Die Nachfrage nach achtsamen Wintererlebnissen abseits der Pisten steigt – das belegen Zahlen. Im Interview erklärt Bergwanderführerin und Waldbaden-Trainerin Lisa Flatscher aus dem Pillerseetal, warum sanfter Winterurlaub mehr ist als nur ein Trend
Entschleunigung, schneearme Winter und die Sehnsucht nach Authentizität machen den sanften Winterurlaub zur zukunftsweisenden Alternative. Das belegt auch der aktuelle TUI Reisetrend-Check 2026: 34,9 Prozent der Befragten stufen Landschaft und Natur als besonders wichtig bei der Wahl des Reiseziels ein. Fast 60 Prozent verzichten für authentische Naturerlebnisse auf gewohnte Annehmlichkeiten.

Sanfter Winterurlaub bedeutet bewusstes Unterwegssein in der Natur – Bergwanderführerin Lisa Flatscher lebt diese Philosophie im Pillerseetal.
Lisa Flatscher, staatlich geprüfte Berg-Wanderführerin und Waldbaden-Trainerin aus dem Pillerseetal, lebt diese Philosophie täglich. Im Gespräch erklärt die Expertin die Bedeutung des sanften Winterurlaubs und warum die Wiederentdeckung der Langsamkeit Antwort auf gesellschaftliche und klimatische Herausforderungen bietet.
Lisa, was bedeutet für Dich persönlich sanfter Winterurlaub?
Draußen sein. Sich selbst spüren. Mit jedem Schritt mehr bei sich ankommen. Es geht nicht um Geschwindigkeit oder Action, sondern um ein ganzheitliches Erlebnis. Darum, mit allen Sinnen unterwegs zu sein, mit den Geräuschen, der Luft, dem Licht.
Ist sanfter Tourismus eine Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen?
Absolut. In unserer Zeit lassen wir vieles für uns machen. Wir geben Verantwortung ab, wir lassen uns bewegen – von Maschinen oder einem Coach. Beim Wandern ist es das Gegenteil. Jeder Schritt muss selbst gemacht werden. Man lernt sich wieder besser kennen. Man hat es selbst in die Hand genommen. Man hat für selbst etwas Gutes getan. Das wertschätzen die Leute sehr.
Kann sanfter Winterurlaub auch wirtschaftlich funktionieren?
Auf jeden Fall. Ich sehe darin großes Potenzial. Sanfter Wintertourismus ist unabhängig von perfekten Schneebedingungen. Wandern geht immer, mit oder ohne Schnee. Die Menschen suchen immer öfter Ruhe und Echtheit. Weniger Spektakel und mehr hier und jetzt. Aber wir brauchen Mut, diesen Weg konsequenter zu gehen. Nicht als Marketing, sondern als ernsthaftes Angebot.
Wie merkst du, dass deine Gäste bei sich ankommen?
Oft kommen die Leute mit einer riesigen Wunschliste. In der ersten Viertelstunde steigen sie mir hinten auf die Schneeschuhe drauf, ich bin zu langsam. Sie brauchen Zeit, um runterzukommen. Aber dann spüren sie: Es geht um Bewegung aus eigener Kraft. Schritt für Schritt weniger als mehr wahrnehmen. Wer dieses Gefühl kennenlernt, empfindet es als wohltuend, nichts leisten zu müssen.
Was wünschst du dir für den Wintertourismus?
Dass wir aufhören, nur perfekte Bilder anzubieten. Niemand braucht ständig glitzernde, spurenfreie Almen aus Prospekten. Glück bringen nicht Inszenierungen, sondern echte, kleine Erlebnisse. Wenn du nach der Wanderung frierst und dann in die warme Stube kommst. Wenn wir die Latte, was uns Glück bedeuten soll, selbst niedriger legen und diese kleinen Sachen mehr betonen, die in Fülle da sind, dann ist es gut.
Sanfter Winter im Pillerseetal
Als einheimische Expertin kennt Lisa Flatschers die schönsten Plätze im Pillerseetal und gibt gerne persönliche Tipps für unvergessliche Wintererlebnisse weiter.

Sanfter Winterurlaub im Pillerseetal: Winterwanderwege führen durch stille Natur und laden zum Innehalten ein. © Foto: TVB Pillerseetal/Ewelina Herzog
Winterwanderwege (insgesamt 100 km Netz)
• Streubodenalm-Runde: 8,5 km, mittelschwer, Einkehr möglich (Lisa-Tipp: Beste Aussicht am frühen Morgen)
• Pillersee-Rundwanderung: Leichte Familienwanderung um den See (Lisa-Tipp: Im Winter besonders romantisch bei Neuschnee)

Schneeschuhwandern im Pillerseetal steht für Entschleunigung, Bewegung aus eigener Kraft und echte Wintererlebnisse. © Foto: Stefan Ringler
Schneeschuhtouren-Empfehlungen
• Geführte Fackelwanderung durch die Wälder: Jeden Dienstag mit Lisa Flatscher (Lisa-Tipp: Perfekt für Einsteiger)
• Gipfeltour zur Steinplatte: Anspruchsvolle Tour mit Bergpanorama (Lisa-Tipp: Bei klarer Sicht bis zum Watzmann)
Langlaufzentren
Das Loipennetz in Fieberbrunn, Hochfilzen, St. Jakob in Haus, St. Ulrich am Pillersee und Waidring bietet über 100 Kilometer verschiedene Strecken in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden an.

Langlaufen im Pillerseetal verbindet sanften Wintersport mit intensiven Naturerlebnissen. © Foto: Mirja Geh




