Loipenrettung – „Fehler macht nur, wer gar nichts tut“

Loipenrettung – „Fehler macht nur, wer gar nichts tut“. Früher mussten Verletzte durchschnittlich 45 Minuten auf Hilfe warten. Dank Martin Tauber und seinem 20köpfigen Team hat sich die Einsatzzeit halbiert. Mit seinem bis zu 45 kmh schnellen Schneemobil ist er oft vor dem alarmierten Hubschrauber vor Ort.

Martin Tauber im Einsatz Früher mussten Verletzte durchschnittlich 45 Minuten auf Hilfe warten. Dank Martin Tauber und seinem 20köpfigen Team hat sich die Einsatzzeit halbiert. Mit seinem bis zu 45 km/h schnellen Schneemobil ist er oft vor dem alarmierten Hubschrauber vor Ort. © Foto: Stephanie Füssenich

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Der ehemalige Langlauf-Profi Martin Tauber hat in Seefeld in Tirol die erste Loipenrettung Österreichs gegründet. Ein Gespräch über unterschätze Gefahren beim Skaten und Sportlerinnen in sommerlichen Outfits bei Minusgraden

Herr Tauber, Sie sind ehemaliger Profi und führen heute eine Langlaufschule, die Cross Country Academy. Was ist eigentlich so gefährlich an diesem Sport?

Der Langlauf ist durch die Skating-Technik viel schneller geworden, ähnlich wie das Skifahren durch das Carven. Außerdem können Sportler im verschneiten Wald genauso gegen einen Baum fahren wie beim Alpin-Ski. Dabei können sie sich Arme oder Beine brechen oder den Kopf verletzen, denn viele sind ohne Helm unterwegs. Letztes Jahr haben wir eine Dame geborgen, die bei Minus zehn Grad verletzt im Tiefschnee lag, nur mit einem dünnen Rennanzug bekleidet. So etwas kann tödlich enden.

Loipenrettung – „Fehler macht nur, wer gar nichts tut“. Den Notfall-Rucksack hat jeder Pistenretter immer dabei

Den Notfall-Rucksack hat jeder Pistenretter immer dabei © Foto: Stephanie Füssenich

Was kann die Loipenrettung da tun?

Bevor es uns gab, war die Bergrettung zuständig. Verunglückte mussten bis zu 45 Minuten und länger auf Hilfe warten, da die Organisationsstruktur für Loipen-Einsätze nicht gegeben war.

Wie ist das möglich?

Von meinen 20 Langlauflehrern sind immer genug auf den Loipen unterwegs, sodass sie schnell an der Unfallstelle sind. Von dort aus können wir über Digitalfunk die genauen Koordinaten des Unfallortes an den Rettungshubschrauber weitergeben. Von durchschnittlich 27 Einsätzen pro Saison hat bisher jeder Verletzte überlebt.

Loipenrettung – „Fehler macht nur, wer gar nichts tut“. Erstversorgung im Bergesack bis der Rettungshubschrauber kommt

Erstversorgung im Bergesack bis der Rettungshubschrauber kommt © Foto: Stephanie Füssenich

Wie sieht ein typischer Einsatz aus?

Zunächst wird der Unfall bei der Tiroler Leitstelle gemeldet, die an uns weitergibt, was passiert ist und wo. Wir fahren dann los und suchen den Verletzten. Wenn wir nicht genau wissen, wo er liegt, lassen wir uns die Gegend vom Unfallopfer oder dem Zeugen am Telefon beschreiben. Vor Ort legen wir den Verletzten in der richtigen Position in den Bergesack. Der ist mit einer Vakuummatratze ausgestattet, um Schmerzen zu lindern. Der Hubschrauber muss das Opfer dann nur noch entgegennehmen. Dann geht es ab ins Krankenhaus: Deutsche werden zum Beispiel gleich nach Garmisch geflogen.

Was kann ich als Langläufer tun, wenn ich einen Verletzten finde?

Beim Thema Erste Hilfe haben viele Leute Angst, etwas falsch zu machen. Aber das tun sie nur, wenn sie gar nichts machen. Wer einem Verletzten begegnet, sollte sofort die Notrufnummer 140 wählen. Dann unbedingt beim Verletzten bleiben und mit ihm sprechen. Selbst wenn Sie nicht die gleiche Sprache sprechen: Dem anderen geht es deutlich besser, wenn er nicht allein ist. Und wärmen: Geben Sie ihm ruhig Ihre Jacke. Generell sollten Sie als Langläufer immer ein Erste-Hilfe-Set dabei haben – wie jeder, der in den Bergen unterwegs ist.

Gut zu wissen
 
Mehr Infos unter www.seefeld.com