen.

Hier ist auch zu erwähnen, dass der obere Teil des felsigen Grates einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Wer hier nicht routiniert unterwegs ist, wird nur langsam vorankommen. Im Sommer steigt Nachmittags die Gewittergefahr erheblich und daher ist ein früher Aufbruch ratsam.

Gemeinsam kraxeln wir die letzten Meter zum Gipfel empor. Die Freude darüber endlich oben zu sein ist groß! Unter dem schönen Kreuz gibt es eine Gipfelumarmung und ein Bergheil. Die Aussicht auf die vergletscherten Berge ringsum könnte nicht beeindruckender sein! Vor uns reihen sich unzählige hohe Gipfel, Grate und Spitzen aneinander. Zu unseren Nachbarn zählen die Südliche und Nördliche Wildgratspitze (3320 m) sowie die westliche Schwarzenbergspitze (3379 m). Am Ende des Sulztales erstreckt sich die vergletscherte Fläche des Sulztalferners mit dem Übergang zur Hochstubaihütte. Diese alpine Region eignet sich übrigens sehr für ein längeres Hüttentrekking! Hinter dem Ferner ragt mächtig die Wilde Leck empor. Ein wunderschöner, schroffer Berg mit 3359 Metern, der bestiegen werden möchte. An diesem Panorama kann ich mich kaum satt sehen …

Nach einer ausgiebigen Pause machen wir uns an den Abstieg. Diese Variante beinhaltet die Gipfelüberschreitung über den Ostgrat hinab Richtung Schwarzenbergferner. Das Gelände ist zwar nicht ganz so verblockt wie beim Aufstieg, trotzdem ist das Terrain weiter anspruchsvoll. Auf dem losen Schrofen ist Vorsicht geboten! Wir gehen hier versetzt, damit keiner mit Steinschlag konfrontiert wird.

Den gesamten Abstieg verbringe ich suchend, damit wir ja keine Markierung verpassen und den Weg verlieren. Oft sind die roten Punkte nur schwer zu erkennen, da sie von Flechten überwachsen oder von losem Geröll bedeckt sind. Es übt auf jeden Fall die Orientierung und Wegfindung.

Weiter unten flacht der steile Hang langsam ab. Auf einer Höhe von ca. 3000 Metern gelangen wir zum Rücken der Moräne und laufen auf dieser relativ flach dahin, bis der Pfad irgendwann in den bekannten Aufstiegsweg übergeht. Von dort über die sanften Wiesen des Sulztales zurück zur Amberger Hütte. Dort bestellen wir uns ein alkoholfreies Weißbier und planen den morgigen Tag. Wir wollen hinauf zum Sulztalferner, eine lohnende Gletschertour,  bevor es wieder hinab ins Tal und nach Hause geht. Der Kontrast zwischen der Wildheit dieser Bergriesen und dem lieblichen Sultztal mit seinen vielen Blumen könnte schöner nicht sein. Nach diesen drei ausgefüllten Tagen bin ich mir sicher: Wir kommen wieder!

GUT ZU WISSEN

Ausrichtung // Nord/Ost  Bergsteigen/Hochtour 3 Tage  550-1400 Hm

Art // Alpine Bergtour ohne Gletscherberührung.
Schwierigkeit // Mittel.
Orientierung // Vom Parkplatz in Gries folgen wir der breiten Straße bis zur Amberger Hütte. Diese eignet sich perfekt als Ausgangspunkt für viele Touren von einfach bis schwer. Wer möchte, kann von dort auch zu anderen Hütten aufbrechen. Diese Wege führen allerdings meistens über Gletscher, daher muss auf die richtige Ausrüstung geachtet werden. Auch sollte klar sein, dass in dieser Region die Berge meistens über 3000 Meter hoch sind. Deshalb ist alpines Können gefragt und natürlich eine entsprechende Vorbereitung.

Beste Jahreszeit // Juli bis Mitte September (mit Schneeresten auf der Nordseite ist im Frühsommer bzw. im Spätsommer auf jeden Fall zu rechnen. Diese erhöhen den Anspruch etwas.)

Einkehrmöglichkeit // Sulztalalm, Amberger Hütte.

Anreise //
Mit dem Auto: Von Norden über Garmisch, den Fernpass und Imst ins Ötztal. Über Oetz und Umhausen nach Längenfeld. Hier biegt man links ab und fährt hinauf nach Gries. Durch Gries hindurch bis zum geräumigen Parkplatz am Ortsende.
Parkplatz // Gries (1599 m) im Sulztal – Parkplatz
Kosten // 5 Euro.

Ausrüstung // Bergtourenausrüstung/Hochtourenequipment (je nach Tour).

TIPP // Bike and Hike: Die Anfahrt mit dem Mountainbike zur Amberger Hütte ist gut möglich. Daher auch als Ausflugsziel für Familien sehr geeignet! Und wer möchte, gönnt sich direkt an der Hütte im 18 Grad warmen Schwefelsee ein Bad.

Ein Besuch auf der gemütlichen Amberger Hütte – hier werden Berg- und Gletscherträume wahr!