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EPHEMERIS in München: Wie Dolomiten und Wattenmeer in einer Ausstellung verschmelzen

Kuh auf einer Alm vor dramatischer Dolomitenkulisse mit Felsen und Wolken. Geisler PuezPiera Longia – Die Heilige Kuh: Zwischen schroffen Felsen und Weideflächen prägt traditionelle Almwirtschaft die Landschaft. © Georg Tappeiner, 2026

Zwischen schroffen Felswänden und endlosem Horizont entfaltet sich eine visuelle Zeitreise: „EPHEMERIS“ zeigt, wie eng Dolomiten und Wattenmeer miteinander verbunden sind – und knüpft damit an die Faszination alpiner Landschaften an, wie sie etwa in der Reportage über die Geisler-Dolomiten in Südtirol spürbar wird

Im Bayerischen Nationalmuseum trifft Fels auf Gezeiten, Ewigkeit auf Wandel: Die Sonderausstellung „EPHEMERIS. Dolomiten | Wattenmeer. Georg Tappeiner, Fotografien“ bringt zwei Landschaften zusammen, die gegensätzlicher kaum erscheinen – und doch enger miteinander verbunden sind, als es zunächst scheint.

Dolomiten-Gipfel im warmen Licht des Sonnenaufgangs mit dramatischen Wolken

Die Vajolettürme im Rosengarten: Wenn die Sonne die Gipfel erreicht, verwandeln sich die Dolomiten in eine Bühne aus Licht und Farbe. © Georg Tappeiner, 2026

Erstmals in Deutschland zu sehen, entfalten die großformatigen Fotografien des Südtiroler Künstlers Georg Tappeiner einen eindrucksvollen Dialog zwischen den schroffen Dolomiten und der fließenden Weite des Wattenmeers. Ergänzt durch ausgewählte Objekte aus der Sammlung des Museums, erweitert die Ausstellung den Blick über die reine Naturbetrachtung hinaus um eine kulturhistorische Dimension.

Luftaufnahme einer Insel im Wattenmeer umgeben von Prielen und Sandbänken

Neuwerk, Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer: Eine Insel im Wattenmeer erscheint wie ein Ruhepol inmitten dynamischer Gezeitenlandschaften. © Georg Tappeiner, 2026

Auf den ersten Blick könnten die Unterschiede kaum größer sein: Hier die steil aufragenden Zinnen der Dolomiten, deren helle Felsformationen scharf gegen den Himmel schneiden – ikonische Motive, wie sie auch rund um die Drei Zinnen als Wahrzeichen der Dolomiten immer wieder beschrieben werden. Dort das Wattenmeer mit seinem scheinbar endlosen Horizont, in dem Wasser, Sand und Licht ineinander übergehen.

Die Palagruppe bei San Martino di Castrozza. Schneebedeckte Dolomiten-Gipfel ragen aus Nebel und Wolken hervor

Die Palagruppe bei San Martino di Castrozza: Die Dolomiten zeigen sich im Winter als stille, fast entrückte Hochgebirgslandschaft. © Georg Tappeiner, 2026

Doch geologisch betrachtet teilen beide Landschaften eine gemeinsame Vergangenheit. Wo heute die „Bleichen Berge“ emporragen, erstreckte sich einst ein urzeitliches Meer – eine Vorstellung, die sich beim Blick auf die Dolomitenlandschaft etwa entlang des Dolomitenhöhenwegs und seiner „Architektur der Natur“ besonders eindrucksvoll erschließt.

Weite Landschaft des Wattenmeers mit Nebel und feinen Sandstrukturen

Ostfriesisches Wattenmeer: Die stille Weite des Wattenmeers reduziert sich auf Licht, Horizont und Struktur.

Doch geologisch betrachtet teilen beide Landschaften eine gemeinsame Vergangenheit. Wo heute die „Bleichen Berge“ emporragen, erstreckte sich einst ein urzeitliches Meer – eine Vorstellung, die sich beim Blick auf die Dolomitenlandschaft etwa entlang des Dolomitenhöhenwegs und seiner „Architektur der Natur“ besonders eindrucksvoll erschließt.

Luftaufnahme verschneiter Dolomiten mit Nebel und schroffen Felsstrukturen

Der Heiligkreuz Kofel: Schnee und Fels verschmelzen zu einer skulpturalen Landschaft. © Georg Tappeiner, 2026

Diese Verbindung macht Tappeiner in seinen Arbeiten sichtbar. Mit präzisem Blick für Licht, Struktur und Perspektive verdichtet er die Gegensätze zu einer visuellen Erzählung über Zeit und Transformation. Harte Kontraste und klare Linien der Dolomiten stehen sanften Farbübergängen und fließenden Formen des Wattenmeers gegenüber – ein Spannungsfeld, das auch in alpinen Erfahrungsräumen spürbar wird, etwa beim Klettern in der „Steinernen Stadt“ am Langkofel.

Abstrakte Luftaufnahme von Wasserläufen und Sandbänken im Wattenmeer

Watt bei Trischen: Zwischen Wasser und Sand entstehen fast malerische Strukturen – ein Spiel aus Linien und Flächen. © Georg Tappeiner, 2026

Beide Regionen wurden 2009 als UNESCO-Weltnaturerbe ausgezeichnet – ein Hinweis auf ihre außergewöhnliche Schönheit, aber auch auf ihre Fragilität. Die Ausstellung greift diesen Gedanken auf und lädt dazu ein, über die Verletzlichkeit selbst monumentaler Naturformationen nachzudenken und die Verantwortung des Menschen im Umgang mit diesen Landschaften zu reflektieren.

Luftaufnahme der Drei Zinnen in den Dolomiten mit Regenbogen

Ein seltener Moment: Die Drei Zinnen in den Sextner Dolomiten erscheinen im Licht eines Regenbogens. © Georg Tappeiner, 2026

„EPHEMERIS“ – aus dem Griechischen stammend und sinngemäß „für einen Tag“ bedeutend – verweist auf die Momenthaftigkeit, die Tappeiners Arbeiten durchzieht. Seine Fotografien wirken wie visuelle Tagebucheinträge einer Reise durch geologische Zeiträume und machen zugleich die Vergänglichkeit dieser einzigartigen Naturräume spürbar.

Luftaufnahme des Wattenmeers mit verzweigten Prielen und goldenen Lichtreflexen

Schlickwatt bei Sonnenuntergang: Das Wattenmeer zeigt sich als filigranes Netzwerk aus Wasserläufen und Sandstrukturen. © Georg Tappeiner, 2026

Im Zusammenspiel mit historischen Objekten des Bayerischen Nationalmuseums entsteht darüber hinaus ein feinsinniger Dialog zwischen Natur und Kultur. Formen, Strukturen und Bewegungen der Landschaft spiegeln sich in menschlichen Artefakten wider – eine Verbindung, die sich auch in vielen alpinen Geschichten zeigt, etwa in der Faszination hochgelegener Orte wie dem Rifugio Lagazuoi in den Dolomiten.

Georg Tappeiner, 1964 in Südtirol geboren, widmet sich nach einer internationalen Karriere in der Werbefotografie seit über einem Jahrzehnt der Natur- und Landschaftsfotografie. Seine spektakulären Luftaufnahmen der Dolomiten machten ihn international bekannt und wurden unter anderem in National Geographic Deutschland veröffentlicht. Heute lebt er in Meran und verfolgt mit seinen Arbeiten ein klares Ziel: die Schönheit und zugleich die Verletzlichkeit der Natur sichtbar zu machen.

Die Ausstellung ist vom 26. März bis 24. Mai 2026 im Bayerischen Nationalmuseum zu sehen.

Gut zu wissen

Ausstellungsraum mit Fotografien von Dolomiten und Wattenmeer sowie Vitrinen im Bayerischen Nationalmuseum

Blick in die Ausstellung „EPHEMERIS“ im Bayerischen Nationalmuseum: Fotografien von Georg Tappeiner treffen auf historische Objekte. © Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

Bayerisches Nationalmuseum
Sonderausstellung
EPHEMERIS
Dolomiten | Wattenmeer
Georg Tappeiner, Fotografien
26.03.2026 – 24.05.2026

Über den Fotografen
Natur- und Portraitaufnahmen erweckten schon früh Tappeiners Begeisterung. Nach 20 Jahren erfolgreicher Karriere in der Werbefotografie, u.a. in London und Mailand, widmet er sich seit 2010 ganz der Natur- und Landschaftsfotografie. Seine Luftaufnahmen der Dolomiten, seit 2009 UNESCO-Welterbe, waren Gegenstand einer der umfangreichsten Titelgeschichten von National Geographic Deutschland und führten zur international gezeigten Ausstellung Dolomiten – das steinerne Herz der Welt. Seit 2024 ist u.a. seine neue Ausstellung über die UNESCO-Welterbe-Hügel des Prosecco unterwegs. Seine Fotografien finden Veröffentlichung in Bildbänden, beispielsweise in Zusammenarbeit mit den Messner Mountain Museen oder dem italienischen Kunstverlag Marsilio Arte. Georg Tappeiner (geb. 1964) lebt in Meran, seiner Heimat Südtirol. Sein Ziel ist es, die Schönheit und Verletzlichkeit von Landschaft in monumentalen wie intimen Bildwelten sichtbar zu machen.

Dr. Frank Matthias Kammel und Fotograf Georg Tappeiner bei der Ausstellungseröffnung EPHEMERIS im Bayerischen Nationalmuseum

Dr. Frank Matthias Kammel und Fotograf Georg Tappeiner bei der Eröffnung der Ausstellung „EPHEMERIS“ im Bayerischen Nationalmuseum München. © Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack