Der Hände Arbeit

Selbst gemischte Farben und alte Model verleihen den Tüchern und Stoffen der Handdruckerei Wach aus Bad Aussee ihren individuellen Charakter www.handdrucke-seppwach.at

Selbst gemischte Farben und alte Model verleihen den Tüchern und Stoffen der Handdruckerei Wach aus Bad Aussee ihren individuellen Charakter

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Grasegger. Ihr Haus für Tradition und Gegenwart. Garmisch-Partenkirchen

Seit es auf der ganzen Welt das Gleiche zu kaufen gibt, sind individuell gefertigte Stücke gefragt wie nie. Auch hierin mag ein Grund dafür liegen, warum hochwertige Trachten so stark im Kommen sind. Wir stellen drei Firmen vor, bei denen ohne traditionelles Handwerk und überlieferte Erfahrung wenig geht (ALPS Magazine #12/2012 Review)

Lange Jahre galten Firmen, die am heimischen Handwerk festhielten, als alle anderen die Produktionsstätten nach Asien verlagerten, und die auf Traditionsmaterialien setzten, statt auf synthetische Wunderstoffe, bestenfalls als leicht verstaubt. Nur kluge Köpfe ahnten, dass eine Zeit kommen würde, in denen gerade die stark regionalen, authentischen, von Hand hergestellten Produkte auch jenseits des dörflichen Kirchturms Kultstatus erlangen könnten, und blieben ihren Prinzipien und Erfahrungen treu. Ein perfektes Beispiel dafür ist Markus Meindl. In dritter Generation führt er das international operierende Familien-Unternehmen aus Kirschanschöring beim Waginger See, das sich auf die Herstellung von Ledermode mit Luxusanspruch spezialisiert hat und längst zur globalen Marke herangewachsen ist.

Seine Lederhosen wandern vom Chiemgau in die ganze Welt: nach Asien, in die USA und sogar in die arabischen Emirate. Die Manufaktur aber steht mitten im oberbayerischen Bilderbuchdorf. Und alles ist unter einem Dach: unten das Geschäft, oben die Werkstatt, hinten der Versand und im Keller das Lager. Die Firma kommt mit der Produktion kaum nach, denn jede Hose ist ein Unikat. Verarbeitet wird nur bestes Leder von Hirsch, Reh oder Ziege. Diese Felle werden nach einem jahrhundertealten Verfahren „sämisch“, also sehr weich, gegerbt. „Das ist eine natürliche Gerbung mit Dorschtran, ohne chemische Zusätze. In einem mehrwöchigen Vorgang walkt man die Felle immer wieder und arbeitet dabei das Fettöl ein.

Heute gibt es nur noch eine Handvoll Betriebe, die dieses Handwerk beherrschen“, erklärt Markus Meindl. Dann wird das gegerbte Leder zugeschnitten, genäht und in Heimarbeit bestickt. „Diese Kunst verstehen nur noch wenige bayerische Bäuerinnen. Und jede Stickerin hat ihren eigenen Stil“, führt Meindl weiter aus. Eine Hose wird nicht nur einmal bestickt. Mindestens zwei Arbeitsgänge sind dafür nötig. In einem aufwendigen Modell können bis zu sechzig Stunden Handarbeit stecken, weshalb mit einem Preis von über 2000 Euro zu rechnen ist. Die Motive der Stickereien gehen auf alte Überlieferungen zurück und werden seit Jahrzehnten gesammelt. „Mein Vater setzt sie auf die Hosen um. Einen Hirsch zeichnet keiner so gut wie er.“

Bildergalerie Anklicken zum Vergrößern der Bilder // © Fotos: Meindl

Von der hohen handwerklichen Verarbeitung der Meindl-Lederhosen ist auch das Trachtenhaus Grasegger in Garmisch überzeugt. Die dort angebotenen Lederhosen werden fast ausschließlich in Kirchanschöring gefertigt. Textilien, vor allem traditionelle Herrentrachten, produziert Grasegger in Kleinserien selbst, in einer hauseigenen Manufaktur im nahen Farchant.. „Jedes Stück, das wir verkaufen, könnten wir in der Manufaktur sofort nähen“, sagt Franz Grasegger, der Juniorchef des Hauses, stolz. „Uns ist es wichtig, das komplette Know-how im Haus zu haben – von der Schnittmacherin bis zur Näherin und Büglerin.“ Mittlerweile beliefert er als führender Trachtenhersteller über hundert Händler im Alpenraum, und auch viele Vereine: Die Münchner Schäfflertanzgruppe zum Beispiel wurde heuer von Grasegger ausgestattet.

Ihr Segment mit Originaltracht und individueller Maßkonfektion hat die Manufaktur mit der Linie „2964 Garmisch“ um junge Trachtenmode erweitert. Weil die Idee dazu beim Skifahren auf der Zugspitze entstand, benannte man die Kollektion kurzerhand nach den Höhenmetern des höchsten Gipfels Deutschlands. Denn Heimatverbundenheit wird großgeschrieben. „Bewusst halten wir das Handwerk hoch und lassen soviel wie möglich regional produzieren. Unsere Tuche zum Beispiel beziehen wir vom letzten Lodenweber Bayerns. Oder wir bleiben geografisch in der Nähe und bestellen unser Material aus Österreich.“

Bildergalerie Anklicken zum Vergrößern der Bilder // © Fotos: Grasegger

In Österreich hat traditionelles Handwerk nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert. Dennoch war die alte Technik des Handdrucks fast vergessen, als Sepp Wach 1971 im Trachtenmekka Bad Aussee seinen Betrieb Sepp Wach Seidenhandrucke gründete, den er heute mit seiner Frau Marietta führt. Beide schätzen gerade die kleinen Abweichungen, die ihre Stoffe von industriell bedruckten Geweben unterscheiden: „Bei maschineller Verarbeitung geht jede Individualität verloren“, betont das Ehepaar. Drei- bis viertausend Meter Seide verziert Wach pro Jahr. Für vier Meter Stoff, wie man sie zum Nähen eines Dirndls benötigt, veranschlagt er, je nach Muster, zwischen vier und acht Stunden Arbeit. Ein Meter handbedruckte Seide kostet um die 79 Euro. Sein wichtigstes Werkzeug sind die verschiedenen Druckmodel, mit denen Farben und Muster auf das weiße Ausgangsmaterial auftragen werden.

An die zweihundert solcher Model besitzt Wach; er hütet sie wie einen Schatz: „Heute gibt es keine Modelstecher mehr, und es ist sehr schwierig, ein noch funktionsfähiges Stück aus alten Sammlungen zu erwerben“. Der Druckvorgang selbst erfordert viel Geschick, Erfahrung und eine ganz ruhige Hand. Die besondere Leuchtkraft der Stoffe und Tücher beruht darauf, dass die Wachs alle ihre Farben selbst aus Pigmenten anmischen. Und anders als bei vielen anderen Kunsthandwerkern wird das umfangreiche Wissen, das sie in den letzten vierzig Jahren zusammentrugen, so schnell nicht verloren gehen. Sohn Peter wird ihre Werkstatt weiterführen.

Sepp Wach Seidenhandrucke

Sepp Wach Seidenhandrucke // © Foto: Sepp Wach

Kategorie Mode & Design

Die Südtirolerin wuchs in der bayerischen Hauptstadt auf, studierte in Innsbruck, München und Paris und pendelt heute zwischen München und Meran, den beiden Städten, die sie am liebsten mag. Die promovierte Kunsthistorikerin liebt die Künstlergruppe „Scholle“ und die Sammlung Unterberger, für die sie als wissenschaftliche Beraterin tätig ist. Die ehemalige Redakteurin des Kunstmagazins „Weltkunst“ hat ein Faible für Old- und Youngtimer – am liebsten sind ihr Roadster: „Weil sie Geschichte haben und viel erzählen können.“