Klettersteig-Tourentipp Großer Koppenkarstein

Klettersteig-Tourentipp Klettersteig Großer Koppenkarstein

Grosser Koppenkarstein/Westgrat-Klettersteig Auf der Seilbrücke am Koppenkarstein-Westgrat © Foto: Csaba Szépfalusi/Tyrolia Verlag

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Der Irg-Klettersteig führt von Südosten auf den Großen Koppenkarstein und bietet damit in Kombination mit dem ebenfalls gesicherten Koppenkarstein-Westgrat-Klettersteig eine lohnende Überschreitung dieses bisher fast ausschließlich von Kletterern betretenen Gipfels. Der „Irg“ ist der Idealfall eines Genussklettersteigs der gehobenen Mittelklasse: beste Absicherung, tolle Einzelstellen, keine Tücken und keine extremen Schwierigkeiten. Dazu kommen dank Seilbahn-Support ein kurzer, aber ernst zu nehmender, hochalpiner Zustieg und eine grandiose Gipfelschau. Und nach der Tour geht’s – immer noch am Stahlseil hängend – runter aus der Gletscherwelt in die liebliche Ramsau.

Grosser Koppenkarstein 2865 m // Irg-Klettersteig C–D // Westgrat-Klettersteig B

Zustieg
Abstieg in die Hunerscharte:
In der Bergstation nach Verlassen der Gondel auf der Terrasse links und mit wenigen Schritten zum Beginn des Klettersteigs in die Hu­ner­scharte. Über das Geländer und ab geht’s im steilen, glatten Fels. Unterwegs Kreuzung mit anderen Stahlseilen, die nicht zum Klettersteig gehören, rote Markierungen beachten! Über zwei Steilstufen hinab (C–D), dann rechts hinüber zu einem Masten der Materialseil­bahn und auf dem stumpfen Felsrücken (Gehge­lände) in die Hunerscharte. ¼ Std.
Über die Fußgeherrampe zum Schnee und in einem Rechtsbogen unter dem Hunerkogel (Piste) in die Hunerscharte. Eventuell Steigeisen vorteilhaft. ¼ Std.
Weiter in die Austriascharte:
über den Koppenkarstein-Westgrat: mit roter Markierung über den breiten Felsrücken zum Signalgerüst und weiter zur spektakulären Seilbrücke über der Austriascharte. ¼ Std.
durch den Rosmariestollen: Unter den Ausläufern des Koppenkarstein-Westgrats im Firn ansteigen zum Ende des Austriaschartenlifts. Über die zumeist gut gangbare Randkluft hinweg zur steilen Aluleiter (Selbstsicherung an den Sprossen) und zum Eingang in den Rosmariestollen. Durch den kurzen Stollen (kein Licht erforderlich) auf die Südseite. ¼ Std.
Weiterer Zustieg: längere, ebene Querung auf in den plattigen Fels geschlagenem Weg (Geländerseil) und zuletzt kurzer Abstieg in einen Sattel (Hinteres Türl), 2622 m. Dann ein unangenehmer Abstieg durch bröselige Schrofen (Weg Nr. 618, Steigspuren, Markierungen, einige Sicherungen, im Frühsommer Altschnee) zum mickrigen, spaltenfreien Edelgrießgletscher. Diesen auf ca. 2500 m queren und kurzer Anstieg zu einem Wegweiser nördlich der weitläufigen Edelgrießhöhe. Nun der roten Punktmarkierung folgend nach Osten in eine seichte Karmulde und in sicherem Abstand zu den Südwänden des Koppenkarsteins sanft ansteigend weiter. Zuletzt ein mühsamer Anstieg im Zickzack durch eine Geröllflanke zum Einstieg am linken Rand einer markanten Rinne, ca. 2570 m. ¾ Std.

Klettersteig
Schräg rechts über ein kurzes, steiles Wandl zu einem luftigen Eck (C). Dann eine leichte Linksquerung (keine Steine auslösen!) und steil aufwärts unter die gelbe Wandzone (C). Durch diese hindurch (mehrere steile Passagen und spektakuläre, ausgesetzte Querungen mit tollen Tiefblicken, Stellen C–D). Ausstieg links auf einem Grat (Felsloch) und weiter über die scharfe Gratschneide zum Beginn eines leichteren Abschnitts (aussichtsreicher Rastplatz). 1 Std.

Über die folgenden Grataufschwünge zu einer kurzen, geneigten Platte. Dann wieder ein steiler Abschnitt (C–D) zu einem Absatz. Schräg links über ein steiles Wandl (C–D) und zur nahen Einmündung in den Koppenkarstein-Nordostgrat und damit zum Ende der Schwierigkeiten, ca. 2790 m.

Den Sicherungen folgend über den leichten Grat (A–B) zum vom Bundesheer „besetzten“ Gipfel des Großen Koppenkarsteins (Sender, Betriebsseilbahn). 1 Std.

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Grosser Koppenkarstein Auf dem Weg zum Koppenkarstein © Foto: Csaba Szépfalusi/Tyrolia Verlag

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Abstieg
Am etwas westlich vom höchsten Punkt stehenden Gipfelkreuz vorbei und den Sicherungen folgend in eine Scharte (2796 m, unterhalb Felsenfenster) und jenseits auf den Kleinen Koppenkarstein, 2832 m. Weiter über den zunehmend steilen Grat (B–C) in die Austriascharte, 2704 m (unterwegs vorbei an der Abzweigung nach links ins Hintere Türl, Sicherungen). 1 Std.
Weiter in die Hunerscharte:
über den Koppenkarstein-Westgrat: über die Seilbrücke, dann weiter am Grat zum nahen Signalgerüst. Auf den allmählich breiteren Rücken in die Hunerscharte. ¼ Std.
durch den Rosmariestollen: vom Nordeingang über eine steile Leiter (Selbstsicherung an den Sprossen) hinab zum Schladminger Gletscher (Piste, Steigeisen vorteilhaft) und links in die Hunerscharte.
¼ Std.
Weiter zur Bergstation auf dem Hunerkogel:
kurze Gegensteigung rechts am Wandfuß des Hunerkogels (Piste) und über die Fußgeherrampe oder auf dem Förderband zur Bergstation, 2685 m. ¼ Std.
Auf dem stumpfen Rücken zum Masten der Materialseilbahn und der großen roten Markierung folgend gesicherter Steilanstieg (Stellen C–D) direkt hinauf zur Bergstation. ¼ Std.

TIPP
Abstieg durch die Hunerscharte (B): erspart die Seilbahnabfahrt und wird zwingend, wenn die letzte Talfahrt versäumt wurde. Aus der Scharte über eine Wandstufe hinab (Sicherungen, Stifte), dann durch die geröllerfüllte Schwadering (Weg Nr. 615) und rechtshaltend zur Dachstein-Südwand-Hütte. Dort linkshaltend in einem weiten Bogen hinab zur Seilbahn-Talstation. 1¾ Std.

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Errichtet: 2004
Betreuung: Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH
Start/Ziel: Ramsau, Talstation Dachstein-Gletscherbahn, Parkplätze, 1680 m, bzw. Bergstation Hunerkogel, 2685 m
Zeiten: Zustieg 1 Std., Klettersteig 2 Std. Abstieg über Westgrat-Klettersteig 1½ Std.
Höhenunterschiede: Zustieg 220 m, Klettersteig 300 m. Abstieg und Übergang zum Hunerkogel 130 m
Schwierigkeit/Charakter/Anforderungen:
Irg: C–D. Perfekt angelegter und abgesicherter Klettersteig in hochalpiner Umgebung. Anhaltend schöne und fotogene Stellen (steile Platten und Grate, Hangel, Spreizschritte). Zustieg über spaltenfreie Gletscher und je nach Jahreszeit Altschneefelder, Steigeisen daher immer mitnehmen und aktuelle Verhältnisse abfragen (Altschnee, Eis, Gratwechten). Beim Einstieg Steinschlaggefahr durch Vorausgeher.
Westgrat: B. Leichter, durchgehend gesicherter Gratabstieg. Auch als selbständige Gipfeltour für landschaftsorientierte Klettersteiggeher empfehlenswert
Sicherungen: dickes Stahlseil, Trittbolzen
Abbruchmöglichkeit auf den Klettersteigen:
Irg: nein
Westgrat: Gesicherte Abstiegsmöglichkeit aus der Austriascharte zum Nordportal des Rosmariestollens (zuletzt steile Klammern) und weiter über eine steile Leiter zum Schladminger Gletscher
Beste Jahreszeit: Juli–September
Gestein: Kalk
Exposition: Irg: Ost bis Süd, Westgrat: West mit abschnittsweise auch anderen Expositionen
Ausrüstung: KS-Selbstsicherung, Helm, KS-Handschuhe, Steigeisen
Schuhe: mittelfeste Bergschuhe oder KS-Schuhe
Jugendliche: ab 14
Aussicht: Dachstein, Grimming, Totes Gebirge, Ennstaler Alpen, Ybbstaler Alpen, Rax, Schneeberg, Niedere Tauern, Nockberge, Hochalmspitze, Ankogel, Goldberggruppe, Glocknergruppe, Venedigergruppe, Hochkönig, Steinernes Meer, Kitzbüheler Alpen, Tennengebirge, Höllengebirge, Schafberg, Traunstein, Böhmerwald, Mühlviertel
Orientierung: einfach
Markierung: rot
Eignung für den Abstieg: ja
Einkehr: Dachstein-Gletscherrestaurant, Bergstation Dachstein-Gletscherbahn, 2685 m, Tel. +43/(0)3687/22042-820

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Das Buch
 
Die Klettersteige werden übersichtlich mit zuverlässigen Routenbeschreibungen, allen notwendigen Informationen, Bildern und Karten präsentiert und mit einer einheitlichen Schwierigkeitsbewertung charakterisiert. Kompetente Tipps zu Technik und Taktik des Klettersteiggehens erleichtern auch Neulingen den Einstieg in diese faszinierende Spielart des Bergsports.
 
Der Autor
 
Csaba Szépfalusi, geb. 1961 in Wien, freier Alpinjournalist und Fotograf, Autor zahlreicher Bergbücher, darunter der Bestseller „Klettersteig-Guide Österreich“. Redakteur der Zeitschrift „Edelweiss aktuell“. Im Österreichischen Alpenverein im Ausbildungs-, Führungs- und Vortragsbereich tätig.