„Einemillion­tausendmal­schutzengel­großes Glück!“

ALPS Interview Gela Allmann Sportmode: TOP: Maerz, ca. 35 Euro // KAPUZENJACKE: Sportalm, ca. 300 Euro // SHORTS: Sportalm, ca. 160 Euro // KLETTERSCHUHE: Dachstein, ca. 160 Euro // HANDSCHUHE: privat // FAHRRAD: Urbike, Grundausstattung ca. 585 Euro plus Extras

TOP: Maerz, ca. 35 Euro // KAPUZENJACKE: Sportalm, ca. 300 Euro // SHORTS: Sportalm, ca. 160 Euro // KLETTERSCHUHE: Dachstein, ca. 160 Euro // HANDSCHUHE: privat // FAHRRAD: Urbike, Grundausstattung ca. 585 Euro plus Extras © Foto: Detlef Schneider // Produktion: Lale Aktay // HAARE/MAKE-UP: EVANGELOS TZIMIKAS@FAME

Grasegger. Ihr Haus für Tradition und Gegenwart. Garmisch-Partenkirchen

Gela Allmann, Deutschlands schönste Bergsportlerin, zeigt uns die Sportmode der Saison. Und erzählt im Interview, wie man nach einer Katastrophe wieder aufsteht (ALPS Magazine #29/2016 Review)

ALPS Interview Gela Allmann Sportmode: LANGARMSHIRT: Chalet, ca. 70 Euro // TOP: Friendly Hunting, ca. 70 Euro // LEGGINGS: Zimmerli, ca. 130 Euro // HELM: Dynafit, privat

LANGARMSHIRT: Chalet, ca. 70 Euro // TOP: Friendly Hunting, ca. 70 Euro // LEGGINGS: Zimmerli, ca. 130 Euro // HELM: Dynafit, privat © Foto: Detlef Schneider


 
ALPS Interview Gela Allmann Sportmode: JACKE: Schöffel, ca. 200 Euro // TOP: Airfield, ca. 200 Euro // ROCK: Dynafit, ca. 80 Euro // SANDALEN: Geox, ca. 160 Euro

JACKE: Schöffel, ca. 200 Euro // TOP: Airfield, ca. 200 Euro // ROCK: Dynafit, ca. 80 Euro // SANDALEN: Geox, ca. 160 Euro© Foto: Detlef Schneider


 
ALPS Interview Gela Allmann Sportmode: WESTE: Frauenschuh, ca. 300 Euro // LANGARMSHIRT: Boulezar, ca. 190 Euro // TOP: Mammut, ca. 45 Euro // SHORTS: Columbia, ca. 55 Euro // STIEFEL: Sorel, ca. 140 Euro. // RUCKSACK: Fjällraven, ca. 200 Euro // WALKING-STÖCKE: Salewa, ca. 40 Euro

WESTE: Frauenschuh, ca. 300 Euro // LANGARMSHIRT: Boulezar, ca. 190 Euro // TOP: Mammut, ca. 45 Euro // SHORTS: Columbia, ca. 55 Euro // STIEFEL: Sorel, ca. 140 Euro. // RUCKSACK: Fjällraven, ca. 200 Euro // WALKING-STÖCKE: Salewa, ca. 40 Euro © Foto: Detlef Schneider


Fast zwei Jahre nach ihrem verheerenden Unfall in Island ist Gela Allmann zurück. Mehr als 800 Meter war die Skibergsteigerin bei einem Fotoshooting im April 2014 abgestürzt. Sie überlebte, aber „mein Körper war Matsch“. Heute kann sie Buch und Film über ihr Drama einem gebannten Publikum präsentieren. Und für das ALPS-Modeshooting in die Kamera lachen.

ALPS: Frau Allmann, haben Sie Angst vor dem nahenden Jahrestag Ihres dramatischen Unfalls?
GELA ALLMANN: Am ersten hatte ich schon ein mulmiges Gefühl. Vor allem, weil ich genau an diesem Tag wieder auf Skiern stand, wieder für ein Shooting, diesmal für meinen Film „One Step“. Als der Tag rum war, war ich sehr erleichtert. Heuer habe ich keine Angst mehr davor. Ich bin einfach dankbar und froh, dass ich noch da bin.
ALPS: In Ihrem gerade erschienenen Buch „Sturz in die Tiefe“ schildern Sie diesen Tag sehr genau.
ALLMANN: Ich habe schon bald nach dem Unfall alles aufgeschrieben – wie ein Tagebuch. Auch um die Bilder aus meinem Kopf zu bekommen. Sie verschwimmen langsam und das ist auch gut so!
ALPS: Wie langsam?
ALLMANN: Ich weiß noch genau, wie glücklich ich war, oben auf dem Berg mit der atemberaubenden Fjordlandschaft unter mir. „Wie geil das Leben manchmal ist!“ Wir wollten noch ein Foto mit Skiern auf dem Rücken machen. Und dann bin ich weggerutscht. Ein falscher Schritt. Ich habe mich viele Male überschlagen und spürte Todesangst. Die Machtlosigkeit war so schlimm, ich hatte zu befürchten, dass ich mit dem Kopf gegen einen Felsen knalle und alles vorbei ist.
ALPS: Aber es war nicht vorbei …
ALLMANN: … nein, zum Glück wurde ich nicht bewusstlos. Es wurde etwas flacher und ich konnte mit letzter Kraft den Fuß in den Schnee rammen und mich irgendwie festhalten – nur wenige Meter vor dem Kliff.
ALPS: Unglaublich!
ALLMANN: Ich dachte: „Krass, du lebst noch, du stehst, jetzt kannst du’s schaffen.“ In solchen Situationen greifst du auf Dinge zurück, die du gut kannst. Für mich war es das Denken in Etappen, weil ich das aus dem Rennsport kenne. Also lag ich da und dachte, jetzt kommt gleich der Redakteur und der Fotograf, dann kommt der Helikopter, dann kommst du ins Krankenhaus – durchhalten.
ALPS: Und?
ALLMANN: Es dauerte ewig, bis Hilfe kam. Und wegen des Funklochs konnte niemand einen Notruf absetzen. Erst als ich im Helikopter lag, wurde ich etwas lockerer.
ALPS: Sie müssen mehrere Schutzengel gehabt haben …
ALLMANN: Ja, ich hatte einemilliontausendmalschutzengelgroßes Glück. Die isländischen Ärzte haben gesagt: „Es ist ein Wunder, dass du das überlebt hast!“ Unfassbar, dass nicht mehr passiert ist. Aber es hat mir von Anfang an geholfen, den Unfall als genau das zu sehen, was er ist: ein Unfall. Und Unfälle passieren.
ALPS: Die Genesung auch?
ALLMANN: Die ist schon ganz wesentlich die Leistung der Ärzte, meiner Freunde und Familie. Aber du musst auch selbst wollen. In der Reha habe ich viele Leute getroffen, die wegen ihrer Verletzung sehr traurig waren. Die haben mich immer gefragt: „Mensch Gela, wie machst du das? Du lachst jeden Tag!“ Aber ich habe als Sportlerin gelernt, positiv zu denken!
ALPS: Reicht das denn?
ALLMANN: Nein. Akzeptanz spielt auch eine große Rolle. Es ist wirklich enorm schwierig, wenn du annehmen musst, dass dein Körper völlig zerstört im Bett liegt. Als Sportler sowieso. Aber mich hat von Anfang an diese Dankbarkeit erfüllt.
ALPS: Was war denn der erste schöne Moment nach dem Unfall?
ALLMANN: Ganz klar: Als ich nach der OP meinen Freund wiedergesehen habe. Es war so schön, nicht mehr allein zu sein. Und natürlich, als ich endlich zurück nach München durfte. Ich bin ein sehr familiärer Mensch, und in solchen Momenten merkt man erst, wie wichtig die Menschen sind, die man gern hat …
ALPS: … und die Berge. Bereits am vierten Tag musste Ihr Freund Bilder von Ihnen auf Berggipfeln aufhängen …
ALLMANN: … ja, das war tatsächlich mein erster Gedanke. Vielleicht ist das der Charakter eines Sportlers, dieses Wettkampfdenken: Schalter umlegen und fokussieren. Da musst du wieder hin, egal was noch passieren mag. Das Ziel war sofort wieder da.
ALPS: Haben Sie nicht mal daran gedacht, dass nichts wieder so sein wird wie früher?
ALLMANN: Oh doch, ich habe viel getrauert. Ich trauere immer noch. Das ist wichtig. Das habe ich im Gespräch mit Psychologen gelernt. Ich kann ja immer noch nicht wieder Laufen.
ALPS: Wie gehen Sie damit um?
ALLMANN: Ich habe immer mal kurz geweint, nicht aus Selbstmitleid, aber um alles rauszuspülen. Um eben diesen Verlust der körperlichen Unversehrtheit zu betrauern. Das Wichtigste aber ist die Gewissheit, dass es so nicht bleiben wird und ich derweil auch ohne Laufschritt auf einen Gipfel komme.
ALPS: Warum bedeuten Ihnen Gipfel so viel?
ALLMANN: Wenn du das Berglaufen so betreibst wie ich, dann vergisst du ganz oben alle Schinderei. Dann ist es einfach nur unbeschreiblich schön, dort zu stehen und alles zu spüren: Die Natur, den eigenen Körper, die Ruhe. Jeder, der in die Berge geht, kennt dieses Gefühl. Letztlich sind Gefühle der Antrieb für alles.
ALPS: Auch für ihre sportliche Zukunft?
ALLMANN: Ob ich nochmal Skitourenrennen laufen werde, weiß ich nicht. Mein Herz wird immer sagen: „Ja!“ Aber mir ist schon bewusst, dass mein Knie ein kaputtes Knie ist, das keine Bergmarathons mehr laufen wird. An meine körperlichen Grenzen gehe ich aber trotzdem, auch wenn das jetzt andere sind. Ich kann jetzt schon wieder rennradeln und mountainbiken. Und auch beim Bergaufgehen mit Stöcken gebe ich ordentlich Gas.
ALPS: Und beruflich?
ALLMANN: Neben dem Buch habe ich einen Film über meinen Weg zurück gemacht. Den gibt es bald in einer Kurzversion online zu sehen. Ich würde ihn gerne in Kombination mit einem Vortrag zeigen. Es wäre schön, wenn ich Leute mit meiner Geschichte inspirieren und helfen könnte, ihre Ziele zu erreichen.

ALPS Interview Gela Allmann Sportmode: JACKE: Bogner, ca. 500 Euro // KAPUZEN-SWEATER: Fjällraven, ca. 100 Euro // LEGGINGS: Boulezar, ca. 250 Euro // SANDALEN: Jack Wolfskin, ca. 80 Euro // KAPPE: Schöffel, ca. 30 Euro // KAPUZENJACKE: Frauenschuh, ca. 400 Euro // T-SHIRT: Boulezar, ca. 190 Euro // SHORTS: Airfield, ca. 170 Euro // LEGGINGS: Bogner, ca. 230 Euro // TURNSCHUHE: Diadora Heritage Kollektion, ca. 170 Euro // JACKE: Réne Lezard, ca. 380 Euro // POLOSHIRT: Polo Ralph Lauren, ca. 100 Euro // LANGARMSHIRT: Maerz, ca. 70 Euro // LEGGINGS: Salewa, ca. 80 Euro // RUCKSACK: Jack Wolfskin, ca. 40 Euro // SKIBRILLE: Adidas, ca. 180 Euro

LINKS: JACKE: Bogner, ca. 500 Euro // KAPUZEN-SWEATER: Fjällraven, ca. 100 Euro // LEGGINGS: Boulezar, ca. 250 Euro // SANDALEN: Jack Wolfskin, ca. 80 Euro // KAPPE: Schöffel, ca. 30 Euro MITTE: KAPUZENJACKE: Frauenschuh, ca. 400 Euro // T-SHIRT: Boulezar, ca. 190 Euro // SHORTS: Airfield, ca. 170 Euro // LEGGINGS: Bogner, ca. 230 Euro // TURNSCHUHE: Diadora Heritage Kollektion, ca. 170 Euro RECHTS: JACKE: Réne Lezard, ca. 380 Euro // POLOSHIRT: Polo Ralph Lauren, ca. 100 Euro // LANGARMSHIRT: Maerz, ca. 70 Euro // LEGGINGS: Salewa, ca. 80 Euro // RUCKSACK: Jack Wolfskin, ca. 40 Euro // SKIBRILLE: Adidas, ca. 180 Euro © Foto: Detlef Schneider

EIN LEBEN AM BERG

Gela Allmann Buch Sturz in die Tiefe
ANGELIKA „GELA“ ALLMANN, 32, in Dachau geboren, ist Diplom-Sportwissenschaftlerin. Die vor ihrem Sturz erfolgreiche Bergläuferin gewann in ihrer Altersklasse unter anderem den Zugspitzlauf und landete im Skibergsteigen mehrfach auf dem Podium. Ihr Buch „Sturz in die Tiefe“ erscheint im Malik Verlag (288 Seiten; 19,99 Euro).
 
Mehr Informationen unter www.angelikaallmann.de