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Nach dem K2 kam die Frage: Sind die zweithöchsten Berge die wahren Gipfel?

Am anderen Ende der Welt: In der Antarktis schließt sich für Hans Kammerlander der Seven-Second-Summits-Kreis. Es ist einer der wenigen Orte seiner aktiven Zeit, an den er gern noch einmal zurückkehren würde.

Am anderen Ende der Welt: In der Antarktis schließt sich für Hans Kammerlander der Seven-Second-Summits-Kreis. Es ist einer der wenigen Orte seiner aktiven Zeit, an den er gern noch einmal zurückkehren würde. © Fotos: Archiv Hans Kammerlander

Hans Kammerlander über die Seven Second Summits – eine Gipfelreise um die Welt

Seven Second Summits: Warum die zweithöchsten Berge der Welt oft schwieriger sind als die höchsten

Freiwillig auf die zweithöchsten Berge aller Kontinente steigen? Es gab eine Zeit in meinem Leben, da hätte ich über einen solchen Vorschlag gelacht. Der sportliche Wettkampf im Rennen um die Besteigung der Achttausender hatte immer nur ein Ziel: höher und weiter. Ganze drei Anläufe habe ich gebraucht, um den K2 zu besteigen. Doch als ich im Jahr 2000 am Gipfel des zweithöchsten Bergs der Welt angekommen war, wurde mir klar, warum man ihn den Berg der Berge nennt: Er ist ungleich schwieriger zu besteigen als der Mount Everest. Ab diesem Moment ließ mich ein Gedanke nicht mehr los: Sind die zweithöchsten Gipfel der Kontinente reizvoller als die höchsten

Bergsteigen nach dem K2: Vom Achttausender-Wettlauf zu den Seven Second Summits

Die Idee, die Seven Second Summits zu besteigen, konkurrierte eine Weile in meinem Kopf noch mit einer ganz anderen, weit riskanteren: der Skiabfahrt von allen Achttausendern. Aber irgendwann merkte ich, dass ich nicht mehr bereit war, das enorme Risiko auf mich zu nehmen. Schau dir andere Gegenden an, sagte ich mir. Asien kannte ich ja schon wie meine Westentasche, auch in Alaska war ich bereits. Aber sonst? Afrika, Kaukasus, Antarktis, alles völlige Unbekannte. Stoff für ein Abenteuer.

Seven Second Summits Expedition: Bergsteigen in Südamerika und Afrika

Das erste Ziel (den K2 hatte ich ja schon auf meiner Erfahrungsliste abgehakt) führte mich nach Südamerika auf den Ojos del Salado. Auf dem Weg zum Berg ging es durch die Atacama-Wüste, eine völlig andere Art der Annäherung an einen Gipfel. Bisher war ich vor allem die lästigen Akklimatisationsphasen an den Achttausendern gewöhnt. Oder Afrika: Am Mount Kenia angekommen, trauten mein Begleiter Konny Auer und ich unseren Augen nicht: Es schneite. Natürlich hatten wir keine Steigeisen dabei. Der Berg war Routine, etwas über 5000 Meter hoch. Aber das Drumherum war völlig neu für mich, überall taten sich neue Horizonte auf.

Abenteuer Bergsteigen weltweit: Expeditionen nach Ozeanien und Papua

Am meisten eingebrannt hat sich mir die Begegnung mit den Ureinwohnern der Provinz Papua, Indonesien. In Ozeanien bestieg ich den Puncak Trikora. Der Weg zum Berg führte durch einen Urwald. An einer Stelle kamen Männer aus dem Gebüsch, fast ganz nackt, in einem riesigen Loch in ihrer Nase steckte eine große Blume. Der Dolmetscher, der uns begleitete, konnte sich nicht mit ihnen verständigen, uns aber wenigstens glaubhaft vermitteln, dass die Blume ein Begrüßungszeichen war … Ich konnte meinen Blick nicht von den Füßen der Männer lassen: breit und kurz, fast wie Teller, die Haut so dick wie von einem Elefanten. Im Kaukasus erlebte ich die völlige Unberührtheit in der Gegend um den Dychtau. Mit einem Licht, wie ich es nirgends zuvor gesehen habe, und der Besteigung des Mount Tyree in der Antarktis schloss sich der Kreis. Es ist einer der wenigen Orte meiner aktiven Zeit, an den ich gern noch einmal zurückkehren würde.

Mount Logan Besteigung: Kontroverse, Gipfelplateau und persönliche Aufarbeitung

Den Mount Logan in Kanada hingegen hätte ich nicht noch mal auf dem Plan gehabt. Er war der vierte Berg in meiner Seven-Second-Summit-Liste, und ich hatte mich 2010 schon auf dem Gipfel gewähnt. Eigentlich dachte ich, mit diesem Projekt fernab des alpinistischen Wettlaufs unterwegs zu sein … Christian Stangl, mit dem ich den Gipfel des Mount Tyree in Angriff genommen hatte, zweifelte später über verschiedene Kanäle an, ich sei in Kanada am richtigen Punkt gewesen. Über das Wie möchte ich hier gar keine Worte mehr verlieren. Ich beschloss, meinen Fehler richtigzustellen und bestieg das ganze Gipfelplateau des Mount Logan, das sich über mehrere Kilometer erstreckt. Den Eispickel, der am Gipfel im Eis steckte, nahm ich mit. Er erinnert mich bis heute an das mit Abstand schönste und vielseitigste Projekt, das ich in meinem Leben realisiert habe.

Eingebrannt: Die Begegnung mit den Menschen auf der Expedition zum Puncak Trikora im Maokegebirge fasziniert Hans Kammerlander bis heute.

Eingebrannt: Die Begegnung mit den Menschen auf der Expedition zum Puncak Trikora im Maokegebirge fasziniert Hans Kammerlander bis heute.

Der Extrembergsteiger

Der 1956 in Südtirol geborene Extrembergsteiger gehört zu den bekanntesten seines Fachs. Er stand auf 12 Achttausendern und meisterte als Erster eine von zwei Varianten der Seven Second Summits. In jeder Ausgabe von ALPS erzählt Kammerlander eine Geschichte, die ihn besonders geprägt hat.

Web: www.kammerlander.com