Gebrandmarkt

Aron Demetz

Aron Demetz © Foto: Egon Dejori

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Die Skulpturen des Südtirolers Aron Demetz tragen jene Verletzungen nach außen, die Menschen meist im Inneren verbergen. Darin gleichen sie den Bäumen, aus denen sie herausgehauen wurden – auch ihre Wunden und Krankheiten sind an der Rinde abzulesen (ALPS Magazine #8 06/2011/12 Review)

Wenn jemand fünf Jahre lang jeden Sommer drei Monate allein mit Kühen auf einer Alm verbringt, und das in den formativen Jahren zwischen dem elften und sechzehnten Lebensjahr, dann gewöhnt er sich an, genau hinzuschauen. Er nimmt auf, denkt nach und speichert. Irgendwann aber drängt das Erfahrene und Erkannte nach außen, will formuliert und mitgeteilt werden. Wem die Worte fremd sind, der muss nach anderen Ausdrucksformen suchen.

So ging es Aron Demetz, ältestes von vier Kindern aus dem Südtiroler Grödental. Er war scheu und kam deswegen nie infrage, die Fremdenpension der Eltern zu übernehmen. Förster wäre er am liebsten geworden, weil er so gern in der Natur war. Aber sicherer schien der Beruf des Zahntechnikers, dieser gut bezahlten Tätigkeit ging damals im Tal noch niemand nach. Da Aron bei Schulabschluss mit 14 zu jung für die Ausbildung war, schickte man ihn auf die Kunstschule Wolkenstein, damit er schon einmal Fingerfertigkeit übe. Aber Holzbildhauer wollte er nicht werden, dieser Beruf erschien ihm recht gewöhnlich, gibt es doch in jeder Grödner Familie mindestens einen Vertreter dieser Zunft.

Erst im vierten Schuljahr machte es, dank guter junger Lehrer, „klick“ bei Aron Demetz: Er erkannte, dass es über die uralte Tradition des sakralen Schnitzhandwerks hinaus auch andere Möglichkeiten gibt, Holz zu bearbeiten. Er ging an die Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Dort konnte er aus familiären Gründen – das Geld war knapp, und zu Hause warteten Wohnung und Atelier im Elternhaus – kaum zwei Jahre bleiben, aber die gaben ihm entscheidende Impulse. Aron Demetz wusste nun, dass er figurativ arbeiten wollte.

Bildergalerie Anklicken zum Vergrößern der Bilder // © Fotos: Egon Dejori

Die Zeit kam ihm entgegen. Zwischen 2001 und 2003 erlebte die Figuration in Italien und Deutschland eine Renaissance – und Aron Demetz konnte sehr schnell in wichtigen Galerien ausstellen. Seine Skulpturen in Lebensgröße erreichen Preise von 70.000 Euro, Büsten kosten 20 bis 30.000 Euro. Für den Familienvater, er hat zwei Kinder von acht und zehn Jahren, ist das eine beruhigende Situation. Umtreiben tut ihn die Kunst schon genug. Seit 1998 und seither immer wieder setzt er seine Holzfiguren dem Feuer aus, um ihre Fragilität sichtbar zu machen. Nach der „Feuertaufe“, bei der zunächst der kräftige Rumpf, danach erst Beine und zum Schluss die schlanken Arme dem Brand ausgesetzt werden, zeigen die Skulpturen eine große Ruhe, Mumien ähnlich. Aber die schöne zerbrechliche Oberfläche ist voller Leben, sie muss mit einem bestimmten Leim imprägniert werden, um sie zu erhalten.

Harze sind das natürliche Mittel, mit dem Bäume ihre Wunden schließen. Aron Demetz schabt es von verwundeten Stämmen ab, erwärmt es mit einer Lötlampe und trägt es auf die Köpfe seiner Skulpturen auf, ein heißes Stemmeisen hilft ihm beim Modellieren. Pilze zeigen bei einem Baum an, dass er krank ist. Aron Demetz sammelt sie, gießt sie in Silicon, um sie haltbar zu machen, und setzt sie seinen Skulpturen auf den Leib – augenfällige Krebsgeschwüre, die niemand leugnen kann. Wie sagte er doch: „Themen, die andere abstrakt ausdrücken, möchte ich am Menschen zeigen – denn der berührt mich am meisten.“

Aron Demetz

© Foto: Egon Dejori

BIOGRAPHIE

Aron Demetz
Aron Demetz lebt und arbeitet in Gröden bei Bozen, wo er 1972 geboren wurde. Von 1986–1993 besuchte er die Kunstschule Wolkenstein, von 1997–1998 die Kunstakademie in Nürnberg. Seither konzentriert er sich auf die menschliche Figur, die er mit formaler Strenge darstellt, umweht von einem Hauch Melancholie. Oft überzieht er die Köpfe mit einer „neuen Haut“ aus Naturharz, dessen Farbe von Gelb über Rot bis zu Schwarz wechseln kann. 2010 wurde Demetz zum Professor für Bildhauerei in der Marmorstadt Carrara berufen.
 
Website: www.arondemetz.it