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Der Ruas auf Skiern: Wie ein Tiroler Kaminkehrer Tradition, Natur & Handwerk im Pillerseetal verbindet

Ein Kaminkehrer auf Skiern – eine Wintergeschichte über Tradition, Handwerk und das Glück im Pillerseetal.

Der Ruas im Pillerseetal: Kaminkehrer-Tradition trifft alpinen Winteralltag © Fotos: Philipp Photo

Der Ruas im Pillerseetal: Wie ein Tiroler Kaminkehrer auf Skiern sein Glück bringt

Wenn im Pillerseetal der erste Schnee fällt, beginnt für Hannes Harasser die schönste Zeit seines Berufslebens. Während andere ihre Skier für den Urlaub wachsen, schnallt er sie an, um zu arbeiten. Sein Arbeitsplatz liegt dort, wo die Straße endet – auf den Hütten, Almen und Höfen hoch über Fieberbrunn im Pillerseetal. Mit Kehrbürste und Besen fährt der Kaminkehrermeister auf Skiern von Hütte zu Hütte. Sein Weg führt über verschneite Wiesen, durch stille Wälder und hinauf auf Dächer, die unter glitzerndem Pulverschnee verschwinden.

Arbeiten auf 1.500 Metern: Ein Leben zwischen Hütten, Almen und tiefem Schnee

Seit bald 40 Jahren übt Hannes Harasser seinen Beruf aus, seit 2003 als selbstständiger Meister. Er kennt die Arbeit in all ihren Facetten – vom engen Kamin im Wohnhaus im Tal bis zum tief eingeschneiten Almdach in 1.500 Metern Höhe. Mit einem Lächeln erzählt er, dass ihm die Aufstiege früher leichter gefallen sind. Heute überlässt er die anstrengendsten Touren im Hochwinter gern seinen Lehrlingen. Das bringe nicht nur Erfahrung, sagt er, sondern vor allem Begeisterung für das Handwerk.

Hannes Harasser Tiroler Kaminkehrer

Schornsteinfeger-Handwerk als Kulturerbe: Alte Techniken im modernen Tirol

Das Schornsteinfeger-Handwerk reicht bis ins Mittelalter zurück und gilt heute als immaterielles Kulturerbe. Informationen dazu finden sich auch bei der UNESCO zum Immateriellen Kulturerbe. Es umfasst alte Techniken wie das Kehren, Beschliefen oder Patschokieren – Tätigkeiten, die einst über Leben und Tod entschieden. Harasser steht in dieser langen Tradition, hat sie aber längst an die Gegenwart angepasst. Je nach Brennstoff müssen die Kamine ein bis vier Mal im Jahr kontrolliert werden. Mit Skiern gelangt er dorthin, wo kein Fahrzeug hinkommt – zu entlegenen Almhütten, in denen Holzöfen und offene Feuerstellen noch täglich gebraucht werden. „Ich schätze meinen vielseitigen Alltag und liebe es, so viel Zeit an der frischen Luft zu verbringen“, sagt Harasser. „Der Blick auf die Kamine gewährt mir auch viele schöne Einblicke in das Leben der Familien.“ Es ist diese Nähe zu den Menschen, die ihn antreibt. Die Verantwortung. Die Liebe zu einem Beruf, der sich in den Bergen mit der Natur verbindet.

Tradition trifft Alpenwinter: Der Ruas aus dem Pillerseetal unterwegs auf Skiern.

Sicherheit am Dach: Verantwortung zwischen Kamin, Winter und Feuerwehrdienst

Sicherheit ist für Kaminkehrer das oberste Gebot – besonders im Winter, wenn vereiste Dächer und rutschige Leitern die Arbeit erschweren. Professionelle Kaminkehrer wissen, wie wichtig Ausrüstung, Erfahrung und Vorsicht sind. Harasser lebt dieses Verantwortungsbewusstsein nicht nur im Beruf, sondern auch privat: Als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Fieberbrunn steht für ihn der Brandschutz an oberster Stelle. Das Handwerk und die Feuerwehrarbeit ergänzen sich. Beide verlangen Sorgfalt, Präzision und einen kühlen Kopf. Weitere Informationen zur regionalen Fachinnung findet man bei der Tiroler Schornsteinfeger-Innung.

Digitalisierung im Handwerk: Moderne Tools für ein jahrhundertealtes Berufsfeld

Auch im Kaminkehrerwesen hat die Digitalisierung Einzug gehalten. Früher wurden alle Arbeiten handschriftlich in einem Buch notiert, heute hilft eine Kehr-App bei der Organisation von Routen und Terminen. Die Verbindung aus jahrhundertealtem Wissen und moderner Technik zeigt, wie wandlungsfähig das Handwerk geblieben ist. Trotz App und Datenbank bleibt die Arbeit draußen das Herzstück des Berufs – auf den Dächern, im Schnee, im Wind.

Skifahrend von Hof zu Hof: Warum der Ruas im Winter zum regionalen Symbol wird

Im Winter, wenn Harasser und seine Mitarbeiter auf Skiern von Hof zu Hof ziehen, wird sichtbar, wie sich Tradition und Gegenwart verbinden. Die Bewegung auf Skiern ist mehr als Fortbewegung. Sie ist Teil der regionalen Identität. Sinnbild für das, was das Handwerk im Alpenraum ausmacht: Anpassungsfähigkeit, Bodenständigkeit und Leidenschaft.

Glücksbringer „Ruas“: Ein Symbol für Wärme, Sicherheit und Tiroler Identität

Schornsteinfeger gelten seit Jahrhunderten als Glücksbringer – und in Tirol nennt man sie liebevoll „Ruas“, abgeleitet vom Wort Ruß. Früher brachten sie Sicherheit in Häuser, die aus Holz gebaut waren. Heute sorgen sie für das Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Im Pillerseetal erkennt man Harasser schon von weitem: Ein schwarzer Punkt in der weißen Weite, der auf Skiern seinem nächsten Auftrag entgegenfährt. Ein Bild, das sinnbildlich steht für ein Handwerk zwischen Himmel und Erde, Schnee und Feuer, Tradition und Moderne.

Wenn Hannes Harasser am Ende eines langen Wintertages ins Tal hinabgleitet, ziehen Rauchfahnen über den Dächern. In diesen Momenten zeigt sich, was sein Beruf bedeutet: Verlässlichkeit, Sorgfalt und ein Stück Glück für die Menschen, die sich auf ihn verlassen. Und so bleibt der Ruas aus dem Pillerseetal – mit seinen Skiern und seiner Bürste – ein Symbol für ein altes Handwerk, das im Hier und Jetzt zuhause ist.