Othmar Prenner – Berg im Blick

Othmar Prenner – Berg im Blick

Gemütlichkeit trifft Design. Der große Focus-Kamin aus schwarzem Stahl ist wärmender Blickfang in der Essküche © Foto: Othmar Prenner

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Grasegger. Ihr Haus für Tradition und Gegenwart. Garmisch-Partenkirchen
Othmar Prenner – Berg im Blick

Sein Haus verrät Prenners Leidenschaft für Holz und Handwerk

Mit dem Umbau eines alten Bauernhauses in seiner Südtiroler Heimat verbindet der Tischler und Bildhauer Othmar Prenner alte Handwerkstradition mit moderner Kunst (ALPS Magazine #33 1/2017 Review)

Bei diesem Panorama kann man das Arbeiten glatt vergessen. Macht Othmar Prenner aber nicht. Dank moderner Glasfaserkabel bleibt er auch vis-à-vis der schneebedeckten Vinschgauer Gebirgsgipfel mit der Welt verbunden. Technik und Natur sind für den Künstler und Bildhauer kein Widerspruch. Schließlich ermöglicht ihm das Internet, auch weitab der Stadt neue Kunstprojekte, Möbel oder Holzobjekte zu entwerfen.

An allen Ecken seines Hauses stehen, hängen oder lehnen Werkzeug, Bilder, fertige oder unfertige Möbel. Es ist gemütlich am Holztisch vor dem großen Focus-Kamin aus schwarzem Stahl, der vor dem riesigen Fenster von der Decke hängt. Othmar Prenner liebt das Gefühl, wie am Lagerfeuer zu sitzen. Er hat seine ganz eigenen klaren Vorstellungen von Architektur und Interior Design: „Ich mache nur Sachen, die mir zu 100 Prozent gefallen.“ Deshalb „habe ich keine Lust, bei großen Aufträgen mitzuarbeiten. Da muss man immer 1000 Kompromisse machen.“

KÜNSTLER // ARCHITEKT // BILDHAUER
 
Othmar Prenner, 1966 in Schlanders, Südtirol geboren, studierte nach einer Tischlerlehre zunächst an der Höheren Technischen Lehranstalt Bau und Design in Innsbruck. Anschließend ging er nach München und belegte an der Akademie Bildhau­erei. Heute lebt er überwiegend im Vinschgau. Über seinen aktuellen Projekte und Ausstellungen informiert die Website www.dingeundursachen.de

»Arbeiten und Wohnen sollten sich vermischen. Ich kann es ohnehin nicht trennen«

Othmar Prenner

Othmar Prenner – Berg im Blick

„Der Traum vom Paradies“ – so nennt Othmar Prenner das riesige Panorama-Fenster, das den Berg in die Stube holt © Foto: Othmar Prenner

 

Ganz anders bei seinem ganz persönlichen Projekt, dem Bauernhaus im heimischen Südtirol. Hier konnte der knapp 50-jährige Künstler seine Wohn-Visionen eins zu eins umsetzen und ein Refugium erschaffen – das längst keines mehr ist. Denn der angestrebte Rückzugsort hat sich zu Hauptwohnsitz und Atelier entwickelt. „Ich dachte nie, dass ich aus München fortgehen würde“, gesteht der Künstler. „22 Jahre habe ich dort gelebt. Aber jetzt ist mein Schwerpunkt hier. Ich liebe es, in der Natur zu leben. Ich brauche die Stadt nicht.“

Das alte Haus in der Nähe von Mals hatte Prenner schon vor 25 Jahren gekauft. Damals war es Teil eines kleinen, noch bewirtschafteten Weilers in einem steilen Seitental am Reschenpass. Prenner ist ganz in der Nähe aufgewachsen. In der Stube, die sich – ganz untypisch – im ersten Stock befindet und heute die Funktionen von Küche und Esszimmer vereint, erzählt er, dass er schon als kleiner Junge viel geschnitzt hat und Bildhauer werden wollte. Aber seine Eltern hatten wenig Verständnis für seine künstlerischen Ambitionen. Wenigstens einer Tischlerlehre stimmten sie zu.

Prenner aber wollte mehr, studierte zunächst in Innsbruck, dann in München. Heute ist sein Beruf – oder seine Berufung? – eine Mischung aus Bildhauerei und Design. Gerade kommt er zurück von der Mailänder Möbelmesse. Die Resonanz auf seine „likeabox“-Serie, gedrechselte Dosen und Brotboxen aus Zirbenholz, seine Salz- und Pfeffermühlen und die geschmiedeten Messer war überaus positiv.

Prenners Präsente
Seine Pfeffer- und Salzmühlen, Brotboxen und Schalen vertreibt der Künstler über die Internetseite likeabox.de

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© Foto: Othmar Prenner


»Viele Handwerker machen nur noch Ikea auf Maß. Sie haben das Gespür verloren«

Othmar Prenner

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Aussenwirkung. Mit seinen Brotdosen „likeabox“ begeisterte der Künstler auf der Mailänder Möbelmesse © Foto: Othmar Prenner

 

In seinem Haus lebte Prenner seine leidenschaft für Holz und Handwerk aus. Was an dem eigentlich zurückhaltenden Bau sofort ins Auge fällt, ist das große Fenster, in dem sich die Berggipfel spiegeln. Prenner hat darüber „Der Traum vom Paradies“ in die schlichte Holzfassade gestanzt. Außen sowie in der großen Stube innen ist das Haus fast komplett vertäfelt, insgesamt 250 Quadratmeter hochwertigstes Parkett wurden verbaut. Das Lärchenholz kommt hier aus dem Tal und wurde speziell geschnitten, sodass die Jahresringe sehr ruhig und regelmäßig verlaufen.

Holz als zentrales Element war für Prenner zwingend. Vieles andere hat sich erst beim Bauen entwickelt, erzählt der Künstler, der sich oft noch während der Arbeit inspirieren lässt. Der Eingang etwa war so dunkel, dass man den Türgriff nicht gefunden hat. So hat Prenner die Decke zur darüberliegenden Kammer kurzerhand aufgerissen und dadurch Licht geschaffen, das jetzt von Stube und Wohnzimmer in den Flur strömt. Der weiße Marmorboden hellt den Eingangsbereich zusätzlich auf. Der Stein wurde rund 30 Kilometer von hier in Laas abgebaut und zählt zu den härtesten und weißesten Marmorsorten. „Eigentlich ist es selbstverständlich, dass man Materialien aus der Region verwendet und keine Steine aus Indien.“ Prenner aber glaubt, „eine neue Sehnsucht“ zu spüren: „Die Leute wollen wissen, woher die Dinge, die Materialien kommen. Dinge, die Bestand haben, geben in einer unsicheren Zeit Geborgenheit.“

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Das Bad bringt weißen Marmor und Lärchenholz zusammen. Schaustück ist die frei stehende Wanne aus Holz © Foto: Othmar Prenner


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Das zentrale Thema des Hauses ist der Blick nach draußen. Vom Schreibtisch aus sieht der Künstler grasende Kühe © Foto: Othmar Prenner

So wie die ehemalige Stube, in der sich die 200 Jahre alte Holzvertäfelung noch komplett erhalten hat. Doch Prenner hat sie zum Schlafzimmer umfunktioniert. Denn das zentrale Thema des Hauses ist der Blick nach draußen – und der ist besser vom ersten Stock aus. Also hat er die klassische Anordnung – Stube unten, Schlafzimmer oben – einfach umgedreht. Die alte Steintreppe im Flur nutzte Prenner als dekoratives Element und Reminiszenz an die alte Struktur des Bauernhauses. Den Kontrast dazu bildet die frei stehende moderne Treppe aus Holz und die „Brücke“ zum Wohnzimmer im ersten Stock.

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Kreativpotenzial. Die Idee zu der frei stehenden Treppe und die Brücke zum Wohnzimmer im ersten Stock kam Prenner in der Bauphase: „Jemand hatte damals ein Brett gelegt. Ich fand den Übergang über den Flur interessant“ © Foto: Othmar Prenner

Die alten Balken wurden erhalten und stützen jetzt die Dachschräge des Wohnzimmers. Fünf Stufen führen von dort zu einer schmalen eingezogenen Ebene an der Wand, wo der Blick vom Schreibtisch durch ein langes Panorama-fenster grasende Kühe auf satten Wiesen einfängt. Und den blauen Himmel und das spezielle Licht, das es nur im Schnee gibt. Das hat Prenner in München gerade während der langen grauen Winter oft vermisst. In seinem Haus bezieht er es ein, spielt damit, lebt damit.

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In die ehemalige Stube, in der sich die 200 Jahre alte Original-Holzvertäfelung erhalten hat, verlegte der Bauherr sein Schlafzimmer © Foto: Othmar Prenner


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An jeder Ecke des Hauses ist sein Schaffen präsent. „Ich wollte, dass sich Arbeiten und Wohnen vermischen“, sagt Prenner. „Ich kann es ohnehin nicht trennen.“ (Trotzdem baut er gerade, ebenfalls auf dem Anwesen, an einem Atelier.) Man stößt auf Kunstobjekte, die aus Holzabfällen entstanden sind. Abfälle einer Serie von Stühlen etwa, die ganz ohne Leim und Schrauben auskommen, sondern einfach aus vier Holzteilen zusammengesteckt werden. Sie haben Prenner bekannt gemacht und stehen natürlich um den großen Esstisch in der gemütlichen Stube. „Früher gab es keine hässlichen Möbel, da war alles Massivholz“, doziert Prenner. „Aber jetzt“, hat er festgestellt, „tut sich auch einiges. Die Leute haben die Billigware aus China satt.“

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Auch die Außenfassade ist komplett holzvertäfelt. 250 Quadratmeter hochwertiges Parkett aus regionalem Lärchenholz wurden verbaut © Foto: Othmar Prenner

Früher, in der Stadt, hatte er meist nur die Prototypen für seine Objekte entwickelt, heute legt er zusammen mit seiner Partnerin Ingrid Seebacher selbst gern Hand an. Das Holz für seine Gefäße, die im offenen Feuer schwarz gefärbt werden, stammen von Bäumen, die Prenner zuvor fotografiert. Das Bild mit der markierten Stelle, von der das Holz stammt, verkauft er mit dem entsprechenden Gefäß – einer der wunderbaren Einfälle des Künstlers.

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© Foto: Othmar Prenner

Für Prenner sind Nachhaltigkeit und bio normal und müssen nicht eigens etikettiert werden. Am Kaminfeuer erzählt er von der Region hier um Mals, die bald die größte komplett pestizidfreie Gemeinde in Südtirol sein wird. Und von einem Bäcker, der alte Dinkelähren aus dem 18. Jahrhundert neu angesät hat und jetzt das Brot davon verkauft. Geschichten wie diese passen in die Stube und in die wunderschöne ursprüngliche Landschaft. Und zu dem einzigartig schönen Blick auf den Berg, den Othmar Prenner in sein Haus geholt hat und der ihn nun fortwährend zu neuen Arbeiten anregt.

 

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Im Weiler verweilen. Aus der Ferne zeigt sich das Prenner-Haus perfekt in die Dorfkulisse integriert © Foto: Othmar Prenner

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Schon vor 25 Jahren hat der Künstler das alte Haus in einem steilen Seitental am Reschenpass nahe Mals erworben © Foto: Othmar Prenner

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Ausgleichende Gerechtigkeit. Durch das große Fenster können die Kühe schauen, was Prenner so treibt © Foto: Othmar Prenner