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9 Tipps für ein traumhaftes Wochenende in der Schweiz

Weekender Schweiz

Bienvenue und Willkommen in der Schweiz!

Lausanne und Montreux, mediterraner Lifestyle entlang der Waadtländer Riviera sowie Hochgebirgsabenteuer – der Kanton Waadt bietet ein französisch-schweizerisch inspiriertes Wochenende par excellence.

1. „Little Paris“

Alles in Lausanne ist eine Frage des Auf-und-Ab. Denn die viertgrößte Stadt der Schweiz ist auf mehreren Hügeln über dem Genfer See gebaut und erhebt sich mehr als 600 Meter vom Seehafen von Ouchy bis zum Chalet-à-Gobet. Das macht das Flanieren und Radfahren zwar schweißtreibend und schwierig. Doch das einzige U-Bahn-System der Schweiz macht das mehr als wett. Stundenlang kann man dank Metro-Unterstützung durch die Kunst- und Universitätsstadt schlendern.

Trotz einer Einwohnerzahl von nur 140 000 geizt Lausanne nicht mit Großstadt-Charme. Als Heimat des Internationalen Olympischen Komitees hat es globale Bedeutung. Als eines der spannendsten Museen der Welt präsentiert sich zudem das Olympische Museum. Das moderne Haus, direkt am See gelegen, zeigt die Geschichte der Olympischen Spiele von der Antike bis zur Neuzeit, perfekt aufbereitet. 70 000 Ausstellungsstücke sind katalogisiert, am spannendsten sind historische Olympiafilme und Originalkleidungsstücke berühmter Sportler.

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Das Musée de l‘Elysée im Kulturvietrel „Plateforme 10“ ist definitiv einen Besuch wert.

Dass man Lausanne auch gern „Little Paris“ nennt, liegt nicht so sehr an der Metro und der spektakulären gotischen Kathedrale namens Notre-Dame, die wie eine Krone über der Stadt thront, sondern vielmehr an der französisch geprägten Wirtshauskultur, die in den zahlreichen Pintes, Auberges und Brasseries gelebt wird. Bestes Beispiel: das Au Chat Noir. Mehr Authentizität als diese Lausanner Institution bei der Oper bieten auch die Pariser Originale nicht: enge Tische, lärmiger Betrieb, ein effizienter Service und auf großen Schiefertafeln gelistete Gerichte, die immer in höchster Qualität auf den Tisch kommen.

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Wallfahrtsort der Naschkatzen: Durig in Lausanne, einer der besten Chocolatiers der Schweiz.

Das Herz der Stadt schlägt mittlerweile nicht nur für jüngere Semester im Quartier du Flon. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts stehen dort großflächige Speicher und Lagerhäuser, die in den letzten Jahren zu avantgardistischen Gebäuden mutierten und Kinos, Galerien, Bars und Restaurants beherbergen. Wobei die Pépinières, drei neue Bauten des Basler Büros Burkhardt+Partner im Herzen des Flons, dem beliebten Viertel in architektonischer Hinsicht die Krone aufsetzen.

Apropos neue Bauten. Das auf dem Gelände der alten SBB-Lokhallen am Place de la Gare entstandene Kulturviertel „Plateforme 10“ vereint Bildende Kunst, Fotografie, Design und Textilkunst des Musée Cantonal des Beaux-Arts, des Musée de l‘Elysée, des Mudac, der Fondations Félix Vallotton und Toms Pauli. Restaurants, Cafés und einladende Freiflächen machen das Areal zum neuen kulturellen Zentrum.

Und wo nächtigt man am besten in Lausanne? Wer den Charme der Belle-Époque-Architektur im mediterran angehauchten Stadtteil Ouchy direkt am See genießen möchte, wählt das legendäre Beau-Rivage Palace, eines der besten Hotels der Welt. Wer es etwas hipper und erschwinglicher bevorzugt, bleibt im Quartier du Flon und steigt im Moxy Lausanne City ab.

2. Drei-Sonnen-Terroirs

Unter Weinkennern heißt es, dass die Rebberge des Lavaux gleich dreifach verwöhnt werden: von der direkten Sonneneinstrahlung, der Spiegelung des Sees und von der Sonnenwärme der Terrassensteine. Wie auch immer: Das Weinbaugebiet Lavaux zwischen Lausanne und Vevey gilt als eine der schönsten Landschaften der Schweiz und wurde von der Unesco ins Weltkulturerbe aufgenommen. Die steilen Hänge machen den Winzern das Leben zwar schwer, bescheren dem Besucher aber einen sensationellen Blick über den See. Bis hoch zum Wald haben die Winzer im Lauf der Jahrhunderte die Hänge mit Weinterrassen überzogen.

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Viele Weine der Winzerin Aurélia Joly sind preisgekrönt.

Dazwischen wie Nester malerische Winzerdörfer wie Eppesse oder St. Saphorin, deren Häuser sich auf engstem Raum drängen. Jeder Quadratmeter wird zum Anbau von Wein genutzt.
Wie viel harte Arbeit in den Rebhängen des Lavaux steckt, zeigt sich schon bei der Wanderung durch die sonnenverwöhnten Weingärten, obwohl die markierten Wege nicht annähernd so steil sind wie die Rebhänge. „Hier Wein anzubauen ist ein echter Knochenjob“, bestätigt Aurélia Joly, seit 2008 Winzerin in Grandvaux und TV-Zuschauern aus der Sendung „Landfrauenküche“ bekannt. Zusammen mit ihrem Mann Jacques bewirtschaftet sie etwa drei Hektar zwischen Villette und Epesses. „Wir bauen vor allem Chasselas an“, sagt Jacques, „aber wir wagen uns auch an Lavaux-Exoten wie Pinot noir und Merlot.“ Ihr Weingut ist zudem ein Pionierprojekt des Önotourismus im Lavaux: Neben Degustationen und einer Ferienwohnung bieten Jacques und Aurélia zwölfmal pro Jahr einen Gästetisch mit außergewöhnlichen Menüs und passenden Weinen an.

3. Feinschmeck am See

Mitten im Lavaux befindet sich das malerische Winzerdörfchen Cully. Seit mehr als einem halben Jahrhundert betreibt dort die Hotelier-Dynastie Gauer das Hotel-Restaurant Auberge du Raisin. Jack Gauer, der legendäre Hotelier vom Hotel Schweizerhof in Bern, wagte 1959 mit der Übernahme einen unternehmerisch gesehen äußerst riskanten Ausflug mitten ins Herz der höchst renommierten Weinregion. Mit Jean-Jacques und Emeline Gauer-Seiler (Palace Hotel Lausanne) übernahm die zweite Generation die Verantwortung für das historische Haus – und mit Jay und Brice Gauer wächst bereits die dritte Familiengeneration heran.
So stellt man sich eine Auberge vor: bürgerlich-elegantes Ambiente wohin man blickt. Eine Besonderheit ist die Rôtisserie mit dem mächtigen Cheminée und den großen, gediegen aufgedeckten Tischen. Ein Bistro neben dem Eingang, zwei schmucke Terrassen im Erdgeschoss, ein Bankettsaal, ein „Salon des Ecrivains“, eine begehbare Vinothek im Untergeschoss – und zehn behagliche Hotelzimmer – komplettieren das reizende Ensemble aus dem 15. Jahrhundert. Auch in kulinarischer Hinsicht spielt man in der ersten Liga. Nicht zuletzt weil hier, wenn immer möglich, örtliche und regionale Produkte verarbeitet werden. So stammt das Fleisch von der benachbarten Metzgerei Nardi in Cully und die Egli, Felchen, Zander und Saiblinge von Berufsfischern aus dem Dorf.

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Erste Adresse für Gourmets: das Auberge du Raisin im schmucken Winzerdörfchen Cully.

4. Kurzkreuzfahrt erster Klasse

Von der Auberge du Raisin sind es nur ein paar Schritte zum Bootsanleger, wo die 15 Schiffe der Schifffahrtsgesellschaft Compagnie Générale de Navigation sur le Lac Léman (CGN) an- und ablegen. Acht von ihnen sind Raddampfer, von denen wiederum fünf noch dampfbetrieben sind. Dank der 43 Anlegestellen rund um den Genfer See kann man mal kürzere, mal längere Kreuzfahrten unternehmen, die aber auf jeden Fall zu den schönsten in Europa zählen. Wie könnte es auch anders sein: Die „La Suisse“ ist überpünktlich. Der im Jahr 2009 vollständig renovierte Belle-Époque-Schaufelraddampfer ist das Flaggschiff der Flotte – und als schönstes Dampfschiff der Welt ausgezeichnet. Bleibt nur die Frage: Sofort Kaffee und Kuchen im exklusiven, mit feinen Hölzern ausgestatteten Speisesaal der 1. Klasse? Oder erst mal aufs Sonnendeck, einen Liegestuhl schnappen und ganz entspannt die in ein sanftes Licht getauchten Weinberge des Lavaux vorbeiziehen lassen?

5. Dolce Riviera

Schon vor dem Ersten Weltkrieg begann in dem vom milden Klima begünstigten Ort Montreux der Tourismus Aufschwung zu nehmen. Reisen war en vogue und für das zahlungskräftige, teils royale Klientel baute man feudale Grand Hotels mit einer touristischen Infrastruktur, die bis heute besteht. Vom mondänen Kurort zum beschaulichen Nachbarort Vevey verläuft die schönste Seepromenade der Schweiz – überdimensionale Hibiskusblüten, Bananenstauden und Palmen geben einem das Gefühl, ganz weit im Süden zu sein. Entfernt man sich vom touristisch durchstrukturierten Ufer, entdeckt man das Montreux vergangener Tage. Steile Gassen führen in voralpine Gefilde mit rauschenden Bächen und stillen Vierteln. Traditionelle Bistros bieten regionale Spezialitäten an und überall wartet ein guter Tropfen aus den Kellern der Lavaux-Winzer. Ob Vevey wirklich die Stadt zum Leben und Montreux die für die Touristen ist, sei hier dahingestellt. Ich kann nur bestätigen, dass der Blick aus den Zimmern in den oberen Stockwerken des Eurotel Montreux grandios und das Dinner im angeschlossenen Restaurant Le Safran eine lukullisches Highlight ist.

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Mondän und seit dem 19. Jahrhundert beliebtes VIP-Reiseziel: Montreux mit seiner kilometerlangen Uferpromenade.

6. Weingeschichte(n)

Das Quartier Le Cloître mit seinen stattlichen Winzerhäusern, an deren Fassaden sich wilder Wein emporrankt ist eine Idylle. Romantische enge Gassen und Häuser mit Lauben bilden einen Teil des Weges zum Schloss Aigle, der von Weinbergen und gepflegten Gärten gesäumt wird. Drei Rundtürme geben dem Schloss etwas Märchenhaftes. Es wurde Mitte des 13. Jahrhunderts von den Grafen von Savoyen erbaut. Heute präsentiert sich Schloss Aigle, das zu den bedeutendsten mittelalterlichen Burganlagen der Schweiz zählt, als sehenswertes Museum, bei dem sich alles um die Traditionen des Weintrinkens dreht. Wer selbst einen guten Tropfen genießen möchte, bekommt die Gelegenheit im angeschlossenen Restaurant Pinte du Paradis.

7. Der Geheimtipp

Der historische GoldenPass Belle Epoque ist ein Zug der Extraklasse und steht für Nostalgie, Luxus und Abenteuer. Er ist ein Nachbau im Stil des Golden Mountain Pullman Express aus den 1930er-Jahren. Zweimal am Tag fährt er seine Passagiere von Montreux aus über die Hochtäler der Region Pays-d’Enhaut bis ins Berner Oberland. Dafür schlängelt sich der Traumzug durch die Weinberge des Lavaux – und hält auch in Chateau d’Oex. Der Bahnhof des schmucken Hauptorts der Waadtländer Voralpen ist preisgekrönt und ein touristischer Hotspot für Zugfans und Kunstliebhaber gleichermaßen. Das Stationsgebäude besteht zur Gänze aus Holz und behielt seinen alten Chalet-Stil. Aber das Beste liegt unter den Gleisen: die Unterführung zeigt mit Wandmalereien des Franzosen Franck Bouroullec die Geschichte der Gegend und zeugt vom Handwerk und den Traditionen dieser reizvollen, noch nicht vom Massentourismus entdeckten Berglandschaft. Wie man den legendären Rohmilchkäse L’Etivaz herstellt, erfährt man im Restaurant La Chalet am Dorfrand: die Milch darf nur in einem Kupferkessel über offenem Holzfeuer erhitzt werden, was dem Käse eine leicht rauchige Note verleiht. Und man darf nur Arbeitsgerät aus Holz verwenden.

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Bergkäse vom Feinsten: Die Käsemasse des L’Etivaz wird über einem Holzfeuer in einem Kupferkessel erhitzt.

8. Schnipp, schnapp

Seit Jahrhunderten gehört auch der Scherenschnitt zur gelebten Tradition in Chateau d’Oex. In den Räumen unterhalb der Schaukäserei im La Chalet befindet sich das Atelier der Künstlerin Corinne Karnstädt, eine klassische Autodidaktin, die im Jahr 2008 ihren ersten Scherenschnitt kreierte. Heute sind ihre Scherenschnitte weit über das Pays-d’Enhaut hinaus bekannt und beliebt. Auch in Karnstädts Werken stehen die altbekannten und beliebten Motive „Kuh“ und „Chalet“ im Zentrum. Aber eben nicht nur. Inzwischen fertigt sie auf Auftrag auch Hochzeitskarten, Sujets für Uhren oder Taschen und feine Damen in Gucci mit hohen Absätzen und Taschen am Arm. Außergewöhnlich auch ihr Werk „CélesTîne“, ein Scherenschnitt mit Baum und Kuh und Teenager – umrahmt von mehr als 2000 Swarovski-Steinchen.

9. Gipfel-Thrill

Eigentlich ist die Seilbahn ja wegen Schneesturm geschlossen, doch dann geht’s plötzlich ganz schnell noch mit der Personalgondel auf den Gipfel zum Peak Walk by Tissot, eine spektakuläre Hängebrücke, die im Gletschergebiet Glacier 3000 zwei Berggipfel verbindet. Oben angekommen hat sich der Schneesturm bereits gelegt, so dass ich das Gipfelfoto ganz entspannt angehen kann. Der 107 Meter lange Peak Walk verlangt weder großes bergsteigerisches Können noch eine sturmerprobte Kondition – schließlich ist er bei Windgeschwindigkeiten bis 200 km pro Stunde begehbar. Wow! Was für ein 360-Grad-Blick: hier das Matterhorn, dort das Mont-Blanc-Massiv und da die drei weltweit bekannten Gipfel Eiger, Mönch und Jungfrau. Weil es nach einer halben Stunde aufreißt, gönne ich mir noch einen Aperitif auf der Sonnenterrasse des Gipfelrestaurants Botta. Das minimalistische Werk des Stararchitekten Mario Botta passt sich prima in die archaische Gipfelwelt ein und bietet im vierten Stock ein – im wahrsten Sinne des Wortes – Spitzenrestaurant.

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Vor allem Rennradler kommen mit Pässen wie dem Col du Pillon und dem Col de la Croix voll auf ihre Kosten.