Lago di Molveno: Auf stillen Wanderwegen in der südlichen Brenta und ihren Vorbergen

Lago di Molveno: Auf stillen Wanderwegen in der südlichen Brenta und ihren Vorbergen

© Fotos: Katrin Böckelen

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Paragliden, Bergsteigen, Klettersteige, Mehrseillängen, Biken, Schwimmen … Die Gegend rund um den Molvenosee bietet für Sportler einige Highlights!

Molvenosee. Der wohl schönste See Italiens liegt am Fuße der Brentagruppe im Trentino auf 822 Metern. Er bietet sowohl für die Familie als auch für Sportbegeisterte eine große Auswahl an Urlaubsaktivitäten. Längst hat sich herumgesprochen, dass dieser schöne Ort ein abwechslungsreiches Bergoutourenparadies ist, für Wanderer, für Kletterer und Eisenliebhaber. Auch die langen, anspruchsvollen Klettersteige im felsigen Ambiente der Brenta sind teilweise große Klassiker, die jedes Jahr zahlreich Ferrata-Aspiranten anlocken.

Ursprünglich durch einen gewaltigen Bergsturz entstanden, ist der Molvenosee mit einer Fläche von 3,27 Quadratkilometern der zweitgrößte See des Trentino. Da es sich um einen Bergsee handelt, ist das Wasser auch im Sommer kalt und nur etwas für abgehärtete Schwimmer! Perfekt, um sich an heißen Tagen nach so manch schweißtreibender Aktivität abkühlen zu können.

Lago di Molveno

Nach langer Recherche im Internet und unserer Kartenliteratur wissen wir endlich, welche Tour es am zweiten Tag unseres einwöchigen Urlaubs werden soll. Ich möchte zuerst die sanfte Seite des Trentino kennenlernen. Für das Warum-Up ist das bestimmt eine entspannte Sache! Gut zu wissen: Während die Brenta neben normalen Wanderungen von einem beachtlichen Netz an Klettersteigen durchzogen wird und viele Touristen anzieht, ist die Adamello- und Presanellagruppe bisher deutlich ruhiger geblieben.

Lago di Molveno

Deshalb machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg in den Naturpark Adamello. Dieser befindet sich in den Südalpen in der Provinz Trient und wurde 1976 gegründet. Der Grund für die Entstehung des wilden Adamello-Brenta-Naturparks ist seine Charakter- und Symbolfigur, der Braunbär. Zum Schutz des Sohlengängers entschloss man sich damals gegen die Verfolgung und Ausrottung des Tieres, wie es zu dieser Zeit üblich war. Zwischen 1999 und 2002 wurden zehn Braunbären freigelassen, die sich gut an ihre neue Lebensumgebung angepasst haben und die Population, die heute 20 Bären umfasst, begründet. Auch wenn die Begeisterung überwiegt, der braune Symphatieträger flößt mir einiges an Respekt ein. Will ich ihm in freier Wildbahn über den Weg laufen? Mir persönlich reichen die Fotos der Bären, welche auf einigen Warntafeln mit der Aufschrift „Bear Area“ und den dazugehörigen Verhaltensregeln zu sehen sind, völlig aus. Auch wenn die Braunbären vergleichsweise friedfertige Tiere sind, sollte man sie nicht unterschätzen.

Mit gemischten Gefühlen starten wir am Parkplatz „Ponte Baesa“ (770 Meter) unweit des Dorfes Senaso. Von dort folgen wir dem Weg 349. Nach einem kurzen Flachstück windet sich die asphaltierte Straße immer steiler werdend den Berg hinauf. An manchen Stellen erreicht sie eine Steigung von 24 Prozent. Nach den ersten Metern rinnt uns bereits der Schweiß über die Stirn. Gut, dass es heute nicht allzu heiß werden soll. Schützen uns hier noch viele Bäume vor der Sonne, ist ab der Hälfte der Tour kein Schattenspender mehr vorhanden.

Lago di Molveno Am Ende der Straße teilt sich der Weg und wir biegen rechts ab. Nun schlängelt sich ein Pfad sanft durch lichten Laubwald vorbei an einigen kleinen Holzhütten, ehe wir die Bäume vollends hinter uns lassen. Ein alter verwachsener Karrenweg führt zielstrebig, ohne eine Kehre, rechts um den Berg herum. Dieser wird in den Sommermonaten von Hirten und deren Schafen genutzt, um an die saftigen Bergwiesen zu gelangen.

Die langen Grashalme am Wegesrand sind vom vielen Sonnenschein und der südlichen Ausrichtung gelblich verfärbt und recht ausgedörrt. Was der Landschaft einen expressionistischen, toskanischen Touch verleiht. Ein monotones Summen strömt daraus hervor. Schön, dass die Insektenwelt hier noch in Ordnung ist …

Auf dieser weiten, offenen Flur sind erstmals Weitblicke in die angrenzenden Berge möglich. Unterhalb von uns befindet sich die italienische Gemeinde „San Lorenzo Dorsino“. In der Ferne liegt verdeckt, in südlicher Richtung, der Gardasee. Hier in der Abgeschiedenheit bekommen wir vom Touristentrubel zum Glück nichts mit.

Es ist so einsam hier oben, dass wir immer noch keinem Mensch begegnet sind. Ganz ungewohnt, wenn ich das mit unseren, zum Teil sehr überlaufenen Münchner Hausbergen vergleiche. Es ist schön, sich voll und ganz auf die Natur und das Fotografieren konzentrieren zu können, ohne dass jemand Stress macht, weil er in Eile ist. Ich sauge alles in mich auf und genieße den herrlichen Ausblick.

Lago di Molveno

Lago di Molveno

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Nach ein paar Minuten gelangen wir zu einem schmalen, ausgesetzten Steig, der an den Ausläufern der „La Crona“ (2324 m) entlangführt. 250 bis 300 Meter geht es hier steil abfallend in die Tiefe. Verrückt, wie schnell sich das Gelände ändern kann! Unter uns im Tal erspähe ich eine alte Ruine, von denen es hier so einige gibt. Typisch italienisch eben. Nach ein paar exponierten Metern wird der Pfad wieder breiter und bald verabschiedet sich der Abgrund.

Weiter geht es über eine große Almwiese mit vielen Bergschafen. Wir müssen eine Weile warten, bis uns die Vierbeiner vorbeilassen. Mir bietet sich ein grandioser Blick vorbei an den Schafen, hinein in das grasige Hochtal. Irgendwo muss doch auch die Hütte sein?! Nach längerem Suchen und einigen Gehminuten entdecken wir die Hütte „Malga Asbelz“, die sich hinter einem Hügel versteckt.

Sie liegt auf 1956 Meter und ist schon etwas in die Jahre gekommen. Allerdings passt sie mit ihrem verlottertem Charme gut in diese ursprüngliche Landschaft. Der Schäfer, den wir antreffen und der hier wohnt, scheint ebenfalls aus einer anderen Zeit zu kommen. Bärtig, mit langen Haaren und zerschlissenen Klamotten ist er der geborene Naturbusche, der mit unserer urbanen Welt wohl nicht viel am Hut hat. Nichts lässt hier auf das hochmoderne 21. Jahrhundert schließen. Zum Waschen gibt es einen Brunnen mit eiskaltem Wasser. Zum Kochen einen alten Ofen, der mit Holz gefüttert werden muss. Internet? Fehlanzeige!

Lago di Molveno

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Nach kurzem Fremdeln kommen wir ins Gespräch – oder sowas Ähnlichem. Er versteht kein Deutsch, wir fast kein Italienisch. Mit Händen, Füßen und ein paar Brocken Englisch versucht er uns die umliegenden Berge zu erklären und aus seinem einfach Leben zu erzählen. Er taut nun vollends auf und wir verbringen eine gute halbe Stunde an diesem besonderen Ort. Nachdem der Hirte hier jeden noch so unbekannten Pfad kennt, versucht er, uns eine tolle Alternative zu unserem Abstieg schmackhaft zu machen.

Ursprünglich wollten wir den selben Weg wieder zurück gehen. Doch er überzeugt uns! „Seine Rundtour“ hört sich vielversprechend an. Wir holen die Karte hervor und sehen den kleinen gestrichelten Pfad, von dem er so schwärmt.

Dieser geht zu einer Anhöhe, einem Pass hinauf und anschließend hinab zur „Rifugio Al Cacciatore“ ins Val d’Ambiez. Es sind zwar etliche Höhenmeter und einige Kilometer mehr, aber nach einem Blick auf die Uhr sehen wir, das dafür noch genug Zeit bleibt. So viel sei verraten: Nach dieser Tour bin ich sehr glücklich über seinen Geheimtipp!

Lago di Molveno

Lago di Molveno

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Wir verabschieden uns und wandern am 50 Meter höher gelegenen kleinen Asbelz-See vorbei, rechts haltend auf einem kaum sichtbaren Pfad. Etwas enttäuscht von dem „grünen Tümpel“, lassen wir ihn ohne große Beachtung kurzerhand links liegen.

Hier ist das Gras saftig grün. Nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten finden wir die Andeutung eines Weges. Doch so unbekannt scheint der etwas verwilderte Bergpfad nicht zu sein. In gut sichtbaren Abständen wurden hier vor kurzem neue Holzpflöcke mit roten Markierungen in die Wiese gesteckt. Ab dem See heißt es deshalb Augen auf! Gut für uns, so können wir den Pfadspuren ohne Verhauer folgen.

Die Wiesen werden nun steiler. So steil, dass wir uns beim Hochsteigen mit voller Kraft in die Handschlaufen unserer Stöcke lehnen. Ich bin froh über den Wind, der angenehm kühle Luft transportiert. Die Nebelschwaden ziehen immer wieder zu uns hinauf, sodass eine mystische Stimmung entsteht. Dazu gesellt sich das Rauschen des Windes im hohen Gras. Ich bleibe stehen und versuche diesen einmaligen Moment dieser Wolkenspiele einzufangen. Oben am kleinen Pass angekommen, haben wir den höchsten Punkt auf 2200 Meter für heute erreicht.

Lago di Molveno

Der Ausblick ist erneut „wahnsinnig“ schön! Ich setze mich in das weiche Gras, genieße das Panorama und warte auf meine Begleiter. Die Gegend ist so wild und einsam, dass mir kurz auch etwas mulmig wird. Passieren darf hier im ausgesetzten Gelände nichts. Keine Menschenseele weit und breit und kein Handyempfang.

Nach einer kurzen Pause machen wir uns an den unbekannten Abstieg. Konzentriert folgen wir dem kaum sichtbaren Wiesenpfad. Die Hänge sind hier sehr abschüssig und ein Fehltritt wäre fatal. Das feuchte hohe Gras, welches den schmalen Pfad überwuchert, macht damit jeden Tritt umso gefährlicher. Da ist Vorsicht geboten!

Irgendwann gelangen wir zu einem felsigen Übergang, der den Blick auf ein hohes Bergmassiv freigibt. Vor uns erhebt sich im gleißenden Sonnenlicht der imposante Gipfel des „Corno di Senaso“ (2853 m). Die Berge dort sind viel schroffer und felsiger, als auf unserer Seite. Beeindruckt von der sich ständig verändernden Szenerie übersehe ich fast die Gruppe Gämsen unter uns, für die es hier ein einziger Spielplatz sein muss! Wir folgen dem gerölligen Steig hinunter in eine mit Latschen gesäumte Hochebene.

Lago di Molveno

Lago di Molveno

Lago di Molveno

Nach einer weiteren Stunde mit abwechslungsreichem Gelände erreichen wir eine Almwiese, auf der ein alter Wohnwagen steht. Mir stellt sich die Frage, wie der wohl hier hoch gekommen ist? Schließlich gibt es keinen breiten Weg. Der Hirte, der hier normalerweise wohnt, ist wohl noch um einiges bescheidener als unser Asket von der Alsbelz-Hütte. Da wird mir mal wieder vor Augen geführt, wie materialistisch wir in der Großstadt leben und dass Verzicht in vielerlei Hinsicht mitunter besser wäre …

Der Nachmittag ist schon fortgeschritten, weshalb wir froh sind, endlich unser Ziel, das „Rifugio Al Cacciatore“ auf 1820 Meter zu erreichen. Wir sind mittlerweile ziemlich hungrig und ich freue mich sehr über das leckere italienische Essen, welches wie so oft aus Polenta, Pilzen und Salsiccia besteht. Nach der reichlichen Stärkung sind wir für die restlichen Kilometer gewappnet. Rund 1,5 Stunden brauchen wir zurück zu unserem Parkplatz „Ponte Baesa“.

Die restlichen Tage sind prall gefüllt mir einem anstrengenden Tourenprogramm im Herzen der Brenta. Wer einmal die Wildheit und Schönheit der Felsriesen mit eigenen Augen gesehen hat, möchte nicht mehr so schnell weg! Trotz der spannenden Klettersteige und Klettertouren wird mir die einsame Bergtour im Naturpark Adamello immer in Erinnerung bleiben. So ruhig und einsam wie dort, war es nirgendwo anders mehr …

Lago di Molveno

GUT ZU WISSEN

Ausrichtung // Süd/Ost  Bergtour5 – 6 Stunden   1450 Hm

Art // Bergtour
Schwierigkeit // Mittel
Orientierung // Vom Parkplatz folgen wir dem flachen Weg bis zum Anfang der steilen Teerstraße. Danach rechts haltend über einen schmalen Wanderweg durch lichten Wald und an kleinen Hütten vorbei. Dem Karrenweg folgen wir über Wiesen, bis dieser an einer Engstelle in einen etwas ausgesetzten Steig übergeht. Diesen entlang der Felsen folgend, danach über sanfte Almwiesen hinauf zur „Malga Asbelz“ (1956 m). Am kleinen See vorbei, rechts haltend über einen schmalen Pfad, die steiler werdenden Grashänge empor. Dabei auf die Markierungen achten! Am Pass angekommen absteigend hinunter zu einem Übergang. Von dort über einen gut sichtbaren Wanderweg hinab zur „Rifugio Al Cacciatore“ (820 m).
Beste Jahreszeit // Juli bis Oktober.
Einkehrmöglichkeit // „Rifugio Al Cacciatore“ auf 1820 Meter.

Anreise zum Molvenosee //
Mit dem Auto: Von der Brennerautobahn die Ausfahrt San Michele all’ Adige nehmen. Das Städtchen Mezzolombardo durchqueren, weiter bis zur Abzweigung Richtung Altopiano della Paganella (auf der linken Seite). Nachdem Sie Fai della Paganella und Andalo hinter sich gelassen haben, erreichen Sie Molveno. 
Mit dem Zug: Wer mit der Bahn anreisen möchte, steigt je nach Zug (Brennerlinie) in Trento oder Mezzocorona aus. In der Saison verkehren zwischen den genannten Bahnhöfen und Molveno Busse.
Anreise zum Ausgangspunkt der Bergtour: Vom Ort Molveno in ca. 20 Minuten zum Wanderparkplatz „Ponte Baesa“ (770 Meter). Von Osten auf die Via Nazionale SS421, nach 10 Kilometer rechts abbiegen auf die Strada Nòa. Die Straße  verläuft leicht nach rechts und wird zu Frazione Senaso. Von dort in 1,7 Kilometer zum Ausgangspunkt.
Parkplatz // Ponte Baesa.
Kosten // –

Ausrüstung // Bergtourenausrüstung.

TIPP // Wer noch am selben Tag hinunter ins Tal bzw. zum Ausgangspunkt zurück möchte, weil der weite Abstieg zu lang ist, kann den Shuttle-Service (Taxi Jeep) der „Al Cacciatore Hütte“ in Anspruch nehmen.