Markus Stoll: „Ich bin in echt noch viel grantiger als Harry G“

Markus Stoll: „Ich bin in echt noch viel grantiger als Harry G“. Hat als Kind jedes Wochenende am Schliersee verbracht: Kabarettist und Komiker Markus Stoll alias Harry G

Hat als Kind jedes Wochenende am Schliersee verbracht: Kabarettist und Komiker Markus Stoll alias Harry G © Foto: Verena Kathrein

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Markus Stoll verkörpert als Alter Ego perfekt die Rolle des grantelnden Bayern HARRY G. Mit ironisch-bissigem Humor erwarb sich Stoll in den sozialen Medien schnell einen Ruf als Comedystar. Der Wahlmünchner über Heimat & Humor, seinen Lieblingsort in den Alpen und die Bedeutung des bayerischen Grantelns

Markus Stoll hat den Harry-G-Hut in der Hand und ein verschmitztes Lächeln im Gesicht, als er morgens um neun das urige „Café Milchhäusl“ am Ufer des Schliersees betritt. Gestern abend stand er noch mit seinem aktuellen Comedy-Programm „#HarrydieEhre“ auf der Bühne. Die Nacht war kurz, die Anfahrt aus München heute morgen etwas nervig. Aber der 38-Jährige wirkt trotzdem putzmunter. Zwei Weißwürste bestellt er, dann lehnt er sich zurück und blickt aus dem Fenster über den See in Richtung Brecherspitze.

Der Schliersee – das ist für Stoll auch ein bisschen nach Hause kommen: Aufgewachsen ist er zwar in Regensburg, aber weil seine Mutter vom Schliersee stammt, hat er als Kind jedes Wochenende hier verbracht. Das täte er auch heute noch gerne. Aber die freien Wochenenden werden immer seltener, seit er 2013 die Kunstfigur Harry G erfunden hat. Stoll, zuvor im Controlling eines Investmentfonds tätig, veröffentlichte damals ein kurzes YouTube-Video, in dem er sich in bayerischem Dialekt und mit Hut auf dem Kopf über die Wiesn und ihre typischen Besucher ausließ. Es wurde ein ebenso über­rasch­ender wie überwältigender Erfolg – und Harry G in den folgenden Jahren zu einer bayerischen Kultfigur. Mittlerweile versammeln seine zahlreichen Videos im Netz über 100 Millionen Clicks, auf Facebook hat er 440.000 Fans. Die Harry-G-Erfolgs­mischung: treffende Alltagsbeobachtungen, bissiger Humor und – das vor allem – sein bayerischer Grant.

 
ALPS: Die Sonne scheint, der See glitzert, der Blick auf die Berge ist traumhaft schön. Ich nehme an, den Harry G in dir regt trotzdem schon wieder irgendetwas ganz schön auf?
Markus Stoll: Freitagmorgen bei weißblauem Himmel am Schliersee, da gibt es eigentlich wenig zu lästern. Aber ich bin gerade mit dem Auto aus München hergefahren. Seitdem frage ich mich: Ist es eigentlich das erklärte Ziel des Staates, alle Straßen systematisch durch Baustellen zu substituieren? Da kommt schon ein gewisser Grant auf.

ALPS: Diesen Begriff „Grant“, wie übersetzt du den einem Norddeutschen?
Markus Stoll: Das ist sympathischer Zorn. Mit Betonung auf sympathisch. Es ist ja nur so eine Art Seelenreinigung. Es geht nicht darum, jemanden zu beleidigen. Das wäre Schimpfen. Granteln ist, wenn einer sagt: Die Straße ist eine einzige Baustelle. „Da brauche ich ja bald einen Bagger, dass ich in die Arbeit komme.“ Es ist eine reine Bestandsaufnahme der Situation – auf eine bestimmte Art und Weise. Anders als das Schimpfen hat es nur eine innere Konsequenz und keine äußere.

ALPS: Weil es innerlich die Seele reinigt, aber nach außen hin keinem weh tut?
Markus Stoll: Genau. Granteln beleidigt höchstens indirekt. Wenn man also zum Beispiel sagt: „Die spinnen ja, machen eine Baustelle nach der anderen!“ Schimpfen wäre, wenn ich zu einem Bauarbeiter hingehe und sage: „Zefix, was macht’s ihr da, ihr blöden Rindviecher?“

ALPS: Wird der Bayer mit dem Grant geboren, oder ist das eine Kulturtechnik, die er sich erst aneignen muss?
Markus Stoll: Das erbt man. Schau dir das Bild da oben an. (Er deutet auf ein Schwarzweißfoto an der Wand. Darauf sind zwei ältere Männer zu sehen, die an einem Tisch vor dem Milchhäusl sitzen und – das Bier halbleer, die Wangen schon gut gerötet – lauthals über irgendetwas lachen.) Ich bin mir sicher: So wie die da sitzen, waren die nicht immer nur fröhlich. Die saßen da auch und haben gesagt: „Schau dir den da an, kommt mit seinem rosa Hemd daher und leiht sich ein Tretboot aus. Was ist denn das für einer?“ Und wenn du der Bub von denen bist, dann kriegst du das ja jeden Tag mit. So wird dir das vererbt.

ALPS: Ist das Granteln also ein rein bayerisches Phänomen?
Markus Stoll: Das gibt’s in Ostfriesland sicher genauso. Aber da klingt es anders. Beim Bayern klingt’s halt irgendwie vernichtend. Der Bayer kann sein Gegenüber kurz annicken und dann sagt der andere: Depp. Fertig ist der Meinungsaustausch. Der eine hat mit dem Annicken gemeint: Was ist deine Meinung zu dieser Person? Und der andere hat geantwortet: Aufgrund seiner Optik und seines Verhaltens kann ich diese Person als Idio­ten bezeichnen. Das Ganze spielt sich in Bayern mit Annicken und dem Wort Depp ab. Damit ist alles gesagt. Und man wendet sich der nächsten Person zu, die dann genauso abgenickt wird.

„Das Granteln ist keine Kulturtechnik, die man lernen kann. Das erbt man“

ALPS: So knackige Urteile fällt man natürlich nur, wenn man über dieses sehr große bayerische Selbstbewusstein verfügt.
Markus Stoll: Absolut. Und aus Sicht des Bayern stellt sich die Situation ja so dar, dass er diesem Preißn, der hierher kommt, um das schöne Bayern zu genießen, völlig überlegen ist. Weil er ist ja schon da. Er wird bereist. Der andere kommt zu ihm und will was von ihm. In dieser Position zu sein gefällt dem Bayern. Schau dir die Münchner an: Dauernd beschweren sich über die Wohnungspreise in der Stadt. „Für das Geld krieg ich im Osten zwei Häuser!“ Aber eigentlich ist der Münchner ganz glücklich, dass es so ist. Es zeigt: Alle wollen dorthin, wo er schon ist. Das tut seinem Selbstbewusstsein natürlich gut.

ALPS: Dieselbe Konstellation findet sich zwischen Schlierseer und Münchner: Der eine ist schon hier, der andere reist an und will etwas von ihm. Du hast in deiner Jugend viel Zeit am Schliersee verbracht. Wie blickt der Einheimische auf den Großstädter?
Markus Stoll: Mit einer Art Hassliebe. Der Schlierseer weiß natürlich, dass der Tourist nicht nur die Straßen verstopft und die Wege niedertrampelt, sondern auch Geld in die Region bringt. Er weiß also, dass er ihn braucht. Grundsätzlich aber belächelt er ihn. Vielleicht tut er ihm auch ein bisschen leid, weil der da in München in seiner Legebatterie leben muss, mit dem Auto herfahren, im Stau stehen …

ALPS: Gerhard Polt hat mal gesagt: „Ich bin eine Zeit lang in Altötting aufgewachsen, was sehr günstig ist, wenn man Komiker werden will.“ Ist der Schliersee für dich eine ähnliche Inspirationsquelle?
Markus Stoll: Aufgrund des ganzen überreligiösen Getues da in Altötting war das sicher eine besondere Sache. Aber hier in der Region viel Zeit zu verbringen ist schon auch nicht schlecht, wenn man zeitgeistige Comedy macht. Es ist ja auch eine Art Wallfahrt, die hier heute stattfindet: Früher sind sie nach Altötting, weil sie noch praktizierende
Christen waren. Heute ist die heilige Messe halt was anderes: Brunch am Seeufer.

ALPS: Ganz grundsätzlich: Wie hat deine Herkunft deinen Humor geprägt?
Markus Stoll: Zunächst mal hat vor allem mein Vater meinen Humor geprägt. Der hat immer sehr lustige Sachen gemacht: in komischen Dialekten gesprochen oder mit verstellter Stimme irgendwo angerufen und die Leute verarscht. Meinen Humor als Comedian hat aber noch etwas anderes geprägt: so ein Zwischen-den-Welten-Stehen, in das ich immer wieder geraten bin.

ALPS: Was meinst du damit?
Markus Stoll: Als ich zum BWL-Studium von Regensburg nach Innsbruck gezogen bin, war ich dort weder Tourist noch Einheimischer. Für einen Comedian, der noch nicht weiß, dass er mal einer wird, ist das die perfekte Situation: Du wohnst dort, hast nicht die Probleme der Touristen und lachst über ihr seltsames Verhalten. Gleichzeitig siehst du aber auch den Tiroler und wie verbissen und engstirnig der auf die Touristen reagiert. Du stehst in der Mitte und hast einen klaren Blick auf die Eigenarten beider Gruppen. In dieser Situation war ich dann auch, als ich 2005 an die Isar gezogen bin. Ich hatte als Nicht-Münchner einen ganz anderen Blick auf die Stadt und die Leute dort.

ALPS: In deinen YouTube-Videos und Bühnenprogrammen sezierst du die verschiedenen Typen, die man in München so trifft. Vom Isarpreiß’, einer Art modernem Schickimicki-Gschaftler mit Gel in den Haaren, bis zum Giesinger Boazn-Kini, der mit einem Weißbier in der Hand in der Eckkneipe regiert. Welche Typen fallen dir in den Alpen besonders auf?
Markus Stoll: Der fanatische Bergsportler, bei dem sich das Wort Berg durch alle Lebensbereiche zieht. Arbeit: Outdoorjacke an. Privat: Trailschuhe an den Füßen. Immer einen Rucksack dabei. Die Haare werden immer weniger, aber er trägt sie lang und zum Pferdeschwanz gebunden, weil das die Huberbuam, diese Kletterer, auch so haben. Als Auto hat er einen VW-Bus, da kann man hinten drin schlafen. Könnte man zwar in einem Hotel auch, aber: Nein! Wozu denn auch duschen? Die regen mich wirklich auf, diese Typen.

„Diese Tchibo-Komplett-Outfit-Typen beim Skifahren sind eigentlich arme Schweine“

ALPS: Welche Typen fallen dir noch auf?
Markus Stoll: Da gibt’s so viele. Der Skifahrer aus Norddeutschland: Tchibo-Komplett-Outfit an, die Ausrüstung vom Skiverleih, aber immer – und das ist das Wichtigste – einen eigenen Helm auf mit einer Go-Pro-Kamera obendrauf. Ich frage die manchmal: Warum filmst du das?

ALPS: Was antworten sie?
Markus Stoll: Zum daheim anschauen. Zehn Gigabyte verwackeltes Material, wie du die Piste runterfährst. Was für ein Horror.

ALPS: Dein Humor lebt vor allem von präziser Beobachtung. Gibt es einen Ort in den Alpen, an dem du besonders gerne den Leuten zusiehst?
Markus Stoll: Das geht an konzentrierten Orten besonders gut, wie zum Beispiel in Kitzbühel. Lauter Irre auf einem Haufen. Sehr lustig anzuschauen. Die Schickeria-Typen zum Beispiel, die auf der Skihütte rumsitzen, aber gar nicht Ski fahren. Mit Moonboots und Sonnenbrille sitzen die auf der Hahnenkamm-Bergstation und stapfen dann später rüber zum Sonnenhügel. Hauptsache dabei! Herrlich. Auch recht lustig ist es am Tegernsee, wo man den Münchner Tagesausflüglern zuschauen kann. Kennst du das, wenn du im Urlaub immer wieder die gleichen Leute triffst? So geht’s denen auch. Alle absolvieren das gleiche Programm: gleiche Wanderung, gleiche Alm, dann alle ins „Bräustüberl“ – lecker Tegernseer trinken! – und dann alle zurück auf die A8, wo sie zusammen im Stau nach Hause schleichen.

ALPS: Gehörst du selbst auch zu den Leuten, die bei gutem Wetter am Samstagmorgen sofort Richtung Alpen aufbrechen?
Markus Stoll: Mal so, mal so. Das Wetter ist mir dabei relativ egal. Wenn ich Zeit und Lust habe, dann mache ich einen Berg. So einmal pro Woche im Schnitt.

ALPS: Was heißt, ich mache einen Berg? Du gehst wandern?
Markus Stoll: Eher Berglauf. Schnell rauf, schnell runter.

ALPS: Und dann mittags schon ein Weißbier oder zwei Powerriegel und mit Vollgas weiter?
Markus Stoll: Mittags Weißbier. Weil die Powerriegelphase da schon erledigt sein muss. Ich gehe so früh auf den Berg und mache den so schnell, dass ich um neun Uhr morgens schon wieder unten bin. Es gibt nichts Schöneres, als wenn du in der Früh schon ein Ziel erreicht hast. Und dann sitze ich mittags schon auf der Hütte. Übrigens auch beim Skifahren. Ab Mittag brauchst du mit mir nicht mehr Skifahren.

ALPS: Korrekt, dass du ein sagenhaft guter Free-Skier bist?
Markus Stoll: Na ja, ich habe ja in Innsbruck studiert und bin jeden Tag gefahren. Seitdem ist für mich beim Skifahren halt ganz normal, was andere für Stunts halten. Also Springen, Tiefschneefahren und so weiter. Ich kann irgendwie gar nicht mehr anders fahren.

ALPS: Im Skiurlaub: Wellness-Hotel oder Matratzenlager?
Markus Stoll: Wellness-Hotel. Ist zwar griabig im Matratzenlager – aber für mich zu griabig.

ALPS: Hast du einen Lieblingsort in den Alpen?
Markus Stoll: Mehrere. Einer ist zum Beispiel hier am Schliersee die Wanderung auf die Bodenschneid. Die mag ich wahnsinnig gerne. Ich kenne da jeden Stein.

ALPS: Wie lange hältst du es auf dem Land aus, bis du wieder in die Stadt musst?
Markus Stoll: Weiß ich gar nicht. Ich brauche wirklich die Mischung. Deshalb muss ich auch immer mal wieder ins Ausland. Ich mag es, verschiedene Perspektiven zu haben. Wenn ich immer nur die eine habe, wird mir das zu langweilig.

ALPS: Regensburg, Schliersee, München: Wo ist für dich zu Hause?
Markus Stoll: Da, wo die Familie ist. Also München.

ALPS: Als was fühlst du dich: Münchner, Bayer, Deutscher?
Markus Stoll: Als Bayer, definitiv. Das bin ich, und damit trete ich ja auch auf.

ALPS: Fühlst du dich so richtig wohl, wenn du Lederhose trägst?
Markus Stoll: Für mich ist die Lederhose ein ganz normales Kleidungsstück. Aber in der Freizeit die ganze Zeit damit rumzulaufen, finde ich schon affig.

ALPS: Sprichst du mit deiner Frau eigentlich Hochdeutsch oder Bayerisch?
Markus Stoll: Hochdeutsch mit bayerischer Färbung. Kein tiefstes Bayerisch. Manchmal reden wir aber auch den ganzen Tag Fränkisch miteinander.

ALPS: Fränkisch? Weil sie da herkommt?
Markus Stoll: Nein, weil es uns Spaß macht. Schatzi, sag ich dann, wie wärs mit a weng Indimidäd?

ALPS: Du bist mit deinem Bühnenprogramm „#HarrydieEhre“ unglaublich viel in Bayern unterwegs. Von Bad Tölz bis Hof, von Günzburg bis Passau. Lernst du bei diesen Reisen immer noch überraschende Seiten des Freistaats kennen?
Markus Stoll: Absolut. Vor Kurzem war ich in Donauwörth. Eine Ecke, da kommst du normalerweise nicht hin. Aber die ganze Gegend da, das Altmühltal, das ist traumhaft schön. Oder neulich hatte ich einen Auftritt in Waldkraiburg, da bin ich mit dem Rennrad hingefahren …

ALPS: … von München …
Markus Stoll: … ist nicht so tragisch. 80 Kilometer.

ALPS: Und danach wieder mit dem Radl heim?
Markus Stoll: Mein Management fährt mit dem Auto mit. Nach dem Auftritt haue ich mein Zeug in den Kofferraum und wir fahren heim. Auf die Weise lernst du Bayern ganz gut kennen.

ALPS: Reagieren die Zuschauer in den kleineren Orten eigentlich anders auf deinen Humor als die Großstädter?
Markus Stoll: Kaum. Durch Social Media werden die Unterschiede sowieso immer kleiner. Der Waldkraiburger weiß heute auch, was die „Asahi Bowl“ ist. Er hat sie vielleicht noch nicht gegessen. Aber auf Instagram, unterm Hashtag Foodporn, hat er sie schon gesehen.

ALPS: Ist München für dich Bayern?
Markus Stoll: An vielen Ecken schon noch. Klar, München verändert sich, aber es muss sich auch verändern. Du kannst nicht erwarten, dass diese eine Boazn in Giesing für immer da bleibt. Aber solange Dinge wie der Viktualienmarkt, die Biergartenkultur, erhalten bleiben, ist München auch weiterhin München. Und damit auch Bayern.

„Fränkisch macht Spaß. Schatzi, sag ich dann, wie wärs mit a weng Indimidäd?“

ALPS: Du machst dich über alles Überkandidelte lustig: Bist du womöglich im Grunde deines Herzens ein Konservativer?
Markus Stoll: Nein, ich bin sogar sehr unkonservativ. Ich habe ein unglaubliches Autoritätsproblem und bin jemand, der gerne widerspricht. Wenn ich im Laden etwas umtauschen will, aber einen Tag zu spät dran bin und der Verkäufer mir erklärt, dass das nicht geht, dann sage ich: Doch, das geht! Das Gesetz sagt, es geht. Jetzt müssen wir nur noch einen Weg finden, dass du das auch sagst. Ich respektiere Gesetze natürlich, aber ich mag keine unsinnigen Regeln. Wenn ich für den Parkzettel kein passendes Kleingeld habe, sondern nur 5-Cent-Stücke, dann hänge ich die in einem Sackerl ans Auto und schreibe dazu: Automat nimmt das nicht, ist nicht mein Problem.

ALPS: Wirklich schon gemacht?
Markus Stoll: Klar. Ich bin doch nicht verpflichtet, Kleingeld zu haben, nur weil die da einen Automaten aufstellen. Im Sackerl ist Geld. Das ist ein gültiges Zahlungsmittel, auf das wir uns vor ein paar hundert Jahren geeinigt haben. Also nimm’s und lass mir meine Ruhe. So einfach ist das.

ALPS: Und? Strafzettel bekommen?
Markus Stoll: Nein, wahrscheinlich kam keine Politesse vorbei.

ALPS: Mit der Haltung hat man es wahrscheinlich nicht immer ganz einfach im Leben.
Markus Stoll: Ja, das kommt nicht immer gut an. Aber ich habe auch nichts gegen Konfrontation. Der schlimmste Satz in unserer Gesellschaft ist ja dieses ständige: „Alles gut?“ Man geht immer in so einen Beruhigungsmodus. Dabei ist aber oft gar nichts gut! Und dann sag doch, wie es ist! Wenn’s ein Problem gibt, dann muss man sich dem halt auch stellen, um es zu lösen. Und das geht halt nicht immer nur mit sozial gelernter Demut und bravem Funktionieren. Da könnt’ ich mich wirklich so drüber aufregen …

ALPS: Es steckt schon viel vom Grantler Harry G auch im Künstler Markus Stoll, oder?
Markus Stoll: Die Wahrheit ist: Bei mir ist es noch viel schlimmer als beim Harry G.

Programm eines Grantlers
 
Facebook-Nervensägen, vegane „Kerndlfresser“ und peinliche Posts in Whats-App-Gruppenchats: Auch in seinem neuen Bühnenprogramm „#HarrydieEhre“ arbeitet Harry G sich an den Auswüchsen des aktuellen Zeitgeistes ab. Bissig, witzig, selbstironisch. Er tourt damit derzeit durch Deutschland und Österreich.
 
Alle Termine unter: www.harry-g.com
Ein Leben in Flüchen

Kabarettist und Komiker Markus Stoll alias Harry G © Foto: Verena Kathrein

#DUMMKÖPFE
DEPPEN! gehen Markus Stoll, 1979 in Regensburg geboren, schon früh auf die Nerven. Damit er auf keinen Fall selbst einer wird, macht er brav Abitur und studiert dann BWL in Innsbruck. Anschließend arbeitet er fünf Jahre für einen Investmentfonds in München.
 
#WICHTIGTUER
GSCHAFTLER! laufen ihm in München so oft über den Weg, dass er 2013 ein Video auf YouTube veröffentlicht, in dem er über das Oktoberfest und seine Besucher lästert. Die Geburtsstunde des Obergrantlers Harry G wird zu einem viralen Hit im Netz.
 
#SCHICKIMICKI-GSCHAFTLER
ISARPREIßN! stehen im Mittelpunkt seines ersten Bühnenprogramms, („Leben mit dem Isarpreiß“), mit dem er ab 2014 durch Deutschland tourt. Neben weiteren Web-Videos als Harry G folgen erste Auftritte als Schauspieler („Rosenheim Cops“, „München 7“).
 
#VOLLIDIOTEN
RINDVIECHER! trifft der passionierte Rennradfahrer, Eisbachsurfer und Freeskier dauernd. Nachzulesen in „Unter Deppen – Vom Leben mit den Isarpreißn und anderen Rindviechern“ (Piper, 10 Euro)