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Frühlingstour auf den Hirschbichel: Wandern in den Ammergauer Alpen

Wandergruppe am Gipfelkreuz des Hirschbichels in den Ammergauer Alpen im Frühling mit Schnee und blauem Himmel

Frühlingswanderung auf den Hirschbichel mit Panorama, Altschnee und bester Aussicht auf die Bergwelt rund um Garmisch. © Fotos: Enno Kapitza

Eine Frühlingstour auf den Hirschbichel in den Ammergauer Alpen, wo noch viele weitere Berge tierische Namen tragen.

Im Naturpark Ammergauer Alpen geht es mitunter tierisch zu. Nicht nur die vielen Wanderer an milden Sommertagen oder Skitourengeher bei guter Schneelage an Winterwochenenden sind damit gemeint. Auch nicht die fragile Vielfalt der Tierwelt, bestehend aus Rotwild, Gämsen, stark gefährdeten Auerhühnern, seltenen Brutvögeln, Schmetterlingsarten und angeblich existierenden, aber nie zu sehenden Kreuzottern, die es vor allem im Naturschutzgebiet Ammergebirge gibt. Deutschlands größtes auf Land. Oder die vom bunten Vogel und bis dato unangefochtenen Platzhirschen Ludwig II. gebauten Königsschlösser Linderhof und Neuschwanstein.

Tierische Bergnamen in den Ammergauer Alpen

Die Rede ist von faunistisch benannten Bergen und Orten in der bis zu 2340 Meter hohen Gebirgsgruppe, die sich von Bayern über Schwaben bis nach Tirol zieht. Benannt nach der Ammer, die aus dem wunderschönen Ettaler Weidmoos entspringt, vor dem die Linder, die sich oberhalb noch lange durch das Graswangtal schlängelt, im Schotter versickert.

Drei Geierköpfe zählt das gleichnamige Bergmassiv: den Westlichen, den Hohen und den Östlichen Geierkopf. Geiernd auf Gipfelbrotzeit stehen oft hungrige Dohlen vogelwild im Wind über der Krähe, von deren senkrecht nach Norden abfallendem Gipfel man auf den Forggensee im Allgäu und weit ins Tiefland blickt. Eier findet man nicht auf dem Hennenkopf, Köttel unklarer Provenienz auf dem Hohen und Vorderen Ziegspitz hingegen schon. Das Hasental hat natürlich einen dazugehörigen Kopf, unweit des Hirschwangs und den Hundsfällköpfen, fernab vom Schuss im Herzen der Ammergauer Alpen. Einen Fuchskopf sucht man hier aber leider vergeblich. Blickt man mit Adleraugen vom Gipfel des Frieder gen Osten, so schaut man über den Saurücken ins Tal und sieht auf den Geißsprüngkopf unterhalb des Kienjochs andere Wanderer stehen. Gegenüber dem bedrohlich klingenden Wolfskopf steht der Maulkopf. Wen wundert‘s, dass dort auch ein Angstbach fließt. Gut, dass der sanfte Schafkopf etwas weiter, mit sicherem Abstand davon im Osten unscheinbar über dem Loisachtal thront und der zu jeder Jahreszeit begehbare Ochsenälpeleskopf noch weiter südwestlich. Selbigen kann man auch über das Kuhkarjoch erreichen. Schön rasten kann man am Ochsensitz unterhalb der Notkarspitze.

Wandergruppe am Wegweiser Richtung Stepbergalm und blaue Frühlingsblumen

– 1 Quo vadis, Quattro? Weggabelung am Tourenbeginn. – 23 Lila Frühlingsgruß: Leberblümchen. – 3 Platzhirsch: der Daniel ist der höchte Gipfel der Ammergauer Alpen. – 4 Trittsicher wie ein Yak: Dominik tigert durch den lichten Bergkiefernwald.

Wanderung auf den Hirschbichel bei Garmisch-Partenkirchen

Unsere Tour auf den Hirschbichel beginnen wir am Tierheim in Garmisch-Partenkirchen, über dem uns ein Katzenkopf auf der Karte auffällt. Als Teil des Kramermassivs, dessen saumäßig steile Südwand wir durch lichten Kiefernwald und zwischen vergilbtem Hochgras gen Westen hochtigern, im unteren Bereich das Hennenbächel queren und unterhalb eines Schafwankels (bayerisch für Schafweide, von Wank = Hochweide) im Gänsemarsch vorbeitrotten.

Wanderer beim Aufstieg auf den Hirschbichel oberhalb von Garmisch-Partenkirchen mit Blick ins Tal

M&M vor Zugspitzmassiv: Marion und Matthias im Aufstieg durch den Kiefernbergwald der Kramersüdwand.

Frühling, Schnee und Panorama am Hirschbichel

Der Hirschbichelrücken ist auf einer Seite noch nicht ganz durchgegart. Die Niedrigtemperaturen der Märznächte haben den Schnee auf seiner schattigen Nordflanke noch nicht geschmolzen, eine Schwalbe oder ein warmer Frühlingstag macht bekanntlich ja noch keinen Sommer. Abfahrtsspuren aus dem momentan in Frühling übergehenden Winter sind noch erkennbar. Sie erinnern mein Hühnerhirn daran, dass der Hang immer noch auf meiner To-Skitour-Liste steht. Heute sind wir im Rudel zu fünft und ohne Skier auf der ersten Tour der ab heute für uns startenden Bergsaison unterwegs. Wir alle gehen zum ersten Mal auf diesen Berg, oder korrekt gesagt Hügel. Dem Namen nach ist er eigentlich nur eine kleine Anhöhe (Bichel/Bühel, Dialektform vom alten Wort Bühl).

Dieser Hirschhügel ist aber nur wenig niedriger als die benachbarte, imposante Kramerspitz über Garmisch-Partenkirchen und etwas höher als der eingangs erwähnte Hohe Ziegspitz, zwischen denen er oberhalb der im Sommer gut besuchten, traumhaft gelegenen Stepbergalm die Kramergruppe in den Ammergauer Alpen komplettiert. Dort zieht es gerade wie Hechtsuppe, weswegen wir auf der Alm nach ungefähr zwei Dritteln des Aufstiegs auf einer Bank an einer Hauswand Rast und Schutz vor dem Wind suchen, der die abstrahlende Kälte der Altschneefelder aus höheren Lagen mitbringt. Wie Vögel auf der Stange sitzen wir da, während wir Naschkatzen mit Bärenhunger unsere Brotzeit und heißen Tee vor der winterfest gemachten Alm genießen.

Wandergruppe vor der Stepbergalm in den Ammergauer Alpen im Frühling

Schee mit Schnee: Brotzeit vor der Stepbergalm.

Stepbergalm und Zugspitzblick: Aussicht in der Kramergruppe

Nicht schlecht, Herr Specht, denken wir uns angesichts des Panoramas, das sich uns darbietet. Gegenüber von uns, greifbar nah, steht einer Rampensau gleich das Wettersteingebirge mit dem Zugspitzmassiv, dem Jubiläumsgrat und der Alpspitze, in deren nordseitigem Schatten das Garmisch-Classic-Skigebiet an seinen letzten Saisontagen Ende März seine weißen Finger noch mit letzter Kraft in das grüne Tal streckt.

Blick auf das Garmisch-Classic-Skigebiet und verschneite Berge im Frühling

Weiße Ausläufer: Skigebiet Garmisch-Classic am Ende der Skisaison.

Weiter westlich steht der Daniel, höchster Berg der Ammergauer Alpen, mit seiner markanten, nach oben spitz zulaufenden Westwand, die manch einen an das Matterhorn erinnert. Dahinter tragen auch das Mieminger Gebirge mit der Sonnenspitze und der Hochwannig mit seinem steilen Nordkar noch ihr weißes Winterfell.

Wandern zwischen Winter und Frühling

Im Schatten des Winters, in der Sonne des Frühlings. Die treffende Redewendung hat die Kleiderwahl unserer heutigen fünfköpfigen Wandergruppe seltsame Blüten treiben lassen. Den unausgerufenen „Wer friert heute am wenigsten“-Contest hat Matthias vom Start weg für sich entschieden, uns allen stets eine freie Bein- und Armlänge voraus. Er trägt kein dichtes Fell an seinen hirschartig langen Extremitäten. Sie sind noch winterbleich und sonnenhungrig.

Mit der Wahl seiner leichten Trekkingschuhe, der kurzen Hose und dem luftigen Tanktop hat er den Vogel abgeschossen und wirkt auf dem winterlichen Tourenfinale wie ein bunter Hund, schimpft aber wie ein Rohrspatz, als ihm der Schnee oben in seine Schuhe fällt. Denn auf dem Hirschbichelrücken liegt noch reichlich Schnee, durch den wir mit gedrosseltem Tempo der Stapfspur zum Gipfel folgen. Bis hierher hat uns der von der Frühlingssonne weitestgehend aufgeaperte Südhang in unserer Wahl der Tour bestätigt. Nicht ganz 2000 Meter Höhe erreicht der Hügel, um den herum sich wohl zur Zeit der Namensgebung viel Rotwild getummelt haben muss oder die Taufpaten zu viel Met getrunken hatten und im Berg über der Stepbergalm die Gestalt eines Hirsches erkannten.

Schneebedeckter Rücken am Hirschbichel mit Panorama der Ammergauer Alpen

Zu kurz gedacht: Matthias im Sommeroutfit auf dem verschneiten Hirschbichelrücken, dahinter die Kramerspitz.


Wanderer im Aufstieg durch Altschnee und Frühlingslandschaft am Hirschbichel

– 1 Tatzelwurm am Stepberg Alpensteig. – 2 Zeigt uns seine kalte Schulter: Aufschwung auf den Hirschbichelrücken. – 3 Bunter Vogel auf weiß: Uli im farbenfrohen Outfit. – 4 Weißblau mit grünem Akzent: im Himmel über den Ammergauern.

Gipfelglück auf dem Hirschbichel

Uli bewegt sich in ihren wie gebatikt wirkenden bunten Leggings unter dem Bergrock elegant wie eine Gämse auf dem Grat. Die nicht minder behende Bergziege Marion hat heute ein kohlrabenschwarzes Outfit gewählt und changiert temperaturabhängig zwischen Tanktop mit oder ohne roter Bergjacke. Dominik geht in taubenblauem Oberteil und mausgrauer Hose trittfest wie ein Yak zum Gipfel. Platz zwei der Kälteleugner beanspruche ich, alter Berghase und im Sternzeichen Steinbock, mit meinen abgezippten Hosen, deren Wärmeverlust an den Waden ich eingeigelt in meine Daunenjacke ausgleiche. Stolz wie Pfauen lassen wir uns gemeinsam am Gipfelkreuz ablichten, wo Matthias sich danach vor Genuss röhrend wie ein Hirsch südseitig in der Sonne aalt.

Panorama am Hirschbichel mit Wettersteingebirge und Wandergruppe im Frühling

–1 Aalt sich auf noch wintergelbem Gras: Matthias unterhalb des Gipfels. – 2 Von A bis Z: links die Alpspitze, dazwischen der Jubiläumsgrat bis zur Zugspitze. – 3 Abstieg über den „Gelbes Gwänd Steig“. – 4 Im Schatten der Winter, in der Sonne der Frühling.

Rundtour über den Gelbes-Gwänd-Steig

Tiere sehen wir leider keine auf unserer langen Tagestour, die wir im Abstieg als Runde über den teils bock-steilen „Gelbes Gwänd Steig“ machen.

Heute Nacht werden wir alle sicher wie die Murmeltiere schlafen und mit ordentlichem Muskelkater und Schmetterlingen im Bauch vor lauter Vorfreude auf die Sommersaison aufwachen. Da beißt die Maus keinen Faden ab!

Historische Gedenktafeln in einer Felswand am Wanderweg bei Garmisch

Bildstock an der „Gelbes Gwänd“.

Gut zu wissen

Tour auf den Hirschbichel in den Ammergauer Alpen

In der Zwischensaison, wenn nordseitig und in höheren Lagen noch Schnee liegt, ist die Tourenwahl wichtig: immer südseitige und nicht allzu hoch führende Routen wählen.
Grödel und Stöcke sind wichtig, falls man doch noch alte Schneefelder queren muss.
Vorsicht: Es besteht große Unfallgefahr durch Abrutschen über steile, oft noch verharschte Schneehänge in schattigen Lagen.

Die Tour auf den Hirschbichel in den Ammergauer Alpen beginnt am Tierheim Garmisch-Partenkirchen. Der Aufstieg über den Stepberg Alpensteig ist stellenweise steil, aber nie schwierig.

Die Stepberg Alm (www.stepbergalm-gap.de) öffnet erst in der Sommersaison (von Mitte Mai bis Ende Oktober), daher sollte man in der Zeit davor und danach eigenen Proviant mitführen. Von dort geht es über den Hirschbichelrücken auf seinen wunderbaren Aussichtsgipfel. Auf dem Grat meist noch Altschnee bis ins späte Frühjahr, den man auf einer ausgetretenen Stapfspur im Schnee gehen kann. Grödel sind hier empfehlenswert.

Abstieg über den Gelbes Gwänd Steig, der stellenweise steil, aber ebenfalls nicht allzu schwierig ist.

Tourdaten: 1284 Höhenmeter, 14,5 Kilometer.