Über den steilen Himmelspfortensteig auf den markanten Schafberg, in der Grenzregion Salzburg

Über den steilen Himmelspfortensteig auf den markanten Schafberg, in der Grenzregion Salzburg

© Fotos: Katrin Böckelen

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Grasegger. Ihr Haus für Tradition und Gegenwart. Garmisch-Partenkirchen

Das wasserreiche Salzkammergut besticht neben einer wunderschönen Seenlandschaft auch mit einer Reihe aussichtsreicher Berge. Der Kontrast beider „Elemente“ ist immer wieder ein ganz besonderes Erlebnis

Ich möchte diesen Sommer beides: Wasser und Berge – nicht zu weit weg und gut erreichbar gelegen. Im Salzkammergut in Oberösterreich werde ich fündig. Jetzt muss nur noch die Entscheidung gefällt werden, an welchen See es gehen soll: Attersee, Wolfgangsee, Traunsee oder Mondsee?

Letzterer ist nach seiner Form eines Halbmonds benannt. Der Mondsee liegt südwestlich des Attersees im österreichischen Salzkammergut und bildet die Grenze zwischen Oberösterreich und dem Land Salzburg.

Wie die anderen Seen des Salzkammerguts wurde das Becken des Mondsees in den Eiszeiten durch den mächtigen Traungletscher geformt, das sich bei seinem Abschmelzen mit Wasser füllte. Er ist nicht so touristisch überlaufen wie seine Nachbarseen, deshalb entscheide ich mich für ihn.

Markant ist die Drachenwand am Südwestufer, die hier 600 Meter in die Tiefe stürzt und für Klettersteiggeher sowie Bergsteiger ein lohnendes Ziel darstellt. Diese Tour steht natürlich auch meiner To-do-Liste. Ein weiterer, imposanter Gipfel ragt am östlichen Ufer mit steilen Felsformationen empor. Es ist der Schafberg mit 1783 Metern Höhe. Nicht zu glauben, dass seine Gestalt seitlich des Wolfgangsees so harmlos wirkt. Ich freue mich jedenfalls sehr, den Berg über seine wilde Nordseite zu besteigen. Dort wird es wesentlich ruhiger zugehen, als auf den anderen, gemütlichen Aufstiegsvarianten.

Hinauf zur sogenannten „Himmelspforte“, einem schmalen Felsentor unterhalb des Gipfels, windet sich ein steiler, zum Teil ausgesetzter Steig über Fels– und Schotterbänder. Für diesen letzten Abschnitt sollte alpine Erfahrung und Trittsicherheit mitgebracht werden. Für Kinder ist er deshalb eher nicht geeignet!

Wir parken auf dem Parkplatz des öffentlichen Landesbadeplatzes in Kreuzstein am Mondsee (488 m). Im Wasser sehen wir einen Stein mit zwei Kreuzen, nach welchem die Gegend hier benannt ist. Dieser Grenzstein ist zudem ein beliebtes Fotomotiv. Von der Straße geht es in den Wald hinein. Nach etwa zehn Minuten erwartet uns der erste Höhepunkt: der Wasserfall Kreuzstein. Nach starken Regenfällen stürzen hier beachtliche Wassermengen in die Tiefe. Ein kurzer Abstecher lohnt sich!

Weiter geht es recht steil, über mehrere Bachläufe hinauf, bis wir eine Leiterkonstruktion erreichen. Etliche kleine Stufen führen hier durch eine harmlose Schlucht. Danach kommen wir an einer Quelle mit gutem Trinkwasser und anschließend an einer Jagdhütte vorbei. Dort bleiben wir stehen und genießen die geniale Aussicht über dem Mondsee.

Bis jetzt sind wir kaum anderen Wanderern begegnet. Ich bin froh, diese einsame Route gewählt zu haben. Oben wird sich das schlagartig ändern. Von der Wolfgangsee-Seite aus können weniger bergaffine Touristen mit der „Schafbergbahn“, einer roten Diesel–Elektrolok, in wenigen Minuten den Gipfel erreichen. Der Berg ist nicht umsonst ein beliebtes Ausflugsziel. Nach der Hütte gelangen wir in wenigen Minuten auf einen Forstweg, den „Wienerweg“, der jedoch nach kurzer Zeit durch einen Wanderpfad linkshaltend gut abgekürzt werden kann. Anschließend folgen wir der Forstraße noch ein kurzes Stück. An einer Gedenktafel vorbei, erreichen wir nun das idyllische Almgelände mit seinen malerischen, blühenden Bergwiesen. Dort befindet sich die bewirtschaftete Eisenaueralm (1015 m), sowie die Kienberghütte. Wer hungrig ist, kann sich dort mit leckeren Jausengerichten und selbst gemachten Speisen verwöhnen lassen.

Rechts zweigen wir auf die Wiese ab und folgen dem flachen Weg an Kühen vorbei, bis zum Waldrand. Der Gipfel mit seiner eindrucksvollen Wand ist hier zum Greifen nah. Auch wenn es verlockend scheint, die „letzten Meter“ schnell hinter sich zu bringen, braucht es ab hier noch etwas Geduld und die Kraftreserven sollten für den letzten, steilen Teil aufgehoben werden.

Im Wald angekommen, wird es nun wieder anstrengender. Der Pfad schlängelt sich etwas kraftraubend in Serpentinen hinauf, bis wir die Einsattelung erreichen. Dort steht eine neu erbaute, kleine Biwakhütte, die bei einem aufkommenden Wetterumschwung etwas Schutz bietet. Die Tour sollte nur bei stabilen Verhältnissen unternommen werden. Von der Besteigung bei Regen oder unsicherem Wetter ist aufgrund der Exponiertheit des Steiges abzuraten!

Ich lege meinen Kopf in den Nacken und schaue mir die dicken Quellwolken genau an, die mit der Zeit immer größer werden. Auch wenn für heute keine Gewitter gemeldet sind, ist Vorsicht geboten. In den Bergen kann sich das vor allem in den Sommermonaten schnell ändern.

Nach einer kurzen Pause folgen wir weiter der Markierung. Auf dem Schild an der Hütte steht: Schafberg über Himmelspfortensteig „Nur für Geübte“. Bis hierhin ist die Tour eine Wanderung und auch sehr gut mit Kindern machbar. Für den Weiterweg sollte genau abgewogen werden, ob die Trittsicherheit im alpineren Gelände ausreicht.

Nach rechts querend geht es nun flach, immer unter der imposanten Wand des Schafberggipfels entlang. Die Aussicht auf den Mondsee und die umliegenden Berge ist auf diesem Abschnitt wieder fantastisch! Zwischen der mächtigen Felswand und der Baumgrenze geht es immer geradeaus.

Am Ende der Querung steilt das Gelände auf. Ich packe meine Stöcke in den Rucksack, denn hier wird es noch mal knackig. An ein paar wenigen Stellen können die Hände zur Hilfe genommen werden. Die Wegführung ist nicht immer genau zu erkennen und ein Verhauer schnell geschehen. Deshalb Augen auf, bevor man im ausgesetzten Schrofengelände steht.

Kurz vor dem Gipfel kommt das Kreuz in Sichtweite. Einige, in den Fels geschlagene Stufen leiten das Finale ein. Der Bogen der Himmelspforte ist schon gut zu erkennen. Nach wenigen Metern stehe ich unter der von Felsen eingerahmten, schmalen Pforte und bewundere kurz danach das sagenhaft schöne Panorama. Der Schafberg lebt von seinen Kontrasten. Der zahmen, grasigen Südseite und der wilden, mit schroffen Felswänden durchsetzten Nordseite.

In weiter Ferne sind zahlreiche, namhafte Berge im weißen, schneebedeckten Obergewand zu bewundern. Das große Dachstein-Massiv, Watzmann, Hochkalter, Hoher Göll, das Steinerne Meer, um nur ein paar der gewaltigen Bergriesen zu nennen. Verrückt, wie viel Schnee um diese Zeit in den nordseitigen Wänden liegt. Da wird man sich mit den hohen Bergen noch etwas gedulden müssen …

Der Schafberg ist bekannt für seine beeindruckende Weitsicht, eine wahre Aussichtsloge, die allerdings geteilt werden möchte. Vom einsamen Gipfelkreuz sind es noch ein paar Meter hinauf zum höchsten Punkt, der mit vielen Bergtouristen, Hütten und Gebäuden gespickt ist. Wer es etwas ruhiger mag, sollte Wochenenden meiden und den Gipfelbereich schnell hinter sich lassen.

Nach einer kurzen Jause machen wir uns, um dem Trubel zu entkommen, an den Abstieg. Spontan entscheiden wir uns für eine andere Abstiegsvariante, um etwas Abwechslung in die Tour zu bringen. Die App Komoot zeigt uns einen spannenden Weg an. Über den „Schafbergseen–Purtschellersteig“ verläuft die Route über den Mönichsee und Mittersee. Am Sattel des kleinen Biwakhäuschens kommen die Wege dann wieder zusammen.

Der Schafberg wird somit mit einigen zusätzlichen Kilometern und Höhenmetern umrundet. Diese Rundtour beinhaltet einige saftige Gegenanstiege und ist daher nur ausdauernden Bergsteigern mit einem flotten Tempo zu empfehlen! Da insgesamt 1600 Höhenmeter und 16 Kilometer zurückgelegt werden müssen, ist zudem ein früher Start ratsam.

Im ersten Teil des Abstieges queren wir gemütlich wandernd flache Grashänge, mit einem tollen Blick hinunter zum Wolfangsee, welchen die meisten Wanderer als Ausgangspunkt nutzen. Mit 13 Quadratkilometern ist er einer der größten und bekanntesten Seen im Salzkammergut.

Felsen mischen sich nun unter die saftig grünen Wiesen und die Wand fällt rechts von uns einige Meter steil nach unten ab. Ab hier wird das Gelände abschüssig und ein Fehltritt hätte den Absturz zur Folge. Wir konzentrieren uns auf die nächsten Schritte.

Kurze Abschnitte des Steiges sind mit Drahtseilen versichert, die wir sehr willkommen heißen. Bemerkt man solch ausgesetzte Stellen beim Aufstieg oft gar nicht, sehen wir jetzt nach unten blickend, Stufe für Stufe in den gähnenden Abgrund. Für routinierte Bergsteiger ist das kein Problem. Wer allerdings zu Höhenangst neigt, sollte diesen Abstieg besser nicht wählen.

Nachdem die steile Felswand gequert ist, zieht sich der Höhenweg noch ein Stück ausgesetzt über wiesendurchsetztes Gelände, bevor die Anspannung, zurück auf dem normalen Wanderweg, schlagartig verfliegt. In einem stetigen Auf und Ab werden auf dem letzten Abschnitt einige Höhenmeter zurückgelegt. Wir kommen an zwei idyllisch gelegenen Bergseen vorbei, bevor wir, von der Länge der Tour schon etwas müde, die kleine Schutzhütte erreichen. Die aussichtsreiche Stelle eignet sich perfekt für eine Pause.

Wir stärken uns mit den letzten Bissen Brot und trinken unsere Flaschen leer, damit wir den Abstieg schnell hinter uns bringen. Wir freuen uns schon jetzt auf die kühle Quelle an der Jagdhütte und hoffen insgeheim, dass wir unseren Durst auch schon davor stillen können. Durch die ungeplante Erweiterung der Tour ist unsere Brotzeit inklusive Trinken vorzeitig aufgebraucht. Nicht allzu schlimm, schließlich erwartet uns im Tal ein gutes Restaurant. Das motiviert zusätzlich!

Nach 1,5 Stunden erreichen wir unseren Parkplatz. Ein Sprung in den kalten Bergsee erweckt uns wieder zum Leben. Herrlich diese Berg–See-Kombination! Ich genieße die letzten Züge im erfrischenden Wasser und freue mich auf die nächsten Tage, an denen es gerne genauso enden kann.

GUT ZU WISSEN

Ausrichtung // Nord Bergtour 6 – 7 Stunden   1600 hm, 16 km – bis zur Eisenaueralm 550 hm

Art // Bergtour
Schwierigkeit // Mittel bis Schwer.
Orientierung // Ab dem Parkplatz durch steilen Wald, am Wasserfall vorbei. Danach über die Leiterkonstruktion. In wenigen Minuten erreichen wir die Jagdhütte. Anschließend kurz auf den Forstweg „Wienerweg“, dann links haltend dem schmalen Wanderpfad folgend, an der Gedenktafel vorbei, bis wir die Eisenaueralm erreichen. Von dort über eine schöne Wiese flach bis zum Waldrand. Ab hier steil bis zur Einsattelung, dem Biwakhäuschen. Ab hier dem Steig erst querend folgend, danach steil durch die Wand zur Himmelspforte. Nach dem Gipfelkreuz in wenigen Minuten an einer Hütte vorbei zum höchsten Punkt.

Beste Jahreszeit // Mai bis Oktober. Bei Gewitter, Nässe und Schnee meiden!
Einkehrmöglichkeit // Eisenaueralm (1016 m). Am Gipfel: Schutzhütte Himmelspforte (1780 m).

Anreise // 

Mit dem Auto:
Von Salzburg: über die A1 – Ausfahrt Mondsee.
Von Wien/Linz:über die A1 – Ausfahrt St. Georgen, Attersee über Nußdorf nach Unterach.
Vom Westen: Bad Ischl-Weißenbach-Unterach.

Mit der Bahn:
Aus Salzburg bzw. Linz/Wien kommend bis Vöcklamarkt, weiter mit der Attergau-Bahn bis Attersee, weiter mit dem Bus nach Unterach.

Parkplatz // Parkplatz des öffentlichen Landesbadeplatzes in Kreuzstein.
Kosten // –

Ausrüstung // Bergtourenausrüstung.

TIPP // Keine Lust auf einen langen Abstieg? Die Schafbergbahn bringt einen knieschonend zurück ins Tal. Vorausgesetzt, der Startpunkt liegt am Wolfgangsee. Familien mit Kindern können diese Tour entspannt ab der Mittelstation beginnen.

Meine Bergtour kann auch als entspannte Wanderung bis zur idyllisch gelegenen Eisenaueralm oder dem kleinen Biwakhäuschen unternommen werden. Je nachdem sind es dann ca. 550 bis 800 Höhenmeter.

Nicht zu vergessen ist eine erfrischende Abkühlung in einem der zahlreichen Seen im Tal.