Neustart auf der Hesshütte im Gesäuse
Manche Entscheidungen trifft man nicht mit langer Überlegung, sondern einfach im Moment. Rebeka „Becky“ Tréfová hat die Hesshütte im Nationalpark Gesäuse erst vor wenigen Tagen übernommen. Kurz vor Saisonbeginn, ohne großartige Planung – dafür mit einem feinen Gespür für das, was gerade wichtig ist. Ein Gespräch mit der neuen Hüttenwirtin über Mut, Berge und ihren Neustart auf der Hesshütte
Vom Hüttenalltag zum eigenen Traum

Mit Herz, Mut und viel Energie startet Rebeka in ihre erste Saison auf der Hesshütte.
Rebeka, wie fühlt es sich an, eine Berghütte so kurzfristig zu übernehmen?
Die letzten Tage waren intensiv. Vieles musste organisiert und geklärt werden, ständig gab es neue Themen, die Aufmerksamkeit verlangten. Aber gleichzeitig fühlt es sich einfach gut an. Ich bin sehr dankbar, dass sich diese Möglichkeit überhaupt ergeben hat. Eine Hütte zu übernehmen ist auf der einen Seite ein langersehnter Traum, auf der anderen Seite aber auch eine große Verantwortung – nicht nur gegenüber dem ÖAV, sondern auch mir selbst, vor allem meinen Mitarbeiter:innen und Gästen. Es ist eine bedeutende Aufgabe, und ich schätze das Vertrauen und die Chance, die mir damit geschenkt wurden, sehr. Ich werde auf jeden Fall versuchen, mein Bestes zu geben.
Das klingt nach einer sehr spontanen Entscheidung. Gab es einen Moment, der den Ausschlag gegeben hat?
Ja, auf jeden Fall. Vor einem Jahr war ich ebenfalls auf einer Hütte, allerdings am Wilden Kaiser, wo ich als Kellnerin gearbeitet habe. Seit meinem 17. Lebensjahr bin ich auf Berghütten tätig. Angefangen habe ich in der Slowakei, danach ging es in die Schweiz, und schließlich kam ich nach Österreich, wo ich mich mit Herz und Seele dieser Arbeit verschrieben habe. Schon während meiner Zeit in der Schweiz spürte ich tief in mir, dass ich eines Tages selbst eine Hütte übernehmen möchte. Ich glaube fest daran, dass man seine Träume Schritt für Schritt erreichen kann, auch wenn diese Schritte klein sind. Dass es genau jetzt passiert, hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Doch ob ich bereit bin? Man sollte immer bereit sein.
Hattest du schon vorher den Plan, einmal eine Hütte zu führen?
Die Berge haben mich vor allem durch den Sport angezogen – Wandern, Skitouren, Klettern und das unvergleichliche Gefühl von Freiheit, das ich nur dort oben erlebe. Die Entscheidung war dann sehr spontan. Wie gesagt, die Idee war schon lange in meinem Herzen, doch ich habe nie gezielt darauf hingearbeitet. Ich sammelte einfach Erfahrung, arbeitete auf Hütten und wartete, bis ich mich bereit fühlte. Dann sah ich die Anzeige, dass eine neue Pächterin gesucht wurde, und ergriff die Chance ohne zu zögern.
Verantwortung auf 1.699 Metern
Was hat dir vor dieser Entscheidung am meisten Respekt eingejagt?
Am schwierigsten war es, meine eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Andere einzuschätzen fällt leichter, doch sich selbst mit Ehrlichkeit zu hinterfragen, wenn so viel auf dem Spiel steht, ist eine andere Sache. Ich wollte nichts unterschätzen. Die Hütte ist groß und organisatorisch anspruchsvoll. Man muss an unzählige Dinge denken, alles durchplanen und bestenfalls für Plan A, B, C und D gewappnet sein. Besonders geholfen hat mir das Vertrauen meiner Familie und von Menschen, die mich gut kennen und nie an mir gezweifelt haben. Paradoxerweise hatte ich nach der Entscheidung am meisten Respekt vor den bürokratischen Hürden: Termine, Behörden, lange Wartezeiten – das ist wirklich nicht meine Stärke.
Die Hesshütte im Gesäuse – ein besonderer Ort
Was bedeutet dir die Hesshütte persönlich?
Sehr viel. Die Hütte ist etwas ganz Besonderes – wegen ihrer Geschichte, aber vor allem wegen ihrer Lage im wunderschönen Nationalpark Gesäuse, der einzigartig ist. Ein Ort, den man mindestens einmal im Leben gesehen haben muss. Dort oben spürt man eine besondere Energie, die man mit nach Hause nimmt. Einmal angekommen, möchte man immer wieder zurückkehren.
Gibt es einen Lieblingsplatz rund um die Hütte, den du Gästen unbedingt zeigen möchtest?
Das ist schwer in Worte zu fassen. Stell dir vor, du sitzt auf der Terrasse, trinkst deinen Tee, isst Kaiserschmarrn und bist einfach glücklich. Für mich ist die Hesshütte genau das: Freude, Ruhe und gute Stimmung.
Leben und Arbeiten in den Bergen
Wie hast du deine ersten Tage als Hüttenwirtin erlebt?
Einen typischen Alltag auf der Hütte kann ich noch nicht beschreiben, da es meine erste Saison ist und wir erst im Mai starten. Aus bisheriger Erfahrung weiß ich: Der Tag beginnt mit einem Frühstück vor einem atemberaubenden Panorama, vielleicht mit einer kleinen Bewegung im Freien. Nach so einem Start bringt einen kaum noch etwas aus der Ruhe. Danach folgt bis in den Abend die Arbeit. Oder kann man das überhaupt Arbeit nennen? Den ganzen Tag draußen sein, in den Bergen, an der frischen Luft und umgeben von Menschen, die ähnlich ticken wie man selbst – es ist eine unerschöpfliche Quelle für Gespräche und Begegnungen.
Was unterschätzen viele Menschen am Leben auf einer Hütte?
Viele denken, das Leben als Hüttenwirtin besteht daraus, in der Sonne zu sitzen, Aperol zu trinken und nebenbei ein bisschen zu organisieren. Die Realität sieht anders aus. Man ist Kellnerin, Köchin, Reinigungskraft, Psychologin, Buchhalterin, Teammanagerin, Hausmeisterin, Social-Media-Managerin, Rezeptionistin und noch vieles mehr in einem.
Vision und Zukunft der Hesshütte
Wie möchtest du die Hesshütte führen? Was ist dir wichtig?
Mir ist wichtig, dass die Menschen mit einem guten Gefühl gehen, zufrieden sind und gerne wiederkommen möchten. Ein Erlebnis, das ich jedem ans Herz lege, ist eine frühe Morgenmeditation beim Sonnenaufgang – denn der Morgen bestimmt den ganzen Tag. Diese Erfahrung hat mich gelehrt, dass man nie aufgeben darf, an sich glauben muss und dass es keine Schande ist, etwas zu versuchen. Wenn ich meinem jüngeren Ich einen Rat geben könnte, dann wäre es: Hab keine Angst zu träumen.
Welche Art von Gästen fühlst du dich besonders verbunden?
Ich freue mich über alle Gäste, die die Berge, die Natur, den Sport und auch die Stille lieben. Menschen, die Gemeinschaft suchen, ebenso wie jene, die einfach abschalten möchten. Ich liebe es, neue Menschen kennenzulernen und mich mit ihnen auszutauschen, besonders wenn wir auf „derselben Wellenlänge“ sind. Ich hoffe darauf, viele inspirierende Persönlichkeiten zu treffen.
Wie möchtest du die Hesshütte prägen?
Mein Ziel ist es, aus der Hütte einen Ort der Verbundenheit zu machen. Zukünftig möchte ich so viel wie möglich auf regionale Produkte setzen und neben klassischer Küche auch modernere Gerichte anbieten, vielleicht spannende vegetarische oder vegane Optionen. Das wäre wirklich schön. Ein Jahr ist einerseits lang, andererseits vergeht es schnell; ich bin gespannt, wie weit ich mit meinen Ideen komme.
Du hast erzählt, dass du dich über jede Unterstützung und jedes Teilen der Informationen freust. Warum ist das aktuell so wichtig für dich?
Weil wir sehr spät mit den Reservierungen gestartet sind. Es war lange unklar, ob überhaupt jemand die Hütte übernimmt, und jetzt geht alles recht schnell. Deshalb bedeutet es mir viel, wenn Leute die Nachricht weiterverbreiten. Das hilft uns enorm und motiviert das Team ungemein.
Zum Abschluss noch drei schnelle Fragen:
Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang?
Sonnenaufgang.
Kaiserschmarrn oder Brettljause?
Kaiserschmarrn.
Alleine am Berg oder mit Gästen?
Mit Gästen und Freunden.
Und in einem Satz: Warum sollte man diesen Sommer zur Hesshütte kommen?
Weil es ein besonderer Ort ist, den wir mit ganz viel Herz führen.

Ankommen, durchatmen, genießen – die Terrasse der Hesshütte ist Treffpunkt für Bergliebhaber.
Hesshütte Gesäuse: Lage, Zustieg und Touren im Überblick
Lage
Die Hesshütte liegt auf 1.699 Metern im Nationalpark Gesäuse (Steiermark, Österreich) – eingebettet in die beeindruckende Bergwelt der Ennstaler Alpen, am Fuße des Hochtors.
Zustieg
Der klassische Aufstieg startet im Johnsbachtal (Parkplatz Bachbrücke).
- Gehzeit: ca. 2,5 bis 3 Stunden
- Höhenmeter: rund 800 m
- Charakter: gut markierter Bergweg, teilweise steiler, aber technisch nicht schwierig
Alternativ gibt es längere Zustiege und Übergänge für erfahrene Berggeher.
Tourenmöglichkeiten
Die Hesshütte ist ein idealer Ausgangspunkt für:
- Hochtor (2.369 m) – einer der bekanntesten Gipfel im Gesäuse
- Übergänge im Buchsteinmassiv
- alpine Mehrtagestouren im Nationalpark
Hütte & Angebot
- Klassische alpine Hütte mit Übernachtungsmöglichkeiten für bis zu 135 Personen
- Warme Küche & regionale Spezialitäten
- Sonnenterrasse mit Blick in die Gesäuse-Bergwelt
Saison
Geöffnet ab 23. Mai (je nach Wetter und Bedingungen) bis 5. Oktober.
Gut zu wissen
- Reservierung wird empfohlen (vor allem an Wochenenden)
- Bargeld mitnehmen
- Wetter im Gesäuse kann schnell umschlagen – gute Planung ist wichtig
Besonderheit
Seit diesem Sommer wird die Hütte von Rebeka Becky Tréfová geführt – mit viel Herz, Mut und einem ganz besonderen Neustart.

Gemütliche Schlafplätze für Bergfexe.




