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Moderne Tracht 2026: Wie alpine Mode heute getragen wird

Drei Models in moderner Tracht mit Jankern, Denim und Accessoires vor dem Eingang des Alpinen Museums in München

Hubert, Sophie und Chiara in moderner Tracht im Eingangsbereich des Alpinen Museums. © Fotos: Stefan Pabst

Tracht muss nicht neu erfunden werden, um neu auszusehen. Manchmal genügt es, ihre vertrauten Bestandteile aus den gewohnten Zusammenhängen zu lösen. Ein Janker trifft auf Denim. Das Mieder verliert den dazugehörigen Rock und findet eine Hose. Zum Dirndl kommen nicht die erwartbaren Trachtenschuhe, sondern Slingbacks oder Mules. Und eine klassische Weste funktioniert plötzlich mit Poloshirt und moderner Wollhose.

Drei Models in moderner Trachtenmode mit Jankern und Denim im Eingangsbereich des Alpinen Museums
Aufnahme im Eingangsbereich und Foyer des Alpinen Museums

Genau davon erzählt die Modestrecke aus ALPS 70. Ihre Looks behandeln Tracht weniger als festgelegte Kombination denn als Garderobe, aus der sich einzelne Stücke herauslösen und neu zusammensetzen lassen.

Der Janker verlässt die Trachtengarderobe

Besonders deutlich wird das beim Janker. Stajan, Lodenfrey, Grasegger und Heinzelstück zeigen ihn in unterschiedlichen Materialien und Interpretationen – Stylistin Yuliya Hasanov kombiniert ihn jedoch nicht ausschließlich mit klassischen Trachtenstücken.

Schon der Auftakt der Strecke macht das Prinzip sichtbar: Model Hubert trägt einen Trachtenjanker von Stajan und eine Lodenfrey-Weste zur Bogner-Jeans. Model Sophie kombiniert ihren Stajan-Janker mit einem Denim-Midirock, Model Chiara einen Denimjanker mit weit ausgestellter Jeans. Traditionelle Form und zeitgenössische Silhouette stehen dabei nicht gegeneinander. Sie ergänzen sich.

Auch bei der Herrenmode funktioniert dieser Ansatz. Walk, Loden und Cord treffen auf Poloshirt, moderne Wollhose oder ein schlankes Tailoring. So wird aus dem klassischen Trachtenjanker ein Kleidungsstück, das weit über seinen traditionellen Anlass hinaus funktioniert.

Drei Models in moderner Trachtenmode mit Jankern und Denim vor dem Alpinen Museum in München
HUBERT Trachtenjanker „Franz-Josef“ von STAJAN, Trachtenweste „W. Georg“ von LODENFREY, Stehkragenhemd „Gkopeke“ von GRASEGGER, Jeans „Travis“ von BOGNER, Ledergürtel mit Messingschließe von HALFS, Lederstiefel „Otto“ von HALFS, Lodenrucksack „Schlossberg“ von STAJAN. SOPHIE Trachtenjanker „Hannover“ von STAJAN, Denim-Midirock „Naila“ von BOGNER, Tasche „Polo“ von STAJAN, Clogs „Denim Contrast“ von TOMMY HILFIGER. CHIARA Denimjanker „Palazzo Pitti“ von STAJAN, Flared Fit Jeans „Devin“ von BOGNER, Pasticcino Ledertasche „Utile“ von WEEKEND MAX MARA, Pumps von Marco Tozzi.
Rückenansicht einer Trachtenweste mit gesticktem alpinem Motiv in der Bibliothek des Alpinen Museums
HUBERT Trachtenweste „Meran“ von STAJAN.
Model in modernem Herrenlook mit Trachtenweste und dunkler Hose vor Bücherregalen der Alpinen Bibliothek
HUBERT Männerwalkjanker „MATTIS“ von HEINZELSTÜCK, Strick-Poloshirt „Finn“ von BOGNER, Hose „Marcus“ von BOGNER, Lederschuhe „Jackl“ von HALFS.

Das Dirndl braucht keinen Traditionsbruch

Ähnlich ergeht es dem Dirndl. Die Modelle von Traumtrachten und Heinzelstück werden nicht dadurch modern, dass man ihnen ihre charakteristischen Merkmale nimmt. Mieder, Bluse, Rock und Schürze bleiben klar erkennbar.

Neu wirkt vielmehr das Drumherum. Samt-, Leder- und Fake-Fur-Taschen aus der Pasticcino-Linie von Weekend Max Mara, Slingback Pumps von Valentino oder Mules von Aeyde verschieben den Look aus dem ausschließlich traditionellen Kontext in eine selbstverständliche moderne Garderobe.

Das Dirndl muss sich dabei nicht verkleiden, um zeitgemäß zu wirken. Gerade die Spannung aus vertrauter Silhouette und unerwartetem Styling gibt ihm eine neue Präsenz.

Drei Models in Dirndl, Janker und moderner Herrentracht in einem historischen Raum des Alpinen Museums
SOPHIE (M.) Trachtenjanker „Lisa“ von STAJAN, Kurzarmpulli „CARLA“ von henri loves, Glockenrock „VICTORIA“ von HEINZELSTÜCK, Pasticcino Fake Fur Mini Bag „Tubo“ von WEEKEND MAX MARA, Lederstiefeletten „Michaela“ von HALFS.
Model im Dirndl Theresia von Traumtrachten mit grauem Kurzarmpullover und roter Pasticcino-Tasche
CHIARA Dirndl „Theresia“ von TRAUMTRACHTEN, Kurzarmpulli „CARLA“ von henri loves, Pasticcino Samttasche „Giochi“ von WEEKEND MAX MARA, Lederstiefeletten „Michaela“ von HALFS.
Model im dunkelblauen Leinendirndl AVA von Heinzelstück mit karierter Bluse und roter Samttasche
CHIARA Leinendirndl „AVA“ von HEINZELSTÜCK, Dirndlbluse „Jara“ und Dirndlschürze „GRETA“ von HEINZELSTÜCK, Pasticcino Samttasche „Giochi“ von WEEKEND MAX MARA.
Zwei Models im Dirndl und ein Model im hellen Trachtensakko vor einem Gletschervlies im Alpinen Museum
CHIARA Dirndl „Lorena“ von TRAUMTRACHTEN, Seidenbluse „Hedwig“ von TRAUMTRACHTEN, Slingback Pumps von VALENTINO. HUBERT Trachtensakko „S. Lindau“ aus Schurwoll-Cashmeremix, Trachtenweste „W. Inn“ und Anzughose „H. Jaro“ von LODENFREY, Stehkragenhemd „Gkopeke“ von GRASEGGER, Ledergürtel von HALFS, Lederstiefel „Javier“ von HALFS. SOPHIE Dirndl „Livia“ und Dirndlbluse „Floriana“ von TRAUMTRACHTEN, Pasticcino Fake Fur Mini Bag „Tubo“ von WEEKEND MAX MARA, Danielle Pony Hair Mules von AEYDĒ.

Tracht wird zum Baukastensystem

Noch interessanter wird es dort, wo die vollständige Tracht ganz aufgelöst wird. Chiara trägt ein Trachtenmieder von Grasegger zur passenden Trachtenhose. Sophie kombiniert Brokatjanker und Trachtenrock, andernorts trifft der Glockenrock von Heinzelstück auf Kurzarmpulli und Janker.

Solche Looks zeigen, wie vielseitig einzelne Elemente einer Trachtengarderobe sein können. Mieder, Weste, Janker oder Rock müssen nicht auf ihren angestammten Partner warten. Sie funktionieren als eigenständige Kleidungsstücke – und eröffnen damit wesentlich mehr Kombinationsmöglichkeiten.

Model im braunen Trachtenmieder und weiter Trachtenhose von Grasegger mit Lederstiefeln im Museumsgarten
CHIARA Trachtenmieder „Patricia“ und Trachten-hose „Ggreta“ von GRASEGGER, Pasticcino Fake Fur Mini Bag „Tubo“ von WEEKEND MAX MARA, „Saucisse Blanche“ Collier von CARL WEISHAUPT via HALFS, Lederstiefeletten „Michaela“ von HALFS.
Model im braunen Trachtenjanker mit Trachtenbluse und Velourlederleggings im Garten des Alpinen Museums
SOPHIE Trachtenjanker „Basel“ von STAJAN, Trachtenbluse „Helen“ von TRAUMTRACHTEN, Velourlederleggings „SUE“ von HEINZELSTÜCK, Pasticcino Nappaledertasche „Prati“ von WEEKEND MAX MARA.
Model in braunem Cordjanker, Trachtenweste und Cordhose von Grasegger in der historischen Höllentalangerhütte
HUBERT Cordjanker „Gobolus“, Trachtenweste „Gkreuzer“, Stehkragenhemd „Gkopeke“ und Cordhose „Gturi“ von GRASEGGER, Lederschuhe „Jackl“ von HALFS.
Model in gemustertem Brokatjanker und blauem Trachtenrock von Grasegger in der Höllentalangerhütte
SOPHIE Brokatjanker „Ghermine“ und Trachtenrock „Givana“ von GRASEGGER, Pasticcino Ledertasche „Nerine“ von WEEKEND MAX MARA, Lederstiefeletten „Michaela“ von HALFS.
Drei Models in moderner Trachtenmode vor der historischen Höllentalangerhütte im Garten des Alpinen Museums
Aufnahmen vor und in der Höllentalangerhütte des Alpinen Museums

Accessoires setzen den Kontrapunkt

Eine wichtige Rolle spielen dabei die Accessoires. Sie müssen nicht aus der Trachtenwelt stammen, um mit Tracht zu funktionieren. Im Gegenteil.

Die Pasticcino Bags von Weekend Max Mara tauchen in Samt, Leder und Fake Fur auf. Dazu kommen Schmuck von Kurt Geiger, die augenzwinkernde „Saucisse Blanche“ von Carl Weishaupt sowie Schuhe von Valentino, Aeyde, HalfS und Marco Tozzi.

Gerade diese Details verhindern, dass aus den Kombinationen ein historisierendes Gesamtbild entsteht. Sie setzen kleine Brüche – und geben den Looks Individualität.

Detail eines roten Trachtenrocks mit kleiner roter Fake-Fur-Pasticcino-Tasche von Weekend Max Mara
Pasticcino Fake Fur Mini Bag „Tubo“ von WEEKEND MAX MARA
Detailaufnahme eines goldfarbenen Ohrrings zu einem modern gestylten Trachtenlook
SOPHIE Ohrringe von KURT GEIGER, Lederstiefel „Resl“ von HALFS.

Moderne Tracht kennt ihre Herkunft

Darin zeigt sich eine der interessantesten Entwicklungen alpiner Mode: Tradition und Zeitgeist müssen keine Gegensätze sein.

Ein Janker darf ein Janker bleiben. Ein Dirndl muss seine Silhouette nicht aufgeben. Loden, Walk, Brokat oder Cord brauchen keine modische Rechtfertigung. Entscheidend ist vielmehr, wie diese Stücke heute getragen und miteinander kombiniert werden.

Die Mode aus ALPS 70 versteht Tracht deshalb nicht als festgelegten Dresscode. Sie behandelt sie als Garderobe mit Geschichte – und genau diese Geschichte macht sie interessant für neue Kombinationen.

Fotografiert wurde die Strecke im Alpinen Museum des Deutschen Alpenvereins auf der Münchner Praterinsel. Sonderausstellung, Bibliothek, Museumsgarten und die historische Höllentalangerhütte wurden für einen Tag zur Kulisse der Mode. Dem Museum selbst und der Frage, wie dort alpine Geschichte bewahrt und ihre Zukunft verhandelt wird, widmen wir einen eigenen Beitrag.

Model im dunkelblauen Trachtenjanker von Lodenfrey mit Weste und Schurwollhose im Garten des Alpinen Museums
HUBERT Trachtenjanker „S. Neufeld“ von LODENFREY, Trachtenweste „Erzherzog Johann“ von STAJAN, Schurwollhose „Marcus-4“ von BOGNER, „Saucisse Blanche“ Anstecknadel von CARL WEISHAUPT via HALFS.
Model im hellen Trachtensakko mit Weste und Anzughose in der Sonderausstellung des Alpinen Museums
Aufnahme in der Sonderausstellung des Alpinen Museums

Fotos
Stefan Pabst @stpabmuc

Styling
Yuliya Hasanov @yuliya.hasanov

Photo-Assistant
Isabella Pötter, @isidiekamerafrau

Styling-Assistant
Nata Pysarenko, @dr.natapysarenko

Hair & Make-up
Katia Kostidou, @kayalized
Natalia Winkler, @nataliawinkler.makeup
Yvonne Kaspar, @yvonnekasparmakeup
Flechteria Team, @flechteria

Models
Sophie Hanisch @sophi.hx
Chiara Breiner @chiara.breiner
Hubert Kneisl @hubert__knl

Location
Alpines Museum des Deutschen Alpenvereins e. V., @alpinesmuseum_dav