Über die Westrinne auf den Blankenstein – ein interessanter und schroffer Anstieg für kletteraffine Bergsteiger

Über die Westrinne auf den Blankenstein – Eine Wandertour in den Bayerischen Voralpen nahe dem Tegernsee

© Fotos: Katrin Böckelen

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Auf Gipfeltour unterwegs in den Bayerischen Voralpen nahe dem Tegernsee

In den bayerischen Voralpen gibt es nur langweilige Wandertouren, auf denen man nicht gefordert wird? Falsch gedacht! Wer es abenteuerlicher und wilder möchte, muss nur die richtige Tour wählen. An diesem Tag bin ich alleine unterwegs. So kann ich das Freiheitsgefühl in den Bergen noch ein Stück besser genießen und mit meiner Kamera frei entscheiden, wohin es mich motivtechnisch verschlägt. Ein bisschen Abenteuerfeeling darf bei einer Bergtour natürlich auch nicht fehlen, deshalb entscheide ich mich für den markanten Blankenstein im Mangfallgebirge.

Auf dem Gipfel dieser verwegenen Felsnadel stand ich bereits als stolzes Kind und verbinde deshalb sehr schöne Erinnerungen an Familientouren. Meine Eltern haben mich schon früh in so manches alpine Terrain hineinschnuppern lassen, sodass ich die bergsteigerischen Fähigkeiten und das Können besitze, um Klettertouren im unteren Schwierigkeitsgrad auch alleine durchführen zu können. Ein Privileg, welches ich sehr zu schätzen weiß!

Früh am Morgen, um die Einsamkeit und Ruhe genießen zu können, fahre ich los. Am Parkplatz Hufnagelstube (ca. 960 m), an der Mautstraße zur Monialm befindet sich der Ausgangspunkt der heutigen Tour. Dem flachen Forstweg folge ich zirka zehn Minuten bevor es links weggeht Richtung „Risserkogel, Blankenstein“. Der breite Weg schlängelt sich durch saftig grüne Almwiesen bis zur Siebli-Alm.

Über die Westrinne auf den Blankenstein – Eine Wandertour in den Bayerischen Voralpen nahe dem Tegernsee

Über die Westrinne auf den Blankenstein – Eine Wandertour in den Bayerischen Voralpen nahe dem Tegernsee

Von dort zweigt rechter Hand ein markierter Pfad ab, der durch die schattenseitige Lage meistens feucht und matschig ist. Über nasse, rutschige Wurzeln geht es zunächst durch einen dichten Wald, bevor sich mir nach einer Weile ein traumhafter Blick bietet. Dort, wo man den Nadelwald verlässt, steht auf einer lichten Almwiese die urige Riedereckalm (1470 m). Von hier aus lässt das Panorama der umliegenden Berge und in weiter Ferne die Silhouette des „Wilden Kaisers“ keine Wünsche offen. Perfekt, um die Kamera aus dem Rucksack zu holen!

Zurück auf dem Wanderweg werden anschließend die sogenannten Schneeböden gequert, bevor es unter der imposanten Wand des Risserkogel entlang geht und weiter oben der aussichtsreiche Blankensteinsattel auf 1692 Meter erreicht wird. An sehr sommerlichen Tagen hängen viele Kletterer an der fotogenen Blankensteinnadel, die allerdings den „Könnern“ vorbehalten ist. Im Sonnenlicht glitzern die silbernen Haken am abweisend wirkenden, glatten Fels.

Über die Westrinne auf den Blankenstein – Eine Wandertour in den Bayerischen Voralpen nahe dem Tegernsee

Klettertechnisch ganz so fordernd wird es heute nicht. Allerdings sollte die Kraxelei auf den Gipfel nicht unterschätzt werden! Geübte Kletterer wählen unseren Aufstieg – die Normalroute über die Westrinne – auch als Abstieg und sehen dabei sehr entspannt aus. Für normale Wanderer ohne Kletterscills ist am Sattel allerdings Endstation und es sollte erwogen werden, die Alternative, den zahmeren Risserkogel in Angriff zu nehmen: auch sehr lohnend!

Die Kletterschwierigkeit der ausgesetzten Westrinne mit dem glatt polierten Gipfelanstieg wird in der UIAA-Skala mit II+ angegeben. Da Klettereien beim Abstieg oft schwieriger sind, sollte sich jeder im Vorfeld Gedanken zur Selbsteinschätzung machen und gegebenenfalls umdisponieren. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Affinität im exponierten Gelände sind hier obligatorisch.

Über die Westrinne auf den Blankenstein – Eine Wandertour in den Bayerischen Voralpen nahe dem Tegernsee

Wer sich wohl fühlt, der folgt den Steigspuren (keine Markierung/Beschilderung) links an der Blankensteinnadel vorbei zu einer markanten, kammartigen Felsrinne; durch diese rechtshaltend steil empor (UIAA II). Bei Nässe sollte man wegen der zum Teil abgegriffenen, glatten Felsen abbrechen.

Ich fühle mich hier in der Rinne pudelwohl, genieße die anregende Kraxelei und bin froh, dass es schon länger nicht mehr geregnet hat. Oben angekommen, klettere ich hinüber auf die linke Seite und folge dem Steig (Gehgelände) weiter in Richtung Kreuz. Etwas luftig geht es anschließend um einen Felsblock herum. Nach einem kurzen Abstieg kommt der Kamin in Sichtweite, welcher die Schlüsselstelle (UIAA II+) darstellt. An abgeschmierten Griffen festhaltend klettere ich auf den Gipfel des Blankensteins und genieße die herrliche Rundumsicht. Der Risserkogel, der große Nachbar, überragt den Blankenstein um 60 Meter.

Über die Westrinne auf den Blankenstein – Eine Wandertour in den Bayerischen Voralpen nahe dem Tegernsee

Über die Westrinne auf den Blankenstein – Eine Wandertour in den Bayerischen Voralpen nahe dem Tegernsee

Über die Westrinne auf den Blankenstein – Eine Wandertour in den Bayerischen Voralpen nahe dem Tegernsee

Außer mir sind nur noch zwei weitere Gipfelaspiraten in voller Klettermontur hier oben. So einsam ist es auf diesem beliebten Kletterberg allerdings selten. Sie haben den Ostgrat des Blankensteins gemacht. Die bekannte Gratüberschreitung bietet fünf gut abgesicherte Seillängen im festen und griffigen Fels und das lassen sich die Kletterfans an warmen Tagen nicht zweimal sagen …

Auch die Wolkenstimmung und die damit verbundenen Schattenspiele sind an diesem Tag besonders schön. Dagegen ist ein blauer Himmel oft monoton und etwas langweiliger, zumindest was das Fotografieren anbelangt. Nach einer ausgiebigen Brotzeit und vielen Fotos später breche ich auf, denn langsam wird es windig und kalt.

Der Abstieg durch die Rinne gestaltet sich bei guter Linienwahl leichter als gedacht und schon stehe ich zufrieden am Sattel. Zurück nehme ich den Weg hinab Richtung Röthenstein-Alm (1385 m), welcher ab der Alm in eine asphaltierte Straße übergeht. Diese Variante wird deshalb auch gerne als Bike & Hike-Tour gemacht und erleichtert den Rückweg mit schwerem Klettergepäck ungemein! Zurück am Ausgangspunkt freue ich mich über diesen wunderbar abwechslungsreichen Tag in den heimischen Bergen.

GUT ZU WISSEN

Ausrichtung // Nord, Ost  Bergtour ca 4:30 Std. 900 hm

Art // Bergtour
Schwierigkeit // Mittel bis Schwer (UIAA II+).
Orientierung // Vom Parkplatz bis zur Siebli-Alm unschwierig auf breitem Weg. Danach weiter auf einem wurzeligen Pfad durch dichten Wald bis zur Riedereckalm. Von dort bis zum Blankensteinsattel. Hier entweder links hoch Richtung Risserkogel oder rechts haltend auf Steigspuren und anschließend die Westrinne hoch (Kletterei II+) bis zum Gipfel des Blankensteines. Abstieg wie Aufstieg oder als Rundweg über die Röthensteinalm zurück zum Ausgangspunkt.

Gehzeit und Tourenziele //

– Blankenstein 900 hm (3,5-4 h)
– Risserkogel vom Blankensteinsattel 60 hm (45 Min.)

Beste Jahreszeit // Ende Mai bis zum ersten Schneefall.
Einkehrmöglichkeit // Unterwegs keine. Etwa 700 m oder zwei Bushaltestellen Richtung Spitzingsee vom Parkplatz entfernt befindet sich der Berggasthof Monialm (1000 m).

Anreise //
Mit dem Auto: Autobahn München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen, über Tegernsee bis Rottach-Egern, dort links Richtung Sutten abbiegen, in Enterrottach auf der Valeppstraße (2 Euro Maut) bis zum Parkplatz an der Bushaltestelle Kistenwinterstube auf der rechten Seite.
Mit Bus & Bahn: Mit der Bayerischen Oberlandbahn von München Hauptbahnhof bis Tegernsee. Vom Bahnhof Tegernsee weiter mit der Bus-Linie 9560 zur über Rottach-Egern zur Haltestelle Kistenwinterstube, die sich direkt am Ausgangspunkt befindet.
Parkplatz // Parkplatz Hufnagelstube an der Mautstraße.
Kosten // 5 Euro.

Ausrüstung // Normale Wanderausrüstung, Approachschuhe für besseren Grip, evtl. ein Seil zum Sichern (wenige Haken).

TIPP // Für Kletterer: Der Blankenstein bietet beinahe alles – vom Normalanstieg im II. Schwierigkeitsgrad bis hin zum VIII. Grad hat er die ganze Palette im Angebot. Wer Gratklettereien mag, kann sich den Blankenstein-Ostgrat vornehmen. Fünf Seillängen bis IV+ in rauem, festen Fels! Ambitonierte Kletterer können sich an der Blankenstein-Nadel austoben. Diese weist eine der schwierigsten Klettereien in den bayerischen Voralpen auf!

Über die Westrinne auf den Blankenstein – Eine Wandertour in den Bayerischen Voralpen nahe dem Tegernsee